Intensiver fördern gefordert

28. April 2003, 10:57
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Forschungsgelder in gesamter EU knapp

"Österreich ist kein Einzelfall in der schwachen Forschungsförderung - in allen Ländern der EU werden die Forschungsgelder derzeit knapp gehalten", sagt Günter Kahler, Geschäftsführer des Forschungsförderungsfonds (FFF) im Gespräch mit dem STANDARD. Kahler reagiert auf eine jüngst von der EU-Kommission ausgesprochene Forderung, wonach Österreich mehr in den Bereich der Forschungsförderung investieren solle.

Die schwache Innovationskapazität und der "mangelnde Wettbewerb auf den Produktmärkten" seien aus der Sicht der Brüsseler Behörde die Hauptprobleme der österreichischen Wirtschaft. Die EU-Kommissare sehen die "schwache Technologiebasis" und die "mäßige Verbreitung von Technologieergebnissen in der Wirtschaft" als Grundprobleme der österreichischen Wirtschaft.

Die Brüsseler empfehlen Wien, die öffentlichen Ausgaben auf die wachstumsfördernden Bereiche neu auszurichten. Für Kahler ist die Situation nicht ganz so dramatisch: Immerhin habe man im vergangenen Jahr 1291 Förderansuchen behandelt, davon wurden 816 Projekte gefördert. Das Gesamtvolumen der behandelten Aufträge erreichte 885,26 Mio. Euro, für die Fördermittel in Höhe von 430,92 Mio. Euro beantragt wurden.

Das sei jedoch immer noch zu wenig. Die Industriellenvereinigung (IV) sagte auch unlängst, wie berichtet, sie befürchte einen Innovationsstopp in Österreich. Der Grund: Es gäbe eine Finanzierungslücke in Höhe von 200 Mio. Euro für innovative Forschungsprojekte. "Es mangelt vor allem an der Umsetzung der Forschungsoffensiven", sagte Lorenz Fritz, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, obwohl die Regierung "gute Ansätze habe".

Im Wettbewerb bleiben

Auch bei namhaften Industriebetrieben regt sich nun Unmut über den anstehenden Finanzierungsengpass. So sagt man beim Leiterplattenhersteller AT & S: "Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind wir auf Forschungsprojekte angewiesen und auch auf Förderungen." Günter Kahler weiß, dass die öffentlichen Mittel heute sparsam eingesetzt werden, doch: "Es wäre erfreulich, wenn es der öffentlichen Hand trotzdem gelänge, Projekte intensiver zu finanzieren. Die öffentliche Hand sollte der Forschung statt zehn gleich 15 Prozent der Kosten zuschießen. Dann gäbe es in den Industriebetrieben nicht so einen Unmut." (gro/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 4. 2003)

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