"Geld oder Liebe"?

28. April 2003, 09:48
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Filmprojekt über die Liebe mit 20 Starregisseuren sucht im eigenen Land nach Geld

Paris - Woody Allen, Johnny Depp, Jean-Luc Godard und Tom Tykwer drehen in Paris, der "Stadt der Liebe", einen Liebesfilm. "Paris, je t'aime" (Paris, ich liebe Dich), heißt das ungewöhnliche Projekt der kleinen Produktionsfirma Novem, das im Ausland Schwärmerei und in seinem Heimatland Skepsis hervorruft. "Wir haben bis heute für die Finanzierung noch keinen französischen Partner gefunden", bedauert Produzent Emmanuel Benbihy.

20 international renommierte Regisseure, die je fünf Minuten lange Episoden in einem der 20 Pariser Stadtbezirke drehen, "das klang für die Franzosen offenbar mehr nach Marketing als Filmkunst", sagt Benbihy, der nach eigenem Bekunden aber die benötigten acht Millionen Euro so gut wie beisammen hat. Das Geld kommt jetzt vor allen aus den USA, wo der Mythos des romantischen Paris die Brieftaschen öffnete. Sicherlich tat auch der Name Woody Allen seine Wirkung, der als erster namhafter Regisseur zusagte und "uns Glaubwürdigkeit verlieh", wie sich der Produzent erinnert.

Die Finanzierungsprobleme verzögerten die Dreharbeiten, erst zwei der 20 Episoden sind "im Kasten": Tom Tykwer inszenierte seine Liebesgeschichte mit Hollywood-Star Natalie Portman am Gare de l'Est, in der Metro und auf einem Markt des afrikanisch geprägten Barbes-Viertels, Sally Potter schickte Fiona Shaw in den Jardin du Luxembourg.

Ein Spaziergang durch Paris

Die meisten Dreharbeiten sollen in diesem Sommer stattfinden. Die französische Schauspielerin Fanny Ardant versucht sich am Trocadero gegenüber dem Eiffelturm im Regiefach, der Brasilianer Walter Salles ("Central do Brasil") geht ins Multikulti-Viertel Belleville, Jian Wen aus China dreht im Pariser "Chinatown" im 13. Arrondissement. Als Regisseur ist auch der Oscar-prämierte Hollywood-Star Kevin Spacey ("LA Confidential") im Gespräch, Gerüchten zufolge könnte auch Sharon Stone für "Paris je t'aime" hinter die Kamera wechseln.

Bei Form und Inhalt ihrer kleinen Liebesgeschichten hatten die Regisseure freie Hand, wie Benbihy berichtet. "Das Spektrum reicht vom Vampirstreifen über den chinesischen Kunstfilm bis zur Shakespeare'schen Erzählung." Querverweisen auf die französische Kinogeschichte verbinden die 20 Episoden und sorgen für eine "narrative, fließende Struktur" sorgen

Die Novem Productions wurden vom Produzenten gemeinsam mit den Brüdern Tristan und Frederic Carne für dieses Filmprojekt gegründet. Dem Fernseh-Regisseur Tristan Carne sei auch die Idee zu dem Liebesfilm gekommen - als er mit seiner Freundin im Arm durch Paris flanierte. (APA/AP)

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