Unis tauchen nach Wissenschaftsperlen

28. April 2003, 10:56
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Technologiescouts suchen nach patentierbaren Forschungsergebnissen

An der Veterinärmedizinischen Universität sind ab Mai Schatzsucher der besonderen Art unterwegs: Technologiescouts sollen die Perlen unter den Forschungsergebnissen aufspüren. Und - gemeinsam mit der Innovationsagentur - überprüfen, ob eine Patentierung Sinn macht. Auch an anderen Unis will man Patentierungen fördern. Ein Grund für das gesteigerte Interesse findet sich im Universitätsgesetz 2002: Ab Inkrafttreten - also spätestens ab Jänner 2004 - können die Universitäten selbst Patente anmelden. Bisher blieb das den einzelnen Wissenschaftern vorbehalten. Von 1999 bis 2001 wurden rund 140 (von österreichweit insgesamt 2000) Patenten von Uni-Angehörigen angemeldet. De jure hatte der Dienstgeber Bund das Recht, die Patente aufzugreifen, doch dies kam so gut wie nie vor.

Mit dem UG 2002 erhalten die Unis das Aufgreifsrecht - und die haben durchaus Interesse: "Die Strategie ist erst in Ausarbeitung - generell haben wir aber schon vor, Patente verstärkt auch als Universität aufzugreifen", so der TU-Wien-Vizerektor Franz Rammerstorfer. Dies kündigt auch Wolfgang Pöhl, Rektor der Montanuni, an: "Wir werden dieses Recht selbstverständlich wahrnehmen - wie ein Unternehmen." Die Erfinder würden in entsprechender Form entschädigt werden. Denn dabei geht es auch um Einnahmen aus den Patenten. Hier müsse der Verteilungsschlüssel - zwischen Erfinder, Institut und Universität - gut austariert werden, warnt Franz Holzer, Leiter der Forschungs- und Technologieinformation der TU Graz. International üblich sei im Schnitt jeweils ein Drittel für Erfinder, Forschergruppe und Uni, erklärt Karin Welser vom Außeninstitut der TU Wien - mit großer Schwankungsbreite.

Langfristige Hoffnung

Doch seien Patente auch international nicht die große Einnahmequelle: "Wo es sehr gut läuft, machen das ein bis drei Prozent des Unibudgets aus", so Welser. Auch an der Uni Wien erwartet man sich "keine Goldfunde à la Bonanza", sagt Rektor Georg Winckler. In fünf bis zehn Jahren könnten durchaus Gewinne herausschauen, doch kurzfristig zähle der verbesserte Wissenstransfer.

Auch der Vetmed-Rektor, Wolf-Dietrich Freiherr von Fircks, hofft nicht auf den Geldregen. Wohl aber auf zusätzliche Wirtschaftskooperationen und damit Drittmittel. Was Investitionen bedingte: An der Vetmed veranschlagt man für die ersten drei Jahre des Technologie-Scout-Projektes 500.000 Euro - für drei wissenschaftliche "Scouts" und die Patentierungskosten. 150.000 Euro davon übernehmen der Wiener Wirtschaftsförderungsfonds und die Innovationsagentur. Die Frauenhofer Institute hätten mit derartigen Projekten gute Erfahrungen gemacht, erklärt Mathias Drexler von der Innovationsagentur. Er hofft auf Interesse weiterer Unis an einer Zusammenarbeit. An den Universitäten gibt man sich zurückhaltend, teilweise wird auf eigene Gründergesellschaften verwiesen. (Heidi Weinhäupl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 4. 2003)

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