Gentherapie bei β-Thalassämie eingesetzt

15. September 2010, 19:17

Patient erfolgreich behandelt - möglicher Nebeneffekt wird genauer untersucht

Boston/London - Ein junger Mann mit der erblichen Blutkrankheit β-Thalassämie ist offenbar erfolgreich mit einer Gentherapie behandelt worden. Das berichtet ein internationales Team im Wissenschaftsjournal "Nature". Bei dieser Erkrankung bildet der Körper nicht genug Hämoglobin, es kommt zu Blutarmut. Bei schweren Formen der Erkrankung müssen Patienten lebenslang regelmäßige Transfusionen erhalten - es sei denn, sie finden einen geeigneten Blutstammzellen-Spender.

Der in "Nature" beschriebene Patient musste bereits im Alter von drei Jahren Transfusionen erhalten. Mit sechs Jahren wurde ihm die Milz entfernt. Da kein geeigneter Stammzellspender gefunden worden sei, habe er der Gentherapie zugestimmt. Im Juni 2007 hatte der damals 18 Jahre alte Patient veränderte körpereigene Zellen eingesetzt bekommen. Die Forscher hatten für die Genmanipulation Lentiviren verwendet, die als "Genfähren" in die Zellen dienten. Mit Erfolg: Der Patient habe seit Juni 2008 keine Bluttransfusion mehr gebraucht, schreiben Philippe Leboulch von der Harvard-Universität (Boston) und seine Kollegen.

Nebeneffekt

Allerdings zeige sich ein möglicher Nebeneffekt, der noch genauer zu untersuchen sei - und womöglich bösartig sei. Anscheinend habe der Einsatz der Genfähren die Aktivität eines Gens (HMGA2) verändert, welches das Verhalten von Blutstammzellen kontrolliert. Dies habe zu einer bisher milden, gutartigen Ausbreitung dieser Zellen geführt, die aber auch eine Vorstufe von Blutkrebs darstellen könnten. Für eine endgültige Aussage über den Erfolg dieser Therapie sind den Forschern zufolge noch Ergebnisse von weiteren Patienten notwendig.

Hintergrund

β-Thalassämie kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Der Erkrankung liegen Genmutationen zugrunde, die Störungen bei der Herstellung von Teilen des Hämoglobins hervorrufen. Die Erkrankung kommt oft vor und betrifft unter anderem Menschen in Ländern des Mittelmeerraumes und Afrika. Typisch sind neben der Blutarmut eine vergrößerte Milz und Leber. Durch die vielen Transfusionen entsteht ein Eisenüberschuss im Blut, der wiederum die Organe schädigen kann. (APA/red)

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