Nachhaltigkeit als leise Antwort auf Globalisierung

16. September 2010, 17:09
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    foto: apa/epa/jochen luebke

    Die Welt fühlen und anfassen: Nachhaltige Entwicklung löst unser derzeitiges Weltbild des linear steigenden Wachstums ab. Und: Niemand kann sich dieser Entwicklung langfristig entziehen.

Ökologische Meilensteine im immerwährenden Konflikt zwischen Industrie und Umwelt

Gibt man bei Google den Begriff Nachhaltigkeit ein, tischt die Suchmaschine sechseinhalb Millionen Treffer auf. Das englische sustainability schafft sogar über 30 Millionen. Da kann nicht einmal Frankreichs Staatsoberhaupt mit, Nicolas Sarkozy muss sich mit 19 Millionen Treffern begnügen. Der Begriff hat Karriere gemacht. Und ist weiter gekommen als so manch neudeutscher Sprech, obwohl er sicher keinen Platz in Fußball-Kommentaren haben sollte und auch nicht in der Werbung.

Nachhaltig inflationär verwendet, leitet der Begriff (in der Alltagssprache zur Entsprechung von "langfristig" oder "nachdrücklich") über zum Motto "Going green" und ist omnipräsent. Was der Anfang vom Ende ist: Mittlerweile ist Nachhaltigkeit ein strapazierter Begriff, man schreibt ihm gerne die Kraft einer universellen Lösung zu. In der Politik verkommt er zu einer hohlen Phrase.
Und trotz seiner missbräuchlichen Verwendung bleibt die Hoffnung, dass seine politische Karriere erst der Anfang ist. Es gibt Meilensteine in der Entwicklung, Nachhaltigkeit soll kein Wohlfühl-, sondern ein Krisenbegriff sein. Jetzt ist Krise.

Edelmann und Ökologe

Die Idee stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und fußt auf der Nutzung eines regenerierbaren Systems - was dem Gebot der Stunde entspricht: Wir dürfen die lebenden Ressourcen unserer Erde nur in dem Maße nutzen, wie sie sich auch regenerieren können. Der kursächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz, prägte den deutschen Begriff Nachhaltigkeit schon vor 300 Jahren. In seinem 1713 erschienen Buch "Sylvicultura oeconomica" schrieb er, "dass es eine continuierliche, beständige und nachhaltende Nutzung gebe, weil es eine unentbehrlich Sache ist, ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleibe mag". Ein Gedanke, der in den nachfolgenden Jahrzehnten missachtet wurde.

Einen Aufschwung erlebte der Begriff im Jahrhundert darauf, aber auch da ausschließlich im Wald: Heinrich Cotta, ein weiterer Verfechter des nachhaltigen Waldbaus, machte als Mitbegründer der Forstwissenschaften, die schonende Waldwirtschaft unter Wirten weltweit bekannt.

Wissenschaftliche und politische Meilensteine

Als tatsächlicher Beginn des weltweiten Diskurses über Nachhaltigkeit gilt die Veröffentlichung des Brundtland-Berichtes 1987. Eine Kommission unter dem Vorsitz der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland ebnete mit der Definition des Begriffes Generationengerechtigkeit den Weg für die erste Umwelt-Konferenz in Rio de Janeiro 1992. Erstmals wurden die Bedürfnisse der Generation von morgen diskutiert.

Das Dach der Nachhaltigkeit wird getragen von den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales, im Idealfall gelte es also Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Der Buchautor Ulrich Grober leitet im deutschen Wirtschaftsmagazin Brandeins aus all dem ab: "Die Idee der Nachhaltigkeit ist weder die Kopfgeburt moderner Technokraten noch ein Geistesblitz von Öko-Freaks der Generation Woodstock, sondern unser ursprünglichstes Weltkulturerbe."

Wirtschaftlicher Wendepunkt

Dass Ökologie und Ökonomie letztlich kein Widerspruch sein müssen, sollte die Agenda 21 zeigen, ein umwelt- und entwicklungspolitisches Aktionsprogramm, das von 172 Staaten unterzeichnet wurde, darunter auch Österreich. Aber es ist schon so: Der Fortschritt kann auch eine Schnecke sein. Erst 2002, im Jahr des "World Summit on Sustainable Development" im südafrikanischen Johannesburg, rückte man hierzulande mit einer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie an. 2001 wurde bereits das Grünbuch "Eine nachhaltige Zukunft für Österreich" veröffentlicht. Seither gilt es mehr oder weniger erfolgreich, Ressourcenverbrauch weiter vom Wirtschaftswachstum zu entkoppeln und mehr saubere Energie zu erzeugen.

Wo man Begriffe durch konkrete Angaben versucht zu ersetzen, ist im Bereich Luftverschmutzung: Der 2005 ins Leben gerufene europäische Emissionshandel soll dazu beitragen, kostenwirksam und wirtschaftlich effizient den Ausstoß von Treibhausgasen in der EU zu reduzieren. Zentrales Ziel der EU ist es dabei, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf weniger als zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu beschränken.

Sozialer Meilenstein

Einen weiteren Meilenstein in der Nachhaltigkeits-Debatte lieferte das Aufkommen der Coporate Social Responsability (CSR). Firmen tun Gutes (z.B. Verantwortung für die Gesellschaft, Community, oder Mitarbeiter übernehmen) und reden darüber. Ende der 90er Jahre verschmolz in Europa die CSR-Bewegung mit dem Umweltgedanken zu einer Einheit. Mittlerweile ist die Gefahr der Imagepflege als Marketinggag groß, ein grundsätzliches Problem sind die unterschiedlichen Zeithorizonte der kurzfristig agierenden Wirtschafts- und Finanzwelt und des mit längeren Fristen rechnenden Konzepts der Nachhaltigkeit.

Inwieweit sich diese offenbar grundsätzlich verschiedenen Paradigmen angenähert haben, werden die nächsten großen Meilensteine zeigen: Das Jahr 2015, in dem die Milleniumziele erreicht sein sollen (Verlust der Biodiversität verringern, mehr sauberes Trinkwasser, etc.) und das Jahr 2017 - 25 Jahre nach Rio de Janeiro - wo neuerlich eine weltweite Bestandsaufnahme der Zukunftsstrategien stattfinden soll. (vet, derStandard.at)

dermitdemziel
00
17.9.2010, 12:36
CSR ist ein Witz

Corporate Social Responsibility wurde erfunden, um Regeln, die für alle verbindlich und für die Allgemeinheit absolut wünschenswert wären, aus dem Weg zu gehen.

h 90
01

Ich dachte CSR wurde von der Marketingabteilung erfunden um ein paar leere Seiten (Papier oder Web) mit Text und schoenen Bildern zu fuellen.

Guenter123
01
16.9.2010, 20:25
Ein guter Artikel

Aber ... 'die Gefahr der Imagepflege als Marketinggag groß, ein grundsätzliches Problem sind die unterschiedlichen Zeithorizonte der kurzfristig agierenden Wirtschafts- und Finanzwelt und des mit längeren Fristen rechnenden Konzepts der Nachhaltigkeit'.Das stimmt nicht mimer. Mehr und mehr Unternehmen auch aus deem Investmentsektor legion grossen Wert darauf. Staedte u Regionen erkennen auch, dass es sich bei diesem Thema nicht nur um Marketing dreht. Wichtig ist aber zu sehen, dass wir erst am Anfang stehen und sich auch die Spreu vow Weizen trennt. Eine gute Seite dazu www.save-more-energy.com

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