SpamNet in der Defensive

28. April 2003, 09:41
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Zwist innerhalb des Managements - Konkurrenz bietet Software gratis

Cloudmark, Anbieter der Anti-Spam-Software "SpamNet", ist in die Defensive geraten. Viele Beta-Tester fühlen sich über den Tisch gezogen, nachdem die Software, wie, entgegen früheren Ankündigungen mit Erscheinen der Final-Version kostenpflichtig geworden ist (der Webstandard berichtete). Der Spamfilter funktioniert nur, wenn eine erkleckliche Anzahl von Usern Mails als Spam markiert. Cloudmark musste nun die letzte, kostenlose Beta-Version wieder online stellen, um die Anwender etwas zu beruhigen. Gleichzeitig wittert die Konkurrenz die Chance, aus der SpamNet-Misere Nutzen zu ziehen und bietet ihre Software teilweise gratis an.

Erwischr

Cloudmark scheint von der Reaktion der über 400.000 Anwender umfassenden Community am kalten Fuß erwischt worden zu sein. Auf der Website diskutieren jene User, die die Einführung der Gebühren (48 bis 60 Dollar pro Jahr) schon mitbekommen haben. Es werden alternative Businessmodelle ventiliert, frühere Meldungen, die aktuellen Stellungnahmen von Cloudmark widersprechen, zitiert, sowie alternative Anti-Spam-Programme empfohlen. Während die Firma selbst langsam und anfangs nur mit Dementi auf die Beschwerden antwortete, reagierte die Konkurrenz schnell. So bietet Sunbelt bis Mitte Juni den Spamfilter "iHateSpam" kostenlos an. Über einen Mail-In-Rabatt erhalten Einwohner der USA den Kaufpreis (einmalig 20 Dollar) rückerstattet. "Sunbelt Comes to the Rescue of Upset Cloudmark SpamNet Users" titelt die entsprechende Presseaussendung. Das gleiche Produkt wird übrigens unter dem Namen "Spam Inspector" für 30 Dollar vertrieben. 4 Peaks überlegt jetzt, ebenfalls einen Spamfilter zu entwickeln und hat die Cloudmark-User um Vorschläge und Wünsche gebeten.

Probleme

Inzwischen haben die SpamNet-Betreiber erkannt, dass sie zumindest ein massives PR-Problem haben und versuchen gegenzusteuern. Allerdings scheint noch nicht ganz klar zu sein, in welche Richtung. Nachdem das Unternehmen wiederholt darauf hingewiesen hatte, dass die Beta-Version weiterhin funktionstüchtig bleiben würde, hatten die User wiederum eine Downloadmöglichkeit eben dieser letzten Beta-Version verlangt. Cloudmark hatte dies jedoch verweigert und sogar anderen Websites verboten, die Installationsdatei zum Download bereit zu stellen. Alexander Edelstein, Mitglied des Board of Directors und Chef des Venture Capital Financiers Gemstone Capital, hat sich selbst in die Diskussionen im Forum eingeschaltet und konnte nach langen Diskussionen mit dem CEO Karl Jacob und dem Marketing-Chef einen Kompromiss erzielen. Die letzte, kostenlose Beta (Version 10e) wird nun wieder bereitgestellt. Auf der Download-Page wird dies aber verschwiegen und die entsprechende Download-URL ist gar 142 Zeichen lang.

Scharf

pressetext.austria liegen derweil einzelne Berichte darüber vor, dass die Beta-Version trotz aller Beteuerung von Cloudmark ihre Dienste eingestellt hat. Auch die Open-Source-Software "razor", die das gleiche P2P-Netz nutzt, soll plötzlich viel langsamer arbeiten. Im Vorfeld der Veröffentlichung der kostenpflichtigen Version 1.0 hatte Cloudmark die Update-Funktion der Beta-Software deaktiviert und so verhindert, dass viele User die letzten und damit relativ Bug-freien Beta-Versionen installiert haben. (pte)

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