Gameboy-Musik-Match zwischen Wien und New York in Internet und Radio

28. April 2003, 11:19
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Musiker schickten mit Klein-Videospielkonsolen erzeugte durchaus anhörbare Klänge über den Atlantik

Weit mehr als die entnervenden Soundeffekte der springenden Installateure oder fliegenden Raumschiffe, die zuweilen Straßenbahn oder Schulhof zur Low-Fi-Spielhölle machen, bringen die diversen Klein-Videospielkonsolen wie Nintendos "Gameboy" mit ihren teils hochwertigen Klangchips musikalisch hervor - sitzen nur die richtigen Leute an den Tasten. Gestern, Sonntag, traten im Rahmen des New Yorker Electronic-Festivals "moving patterns" talentierte "Gameboy"-Musikanten in Wien und New York zum zeitgleichen freundschaftlichen Sound-Match an. Über Internet und Radio wurden dabei durchaus anhörbare Sounds über den Atlantik und in den Äther geschickt.

Wettstreit

Es traten die "spielgemeinschaft gb vienna" gegen die "8 bit masters new york" an - in einem Wettbewerb, in dem es keinen Pokal gab und wo der Gewinner "immer das Publikum" sein sollte. Für den Live-Einstieg ins "Ö1-Kunstradio" bis auf die Sekunde genau durchgeplant, hat die Veranstaltung in der New Yorker Bar "Openair" zeitgerecht um kurz nach fünf Uhr Nachmittags begonnen - die Wiener Videospielmusikfans fanden sich zeitverschiebungsbedingt um 23 Uhr im Gürtelbogen-Szenelokal rhiz ein. Mehr als 40 Leute waren in die Bar in Downtown Manhattan gekommen, ein Besucherstrom, der angesichts der frühlingshaften Temperaturen bemerkenswert war. Auch das rhiz war gut gefüllt.

Synchron

Mit eigenen Sequencer-Programmen und teils an mehreren, über Kabel synchronisierten Exemplaren der kleinen bunten Videospielkonsolen sitzend, rangen die Musiker den Gameboys vielfältige, teils witzige, jedenfalls überraschend gut klingende Musik ab, die vom Upspeed-Techno des in New York auftretenden Bitshifters bis zu kokettierend-ironisch piepsenden Songs auf der gestern ebenfalls präsentierten neuen CD des Wiener gameboy music clubs, "hot gamboy music", reichte.

Probleme

Über einen Live-Mp3-Internetstream - der nicht immer fließen wollte - kamen die in New York produzierten Klänge nach Wien und umgekehrt, über die rhiz-eigene Webcam hatten die Zuhörer im Big Apple - wenn auch erst nach einer Stunde Konzert - die Möglichkeit, einen Blick auf das Innere des Wiener Lokals zu werfen. Diese Übertragung zeigte in typischer Web-Qualität zwar nicht mehr als schwarze Schatten, half jedoch die Gleichzeitigkeit des Events in Wien und in New York zu unterstreichen. Was von Wien aus mehr Vorstellungskraft benötigte: "Das ist jetzt aus New York?", fragte einer der rhiz-Gäste sein Gegenüber - das nur mit der Schulter zucken konnte. Das Gefühl, mit Wien bzw. New York verbunden zu sein, hatte man kaum.

Tonmangel

Die Moderationen waren weder in Wien noch in New York für die in den Lokalen Anwesenden durchgängig hörbar. Moderiert wurde in New York von der Bar aus, obwohl die Künstler in einem lang gestreckten Hinterraum auf eine Bank aufgereiht saßen. Das Mikrofon teilten sich die Musikerin Dorit Chrysler und Projekt-Koordinator und Co-Kurator von "moving patterns". Hans Groisz. Groisz erklärte im Gespräch mit der APA, dass hier "mit den einfachsten Mitteln" Radio gemacht werde. Für das technische Set-Up war in New York nur eine Stunde Zeit gewesen, und Groisz betonte, dass er froh sei, dass alles so klaglos gelaufen sei. In New York wurden Teile des Konzerts vom Radiosender WNC aufgezeichnet.

Nach einiger Zeit ging es nicht Wenigen so wie einer rhiz- Besucherin, die sich schon zum Vorprogramm (Beginn 21 Uhr) eingefunden hatte: "Okay, klingt gut. Aber nach drei Stunden ist es jetzt wirklich genug". Nach den Gameboy- Musikanten schickten noch Wiener Musiker und Teilnehmer am New Yorker "moving patterns"-Festival Musik aus "echten" Instrumenten über den Atalantik und auf FM4. Was dann doch eine willkommene Abwechslung war. (APA)

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