Wie ein ÖBB-Beamter aus Parndorf zum Bio-Bauern mit Schlachthaus und Direktverkauf wurde
Johann Pfaller ist kein Mensch, der sich künstlich anbiedert, sondern lieber Tacheles redet. „Eine biologische Produktion ist schon ein gewaltiger Mehraufwand als ein `normaler´ Beruf und reicht trotzdem nur für ein Einkommen. Aber ich fühle mich jetzt viel gesünder." 20 Jahre hatte der waschechte Parndorfer bei den ÖBB im Büro gearbeitet, bevor er Ende der 1990er komplett umgesattelt und einen Biobauernhof vom Fleck weg eigenhändig errichtet hat.
Heute macht Pfaller fast alles selbst: Er bearbeitet den Nutzboden, sät, erntet und verfüttert das Getreide. Dazu hat er eine Schweinezucht und -mast aufgebaut, betreibt eine Rinderhaltung und hat sich alles angelernt, was man als Schlachter und Fleischhauer braucht. Nicht zu vergessen, den Verkauf von Fleisch- und Wurstprodukten ab Hof.
Einfahrt in den Kopfbahnhof
Zurück in den alten Job möchte Pfaller keine Sekunde. "Die Herausforderung zu einem neuen Beruf gefiel mir besser." Pfaller hätte alle nötigen Prüfungen absolviert gehabt, um bei den ÖBB noch die eine oder andere Karrieresprosse hinaufzukraxeln, doch stattdessen entschied er sich für einen kompletten Gleiswechsel.
Die Idee eines landwirtschaftlichen Betriebs auf biologischer Basis wurde in seinem Umfeld äußerst verhalten kommentiert. „Denn mit sicherem Denken war´s damit vorbei. Aber meine Frau ist immer
hinter mir gestanden - das war das Wichtigste", so Pfaller, der schon 1982 ein eigenes Wohnhaus für sich, seine Frau und die drei Töchter im Zentrum von Parndorf gebaut hatte.
Fünf Hektar Startkapital
Den ersten Grund hatte Pfaller von seinem Vater erhalten: Fünf Hektar für Pflanzenbau, die schon 1996 auf biologisch umgestellt worden waren. Daraufhin pachtete er weitere 25 Hektar dazu und begann, etwas außerhalb von Parndorf auf einem Grundstück, das keinerlei Zuleitungen hatte, seinen Bauernhof zu errichten.
1999 hat er schließlich seinen ÖBB-Job gekündigt und sich voll der Bio-Schiene gewidmet. „Ich habe alles in Eigenregie aufgebaut", erzählt der Autodidakt beim Rundgang über den Hof, der heute alles Nötige bietet: Lagerhalle für Traktoren, Landmaschinen, Getreidespeicher und Stroh. Stallungen mit Freilauf für 12 Zucht- und 100 Mastschweine sowie für fünf Mastrinder. Und ein Haupthaus mit Schlachtanlage, kleinem Saal und Verkaufsraum mit gemütlicher Stube.
Von Saubären und Schlachtungen
Natürlich ist die gesamte Anlage erst im Lauf der Zeit gewachsen. So hatte Pfaller zu Beginn von den Schwiegereltern, die einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb hatten, die erste Sau bekommen. Nach anfänglichen Lernphasen mit teuer zugekauften Bio-Ferkeln stieg er selbst in die Zucht ein: „Am Anfang habe ich die Säue künstlich befruchten lassen, aber irgendwie waren sie dadurch nicht mehr so `bärig`." Gemeint ist damit, dass die Säue gesünder seien, wenn sie ihrem natürlichen Geschlechtstrieb folgen könnten. Die logische Konsequenz: „Daher habe ich mir auch einen Saubären zugelegt und selbst zu züchten begonnen."
Aus dem Mund von Johann Pfaller klingt das alles so selbstverständlich, genauso wenn er davon berichtet, warum er die Ausbildung zum Schlachter absolviert hat: „Mir ist halt wichtig, dass ich es alleine und ohne Hilfe machen kann." Denn dass er weiter den Großteil der Arbeit am Hof in Eigenregie erledigt, daran hat sich nichts geändert.
Nur rund um das Verkaufswochenende am Hof, das jeweils drei Tage pro Monat dauert, werden Frau Eveline, die Volksschullehrerin ist, sowie die drei Töchter ordentlich eingespannt. Gleiches gilt, wenn im Sommer das alljährliche Late Night Shopping (bis 23 Uhr) im nahegelegenen Designer Outlet-Center stattfindet, wo die Familie Pfaller von Dezember bis Jänner auch immer eine eigene Weihnachtshütte betreibt.
Die Würde der Tiere
Die Direktvermarktung seiner biologischen Produkte sei sowieso das Einzige, was sich Pfaller vorstellen kann. Denn nur so könne er sein Leitbild erfüllen, das in ausführlicher Version auf der Website des Biohofs zu finden ist: „Oberste Priorität hat die artgerechte Haltung unserer Nutztiere, um deren Würde zu wahren und unseren Kunden Fleisch von höchster Qualität bieten zu können."
Dass die Qualität der Produkte stimmt, durfte der derStandard.at-Redakteur bei einer Verkostung der hauseigenen Produkte erfahren. Vor allem der extrem fette Speck von sogenannten Mangalitzaschweinen, die auch als ungarische Wollschweine bezeichnet werden, mundete vorzüglich. „Diese Tiere gehören zu einer Ur-Rasse und haben ein sehr feinfaseriges zartes Fleisch", erklärt Pfaller, der ständig auf der Suche nach neuen Angeboten ist. So hat er sich auch einige Tiere einer anderen alten Rasse zugelegt, die Schwäbisch-Hällisch heißt.
Der biologische Mehraufwand
Gewohnt hat sich Pfaller daran, dass er als Biobauer intensiv und von mehreren Stellen, wie etwa der Bauernkammer, der Bezirkshauptmannschaft, der AMA oder der Austria Bio Garantie (ABG), kontrolliert wird. Aber er lässt sich nicht mehr von seinem Weg abbringen, so viel wie möglich selbst in die Hand zu nehmen und keine Scheu vorm Neuen zu haben. „Durch meinen Umstieg habe ich das Leben von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Das Schöne daran: Man kennt die Zusammenhänge besser." (mob, derStandard.at, 15.9.2010)