Die gesamte Bio-Schiene in Eigenregie

Martin Obermayr, 15. September 2010, 18:04
  • Artikelbild
    foto: pfaller

    Selbst anpacken und etwas auf die Beine stellen, hat Johann Pfaller in den vergangen zehn Jahren bestens gelernt.

  • Artikelbild
    foto: pfaller

    Die gesamte Anlage des Hofes inklusive Lagerhalle, Stallungen, Schlachtraum und Haupthaus hat Pfaller selbst gebaut.

  • Artikelbild
    foto: pfaller

    Auch für die Schweine scheut der Biobauer keinen Aufwand, um den Kunden höchstmögliche Fleischqualität bieten zu können.

  • Artikelbild
    foto: pfaller

    Einmal pro Monat schlachtet Pfaller fünf bis sechs Schweine, verarbeitet alles selbst und bietet es zum Direktverkauf am Hof an.

  • Artikelbild
    foto: pfaller

    Wenn das allmonatliche Verkaufswochenende ansteht, sind auch Frau Eveline und die drei Töchter voll in den Betrieb involviert.

Wie ein ÖBB-Beamter aus Parndorf zum Bio-Bauern mit Schlachthaus und Direktverkauf wurde

Johann Pfaller ist kein Mensch, der sich künstlich anbiedert, sondern lieber Tacheles redet. „Eine biologische Produktion ist schon ein gewaltiger Mehraufwand als ein `normaler´ Beruf und reicht trotzdem nur für ein Einkommen. Aber ich fühle mich jetzt viel gesünder." 20 Jahre hatte der waschechte Parndorfer bei den ÖBB im Büro gearbeitet, bevor er Ende der 1990er komplett umgesattelt und einen Biobauernhof vom Fleck weg eigenhändig errichtet hat. 

Heute macht Pfaller fast alles selbst: Er bearbeitet den Nutzboden, sät, erntet und verfüttert das Getreide. Dazu hat er eine Schweinezucht und -mast aufgebaut, betreibt eine Rinderhaltung und hat sich alles angelernt, was man als Schlachter und Fleischhauer braucht. Nicht zu vergessen, den Verkauf von Fleisch- und Wurstprodukten ab Hof. 

Einfahrt in den Kopfbahnhof

Zurück in den alten Job möchte Pfaller keine Sekunde. "Die Herausforderung zu einem neuen Beruf gefiel mir besser." Pfaller hätte alle nötigen Prüfungen absolviert gehabt, um bei den ÖBB noch die eine oder andere Karrieresprosse hinaufzukraxeln, doch stattdessen entschied er sich für einen kompletten Gleiswechsel.

Die Idee eines landwirtschaftlichen Betriebs auf biologischer Basis wurde in seinem Umfeld äußerst verhalten kommentiert. „Denn mit sicherem Denken war´s damit vorbei. Aber meine Frau ist immer hinter mir gestanden - das war das Wichtigste", so Pfaller, der schon 1982 ein eigenes Wohnhaus für sich, seine Frau und die drei Töchter im Zentrum von Parndorf gebaut hatte.

Fünf Hektar Startkapital

Den ersten Grund hatte Pfaller von seinem Vater erhalten: Fünf Hektar für Pflanzenbau, die schon 1996 auf biologisch umgestellt worden waren. Daraufhin pachtete er weitere 25 Hektar dazu und begann, etwas außerhalb von Parndorf auf einem Grundstück, das keinerlei Zuleitungen hatte, seinen Bauernhof zu errichten. 

1999 hat er schließlich seinen ÖBB-Job gekündigt und sich voll der Bio-Schiene gewidmet. „Ich habe alles in Eigenregie aufgebaut", erzählt der Autodidakt beim Rundgang über den Hof, der heute alles Nötige bietet: Lagerhalle für Traktoren, Landmaschinen, Getreidespeicher und Stroh. Stallungen mit Freilauf für 12 Zucht- und 100 Mastschweine sowie für fünf Mastrinder. Und ein Haupthaus mit Schlachtanlage, kleinem Saal und Verkaufsraum mit gemütlicher Stube.

Von Saubären und Schlachtungen

Natürlich ist die gesamte Anlage erst im Lauf der Zeit gewachsen. So hatte Pfaller zu Beginn von den Schwiegereltern, die einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb hatten, die erste Sau bekommen. Nach anfänglichen Lernphasen mit teuer zugekauften Bio-Ferkeln stieg er selbst in die Zucht ein: „Am Anfang habe ich die Säue künstlich befruchten lassen, aber irgendwie waren sie dadurch nicht mehr so `bärig`." Gemeint ist damit, dass die Säue gesünder seien, wenn sie ihrem natürlichen Geschlechtstrieb folgen könnten. Die logische Konsequenz: „Daher habe ich mir auch einen Saubären zugelegt und selbst zu züchten begonnen." 

Aus dem Mund von Johann Pfaller klingt das alles so selbstverständlich, genauso wenn er davon berichtet, warum er die Ausbildung zum Schlachter absolviert hat: „Mir ist halt wichtig, dass ich es alleine und ohne Hilfe machen kann." Denn dass er weiter den Großteil der Arbeit am Hof in Eigenregie erledigt, daran hat sich nichts geändert.

Nur rund um das Verkaufswochenende am Hof, das jeweils drei Tage pro Monat dauert, werden Frau Eveline, die Volksschullehrerin ist, sowie die drei Töchter ordentlich eingespannt. Gleiches gilt, wenn im Sommer das alljährliche Late Night Shopping (bis 23 Uhr) im nahegelegenen Designer Outlet-Center stattfindet, wo die Familie Pfaller von Dezember bis Jänner auch immer eine eigene Weihnachtshütte betreibt.

Die Würde der Tiere

Die Direktvermarktung seiner biologischen Produkte sei sowieso das Einzige, was sich Pfaller vorstellen kann. Denn nur so könne er sein Leitbild erfüllen, das in ausführlicher Version auf der Website des Biohofs zu finden ist: „Oberste Priorität hat die artgerechte Haltung unserer Nutztiere, um deren Würde zu wahren und unseren Kunden Fleisch von höchster Qualität bieten zu können."

Dass die Qualität der Produkte stimmt, durfte der derStandard.at-Redakteur bei einer Verkostung der hauseigenen Produkte erfahren. Vor allem der extrem fette Speck von sogenannten Mangalitzaschweinen, die auch als ungarische Wollschweine bezeichnet werden, mundete vorzüglich. „Diese Tiere gehören zu einer Ur-Rasse und haben ein sehr feinfaseriges zartes Fleisch", erklärt Pfaller, der ständig auf der Suche nach neuen Angeboten ist. So hat er sich auch einige Tiere einer anderen alten Rasse zugelegt, die Schwäbisch-Hällisch heißt.

Der biologische Mehraufwand

Gewohnt hat sich Pfaller daran, dass er als Biobauer intensiv und von mehreren Stellen, wie etwa der Bauernkammer, der Bezirkshauptmannschaft, der AMA oder der Austria Bio Garantie (ABG), kontrolliert wird. Aber er lässt sich nicht mehr von seinem Weg abbringen, so viel wie möglich selbst in die Hand zu nehmen und keine Scheu vorm Neuen zu haben. „Durch meinen Umstieg habe ich das Leben von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Das Schöne daran: Man kennt die Zusammenhänge besser." (mob, derStandard.at, 15.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
1 2
dajonny
05
16.9.2010, 13:54

Super Sache, so etwas gehört auch unterstützt, ist ja auch eine Win Win Situation, in der nordburgenländischen Wüste gibts eh viel zu wenig davon!

king of smile
01
16.9.2010, 13:32

Kann man Gratulieren zu so einem Schritt. Menschen die ihre persönliche Vision so konsequent umsetzen findet man nicht oft.
Ich hätte aber gern die Postings hier gesehen wenn der Artikel anders geschrieben worden wäre (in etwa so "ÖBBler kassiert 50TEUR Agrarförderung") Dann wäre der Gute bei gleichen Fakten von den "Standard-Agrar-Experten-Poster" in Grund und Boden geschrieben worden und Pauschal zum Raiffeisenabhängigen/Subventionsabkassierer der keine Steuern zahlt gestempelt worden. Aber Glück gehabt, er gehört jetzt zu den Guten (was er sicher auch ist.)

Krumpirn
00
23.5.2012, 18:15

aber kann natürlich leicht sein dass er die richtigen freunde hat.. und förderungen bekommen hat ;)

Krumpirn
00
23.5.2012, 17:47

man bekommt so gut wie gar keine förderungen wenn man einen betrieb eröffnen will, bzw schon hat.. schon gar nicht biologisch. die eu lässt in der hinsicht sehr nach, die kleinen zu fördern, anstatt der "großen".

Der Tod
00
29.3.2012, 09:42

ich glaube nicht das da Förderungen drin sind.
Müsste sich aber hier
http://www.transparenzdatenbank.at/
nachvollziehen lassen

Norbert Müller
 
08
16.9.2010, 11:09
solche leute, die selbst etwas in die hand nehmen, die selbst etwas produzieren, die selbst ihren eignen arbeitsplatzschaffen und auch noch andere...

solche leute würde das land viel viel mehr brauchen!!!

wir müssen wieder den Weg weg von den börsennotierten grosskonzernen, wo qualität für profit geopfert wird, hin zu selbständige kleine betriebe die für die erhaltung unserer natur für hochqualitiative sorgen.

wir brauchen wieder mehr menschen wie herr pfaller, die sich was trauen, die etwas aufbauen, die für uns alle etwas grossartiges leisten und wieder in der lage sind, alle zusammenhänge wieder zu verstehen.

industriele produktion ist praktisch naturgemäss immer unehrlich und geht an den eigentlichen interessen der menschen vorbei.

das was herr pfaller macht ist eine ehrliche aufrichtige arbeit.

h 90
00

Mehr solche Leute: Leider muessen die dann die Beamte und die Sozialschmarotzer (wozu ich auch Politiker zaehle) durchfuetter. Das heisst man muss schon von Anfang an moerder "Gewinn" machen um halbwegs ueber die Runden zu kommen. Wobei man noch permanent von der Buerokratie schickaniert wird.

anirac
02
16.9.2010, 11:18
stimme vollkommen zu!

lest mal das Buch mit Gift und Genen von Marie-Monique Robin!!! - schockierend.

um so mehr verspührt man dann Dankbarkeit gegenüber Menschen wie Herrn Johann Pfaller - DANKE!

Thomas Kirchner1
10
16.9.2010, 11:08
Förderung

Sehr schön,
zum Glück gibts die EU Agrarzahlungen
knapp 50.000 euro....
sonst würd sich das wohl ned ausgehen
http://www.transparenzdatenbank.at/

Taji Soron
02
16.9.2010, 11:34

Wenn damit solche Projekte gefördert werden, ists auch in Ordnung. Dieses Geld ist sinnvoll eingsetzt.

Taji Soron
04
16.9.2010, 11:56

Bedenkliche ist wohl nicht, dass Herr Pfaller EU-Förderungen bekommt sondern vielmehr, dass es sich für Bauern ohne Förderungen "nicht ausgeht". Wenn jemand von früh bis spät hackelt, sollte er eigentlich davon leben können.

powerpack
03
16.9.2010, 11:16

diese 50.000 der eu sind hier allemal besser eingesetzt als bei irgendwelchen großkonzernen, unnötigen infrastrukturprojekten oder sonstigen forschungsgeldern die die eu jährlich abermilliardenfach rauswirft.

jack johnson
 
40
16.9.2010, 12:03
Nur ist der Artikel derart lobhudelig rüber..

Es ist ja fein, dass er das macht, nur ehrlich sollte man schon sein.. Förderungen+Golden Handshake

mandamanda
00
16.9.2010, 15:45
es gibt immer wieder mal ...

... solche postzings, wie das ihre - damit muss man einfach leben, liebe leute

Taji Soron
04
16.9.2010, 13:48
Ihre Postings kommen allerdings so neidzerfressen rüber

dass man sie leider nicht ernst nehmen kann...

jack johnson
 
60
16.9.2010, 14:30
ja ich hab' halt ein problem damit,

wenn jemand der 20Jahre lang als ÖBBler durchgefüttert wurde, dann mit fürstlicher Abfertigung zur Agrarförderung wechselt, als Messias der Biobauern abgefeiert wird.

Taji Soron
06
16.9.2010, 15:12

Sie tun ja grade so, als ob Herr Pfaller auf Kosten der Allgemeinheit ein Leben in Saus und Braus führen würde, und je mehr Sie sich darüber auslassen, desto jenseitiger wirds.
Wenn Sie sich darüber aufregen würden, dass ein etwa Herr Maischberger für Null Gegenleistung Millionen an "Provisionen" kassiert, würde ich das ja verstehen, aber Herr Pfaller hat 20 Jahre bei der ÖBB gearbeitet und hatte Anspruch auf eine Abfertigung und auch die vergleichsweise bescheidenen 100,000 Euro EU-Förderung hat er nicht fürs Nichtstun bekommen.
Und dass er "als Messias der Biobauern abgefeiert wird" entspringt wohl auch eher ihrer selektiven Wahrnehmung...

anirac
00
17.9.2010, 10:16

brillant!!!

anirac
05
16.9.2010, 11:07
mehr solcher Bauern braucht das Land/die Welt!!!

meine Hochachtung!!!

kauft Bio!

Setzt ein Zeichen!

Stefan Weiss2
03
16.9.2010, 10:24
Ist wirklich eine gute Sache

Was im Text vergesen wurde ist, dass sich Herr Pfaller auch für die Pflege des Naturschutzgebietes in Parndorf einsetzt und dort durch seine angepasste Mahd die Zieselpopulation erhält. Daneben hat er auch einige Flächen für den Trappenschutz auf der Parndorfer Platte.
So soll landwirtschaften sein. Meine er betreibt Vorbildwirkung.

Clint Beastfood
00
16.9.2010, 10:20
Fantastisch!

Gratulation der ganzen Familie.

Das nenne ich artgerechte Haltung.
Ich meine jetzt nicht die Tiere. Südbahnhof, Parkgarage, ... Ist wie eine Legebatterie für Menschen. Wer sich keine gepflegten Neurosen zu legen will verzichtet auf den Wahnsinn Ballungszentrum.

Weiterhin viel Glück!

jack johnson
 
181
16.9.2010, 09:55
Von der ÖBB zum Bauernbund...

Klassische Ö-Karriere.

Wie war der 'Golden Handshake' bei ÖBB?
Und die jetzigen Förderungen..

Nix für ungut...

der träumende hans
03
16.9.2010, 13:16

da spricht die seele des österreichers! und darum gibts nicht mehr solche menschen wie herrn paller sondern auf den meisten tellern industrienahrung...

motd
03
16.9.2010, 11:59
Lieber Saubär als Neidhammel

jack johnson
 
41
16.9.2010, 12:11
Lieber auf dem Boden bleiben

und nachdenken: Warum machen das nicht viel mehr Leute? bzw. was hat er, dass andere nicht haben.

Jeder kleinere Bauer macht die ganze Arbeit selber; nicht nur der Hr. Pfaller.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.