Bauernfängerei im "Feinkostladen" Österreich

15. September 2010, 17:12

Was dabei herauskommt, wenn Agrarbürokraten den "Reichsten der Reichen die Subventionen hinten hineinschieben" , und warum ein Buch, das diesen Stoffwechsel durchleuchtet, ein gerichtliches Nachspiel haben wird

Das wichtigste Argument, mit dem Agrarfunktionäre und -politiker die derzeitige Debatte um Subventionen abzuwürgen versuchen, ist das plumpe, altkatholische Wort "Neid" . Es wird gern von jenen verwendet, die die Regeln für die Verteilung von Subventionen mitbestimmen und selbst davon profitieren. Schätzungsweise 100 Mio. Euro gehen Jahr für Jahr an Agrarfunktionäre und -politiker. Darüber hinaus sind es vor allem Reiche und Superreiche, Großbauern, Großgrundbesitzer, Adelige und internationale Konzerne, denen die Agrarbürokratie Geld zuschiebt. Nur ein kleiner Teil des Förderkuchens landet an der richtigen Adresse:

Die kleinsten Bauern - etwa 50.000 von insgesamt 160.000 - erhalten im Durchschnitt 2000 Euro pro Jahr. Die größten Bauern - etwa 2100 von insgesamt 160.000 - erhalten im Durchschnitt 75.000 Euro im Jahr.

Geht es nach dem Willen der obersten Agrarier - Bauernbundchef Fritz Grillitsch, Landwirtschaftskammerfunktionär Gerhard Wlodkowski und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich - soll alles so bleiben, wie es ist. Denn in Wirklichkeit, so die Argumentation dieses Dreigestirns, handle es sich bei den Subventionen ja um eine Leistungsabgeltung. Und deshalb sei es auch gerechtfertigt, wenn aus dem Landwirtschaftstopf auch superreiche Nebenerwerbslandwirte gefördert werden. Dazu zählen laut Transparenzdatenbank etwa Dr. Wolfgang Porsche, Mitglied des Porsche/VW-Clans mit 55.000 Euro, Privatstiftungen von Friedrich Karl Flick mit 17.000 Euro, Privatstiftungen des Fürsten Liechtenstein mit 1.600.000 Euro, ein Mitglied der Swarovski-Gruppe mit 25.000 Euro, der Banker Julius Meinl mit 34.000 Euro, Magna-Chef Siegfried Wolf mit 41.000 Euro und der Papierindustrielle Alfred Heinzel mit 415.000 Euro. - Offizielle Begründung der Agrarbürokratie für derartige Subventionen: um "ein stabiles Einkommen zu gewährleisten" . Damit wissen wir, woran wir sind: In Wirklichkeit haben wir es hier mit einer Mindestsicherung für Reiche zu tun.


Steuerferien für Raiffeisen?


Ich wette darauf, dass kein Einziger dieser schwerreichen Österreicher damit weitermachen würde, nebenbei ein bisserl Landwirtschaft betreiben zu lassen, wenn er keine Subventionen erhielte. Damit könnten wir uns auch Debatten um die Einführung einer Vermögenssteuer ersparen. Denn was ist das für eine absurde Politik, wenn der Staat den Reichsten unter den Reichen Subventionen hinten hineinschiebt, um sie ihnen vorne als Vermögenssteuer wieder wegzunehmen? Wenn man sich gleichzeitig vergegenwärtigt, wie sich die ÖVP mit Händen und Füßen gegen eine Mindestsicherung für Arme gesträubt hat, wo es nicht um jährliche Einzelzuschüsse von hunderttausenden Euro ging, sondern um rund 9000, kann man die Haltung der Agrarfunktionäre nur als zynisch bezeichnen.

Die derzeitige Diskussion um eine neue Bankenabgabe könnten wir uns ebenfalls ersparen, wenn der Staat einfach nur dafür sorgen würde, dass die Banken den üblichen Steuersatz von 25 % entrichten. Im Zeitraum 2006 bis 2008 zahlten die Raiffeisen-Landesbanken für einen Gewinn von 1,9 Milliarden Euro lediglich 19 Millionen Euro Steuern. Das ergibt einen Steuersatz von 1 Prozent! Jeder kleine Gewerbetreibende oder Lohnsteuerpflichtige kann davon nur träumen. Auch die Raiffeisen-Zentralbank scheint in Österreich nach dem Motto zu wirtschaften: Gewinne hui, Steuern pfui. Sie brachte es im Jahr 2007 auf einen Gewinn von rund 1,5 Milliarden Euro und zahlte in Österreich lediglich 1,2 % Steuern. 2008 waren es 2,3 %. Das alles ist vollkommen legal und von der Politik wahrscheinlich auch so gewollt.

Wenn es darum geht, die Milliarden zu rechtfertigen, die in Form von Subventionen über den Tisch geschoben werden, bringen Agrarfunktionäre regelmäßig die "kleinen Bauern" ins Spiel. So verkündete etwa Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski vergangene Woche in einer Pressekonferenz ganz ungeniert, der überwiegende Teil des Geldes gehe an die kleinen Bauern. - Sieht man sich die offiziellen Zahlen des Landwirtschaftsministeriums an, werden gerade sie benachteiligt, denn sie erhalten laut dem "Grünen Bericht" pro Hektar 448 Euro, während die großen dafür 544 Euro kassieren dürfen.

Agrarfunktionäre und -politiker scheinen ein Problem mit Zahlen und Fakten zu haben. Da sie bis jetzt unbeschränkt schalten und walten konnten, hat kaum jemand überprüft, ob das, was sie behaupten, auch stimmt.


Zahlenakrobatik


Ein paar aktuelle Beispiele. Bleiben wir noch ein wenig auf der Pressekonferenz von Landwirtschaftskammer-Präsident Wlodkowski, Bauernbundchef Grillitsch und Landwirtschaftsminister Berlakovich. Auf den Vorwurf, dass auch Funktionäre Prämien bekommen, antwortete Wlodkowski, er habe früher 13.000, später 6000 Euro bekommen. Das sei nur ein Durchlaufposten. Laut Transparenzdatenbank erhielt Wlodkowksi gemeinsam mit seiner Frau im Jahr 2007 insgesamt 25.703,09 Euro, 2008 24.065,22 und im Vorjahr 12.174,01 Euro.

Oder nehmen wir die zweiseitige Anzeige der AMA im Jubiläumsheft 40 Jahre profil, wo Geschäftsführer Stephan Mikinovic unter dem Titel Feinkostladen Österreich Folgendes behauptet: "Wir haben ganz auf Tradition gesetzt und zum Beispiel die Heumilch eingeführt, die nach alter Weise gewonnen wird. Die Kühe erhalten (...) kein Kraftfutter oder Soja." Kein Kraftfutter? - Aus den Vorstandsbeschlüssen der Heumilch-Produzenten geht hervor, dass die Bauern bis zu 40 Prozent Kraftfutter verwenden dürfen.

Gerne wird von Agrarfunktionären auch immer wieder verkündet, wie arm die Bauern sind und dass sie ohne Subventionen gar nicht überleben könnten. Natürlich gibt es viele arme Bauern, und natürlich sind viele von ihnen auf Subventionen angewiesen. Einer der zahlreichen kleinen Bauern, mit denen ich während der Recherchen zu Schwarzbuch Landwirtschaft gesprochen habe - in seinem Stall stehen ein Dutzend Kühe und Rinder und ein paar Schweine -, sagte: "Alle jammern, aber im Grunde geht's uns ziemlich gut." Und: "Auch ohne Subventionen würde ich Bauer bleiben!"


Wunscherfüllung


Im Widerspruch zu der Jammerei der Agrarfunktionäre steht auch das Ergebnis einer Umfrage, die von der Raiffeisen-Bausparkasse in Auftrag gegeben wurde. Die hat nämlich ergeben, dass jeder heimische Bauer im Durchschnitt jährlich 4160 Euro auf ein Sparkonto legt. Ziemlich viel Geld für einen armen Bauern!

Da und dort stößt man auch auf Berichte, nach denen manche Bauern sogar in Geld schwimmen. Der Bayerische Rundfunk berichtete vor kurzem von Vorarlberger Bauern, die auffallend häufig landwirtschaftliche Grundstücke im Allgäu aufkaufen, zu überhöhten Preisen. Die Bayern vermuten, dass dahinter die üppige österreichische Subventionierung steckt.

Wenn Landwirtschaftsfunktionären die Argumente ganz ausgehen, dann kann es sogar passieren, dass sie welche erfinden. So etwa Bauernbundchef Fritz Grillitsch, der auf einer Pressekonferenz zur Eröffnung der Agrarmesse in Wels behauptete, ich sei ein "verurteilter Krimineller" und Schwarzbuch Landwirtschaft sei "von der SPÖ in Auftrag gegeben worden" . Auf Nachfrage von Journalisten bekräftigte er seine Vorwürfe und erklärte, er werde seine parlamentarische Immunität freiwillig aufgeben, falls ich ihn klagen würde. Und eine Sprecherin des Bauernbundes gab bekannt, dass man sich sogar eine Klage wünsche. Nun, diesen Wunsch erfülle ich ihm gerne. Ich habe bereits meinen Anwalt damit beauftragt. (Hans Weiss, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 16.9.2010)

 

HANS WEISS lebt als Sachbuchautor ("Bittere Pillen" , "Kursbuch Gesundheit" ) und Schriftsteller in Wien; sein "Schwarzbuch Landwirtschaft. Die Machenschaften der Agrarpolitik" ist vor kurzem bei Deuticke erschienen.Günstig für alle, die an einer Live-Diskussion mit dem Autor interessiert sind, zugleich aber auch wissen möchten, was Josef Cap und andere SPÖ-Funktionäre zum Thema zu sagen haben: Eine SP-Klub-Enquete am Donnerstag im Parlament (10-13.00) bietet Gelegenheit, das eine mit dem anderen zu verknüpfen.

    Kommentar posten
    Posting 1 bis 25 von 102
    1 2 3
    also dann ...
    01
    16.9.2010, 21:00
    GRATULIERE hr weiss ! ! ! enldich jemand, der ZIVIL-COURAGE...

    hat.
    eine eigenschaft die den ösi`s... normalerweise fehlt.

    ich habe ihr buch mit grosser aufmerksamkeit gelesen und hoffe, dass sie noch oft mit all den
    märchen um die "armen bauern" einerseits
    - und den horrenden subventionen andereseits aufräumen.

    auch zeigt die landwirtschaftl. gesamtrechnung ein klares bild :
    das FAKTOR - EINKOMMEN s t i e g
    (trotz des "einbruches"...2009) um 11 % :
    1999 : 1.902 (mio)
    2009 : 2.112 ..".. = index 111 % !
    die subventionen stiegen
    jedoch von.. 1999 / 2009 um 40,4 % !
    T o t a l .......2548 / 3546 (mio).

    all das geschwätz...
    vom minister abwärts bis zum letzten bauernkassier
    in unter-giggerl.-brunn ... hat mit den fakten nichts zu tun !

    also dann ...
    00
    16.9.2010, 21:02
    quelle : österr. statistik - landwirtschaftl. gesamtrechnung 1999 - 2009

    http://www.statistik.at/web_de/dy... detail=376

    Aguirre74
     
    00
    16.9.2010, 19:40

    Tres bien, wir bräuchten mehr so Leute.

    zaikoh
    00
    16.9.2010, 19:32

    super artikel, so geht journalismus! danke!

    und jetzt: konsequenzen bitte.

    Autoreifen
    00
    16.9.2010, 22:21
    Konsequenzen

    Was schlagen sie vor? Ich als Konsument, kann natürlich ab morgen österreichische Bio Produkte boykottieren. Die waren mir eh schon immer zu teuer. Aber was meinen Sie können wir als Wähler dagegen tun? Das ganze ist der Politik nicht einmal einen Skandal wert. Leider.

    zaikoh
    00
    16.9.2010, 23:03

    ja, da muesste man ein wenig laerm vor dem parlament machen

    dia_mia
    01
    16.9.2010, 18:21
    Woher sind die Zahlen?

    Zitat Seite 139 aktueller Grüner Bericht:
    "Die Förderung je ha LF der Gruppe der Betriebe mit weniger als 10 ha lag bei 746 Euro, Betriebe zwischen 20 und 30 ha kamen auf 645 Euro und Betriebe mit mehr als 200 ha erreichten im Durchschnitt 404 Euro je ha."
    http://www.gruenerbericht.at/cm2/index.php

    Deckt sich irgendwie gar nicht mit den Recherchen des Aufdecker-Journalisten...

    Sarah L.
     
    01
    16.9.2010, 18:21
    das problem der bauern ist ihre glaubwürdigkeit

    jahrzehntelang hatte man subventionen überhaupt geleugnet: "wollen keine subventionsempfänger werden!" zur verschleierung und aus ideologischen gründen machte man einkommenspolitik mit dem preis. denn zum "freien bauern" gehört ein einkommen über den markt. tatsächlich war es plan- u. subventionswirtschaft in reinform.
    mangelnde glaubwürdigkeit ist auch das haupthindernis bei der vermarktung von qualität und bio. "bei meiner ehr" hat schon die qualität einer "unschuldsvermutung".

    ja aber
    00
    16.9.2010, 16:03
    wieso keine obergrenzen bei foerderungen?

    nicht gegen die kleinen bauern, die habns eh verdient. aber die grossen betriebe sollten schon durch die maschinelle ernte, etc. selbst lebensfaehig sein oder vom markt verschwinden.

    Eigeier
    05
    16.9.2010, 15:11
    "Chapeau" -Hut ab

    ..vor der Zivicourage und Kompetenz des Herrn Weiss.

    Die Tragödie der Landwirtschaft indes ist international und umfassender als das Problem diverser Parasiten.
    Der franz. Agronom Claude Bourginon machte einst als Mitarbeiter der INRA darauf aufmerksam, dass die Böden unter Chemie- und Maschineneinsatz sterben. Worauf ihm nahegelegt wurde, das Institut zu verlassen, das Fach Mikrobiologie wurde gestrichen !! Super Film dazu (franz.):
    http://www.youtube.com/watch?v=nGZvog9-iRE

    Alastair McKenzie
     
    20
    16.9.2010, 15:40
    Man muss da halt einwenden, ...

    ... dass der Einsatz von Chemie nicht von Ungefähr kommt. Würden alle Böden "bio" bewirtschaftet werden, hätte man höchstwahrscheinlich schon heute ein Problem mit der Welternährung. Und Lebensmittel wären knapp und wesentlich teurer als heute. Angesichts der Masse an weggeworfenen Lebensmitteln in unseren Industriestaaten (z.B. wirft Wien täglich soviel Lebensmittel weg, wie in Graz gleichzeitig verzehrt werden) und angesichts des Übergewichtsproblems wäre das vielleicht eh wünschenswert, aber andererseits gibt es in Entwicklungsländern bereits Massenproteste, wenn die Agrarpreise - wie z.B. in diesem Jahr - nur auf ein etwas höheres Niveau steigen.
    Ganz so einfach ist die Welt eben leider nicht.

    Plabutsch
    00
    16.9.2010, 14:48
    erklärte, er werde seine parlamentarische Immunität freiwillig aufgeben, falls ich ihn klagen würde

    Das kann er leicht sagen - weil ein Abgeordneter gar nicht selbst auf seine Immunität verzichten kann. Er kann gerichtlich nur belangt werden, wenn ihn das Parlament ausliefert.

    mika33
    101
    16.9.2010, 13:35
    Na gut, dann fangen wir aber bei jeder Art von Subvention damit an,

    zuerst das Konto der Empfänger zu durchforsten. Und woher will der Autor eigentlich wissen, wieviel der durchschnittliche Bauer aufs Konto legt? Wär interessant ...

    Und die paar reichen bekannten Bauern aufzuzählen und damit alle, die nicht am Hungertuch nagen als Sozialschmarotzer dazustellen ist nicht "die feine Art". Und dass der Bauer mit seinen dutzend Kühen auch ohne Subventionen leben könnte funktioniert nur wenn ihm ein Einkommen von <1000€/Monat bei 7 tage Arbeit pro Woche genügen würde. Der lebt dann im absoluten Substandard oder verdient noch wo anders.
    Und Herr Weiss, falls sie es nicht mitbekommen haben, der Wlodkowski teilt sich den Hof mit seiner Frau, sie haben gefragt was ER bekommt ....
    Ach, zuwenige Zeichen für alles

    Alastair McKenzie
     
    01
    16.9.2010, 14:12

    Also das Teilen des Hofes mit seiner Frau ist eher ein Witz. Natürlich kommt diese Subvention auch ihm zu Gute, nicht nur seiner Frau.
    Die Infos bzgl. dem Geldbetrag, die ein Bauer durchschnittlich aufs Konto legt, gibt es lt. Text von der Raika. Und die muss es ja wissen. Ich finde den Betrag aber eher mager. Es ist ein Durchschnittsbetrag. D.h. eine große Investition oder Reparatur kann die über viele Jahre angelegten Guthaben mit einem Schlag aufbrauchen. Außerdem müsste man die Guthaben mit den parallel laufenden Krediten gegenrechnen.
    Prinzipiell bin ich aber gegen Subventionen - weil sie sich einfach nicht bewährt haben. Die Kleinen haben aufgehört, die Großen sind größer geworden. Das hätte man ohne Subventionen auch hingekriegt.

    daydreamer07
    09
    16.9.2010, 13:25
    die agrar mafia

    herr weiss nimmts hier mit der agrar mafia auf, eine organisation die seit jahrzehnten gut von der blödheit und dummheit der österreicher lebt, die sich jede schweinerei als gut und richtig verkaufen lassen.....wenn man hinter die kulissen blicken läßt, wie es herr weiss tut, wird´s gefährlich, weil er bringt ja unruhe in diesen geschäftszweig, den man sich so richtig unter den nagel gerissen hat...da läßt man sich ja von einem kleine journalisten nicht reinpfuschen, das wär ja gelacht....

    Kontrahent1
    04
    16.9.2010, 12:00
    Und dann sieht man,

    wenn man am Land lebt, wie Monokulturen von Mais ohne Fruchtfolge den Boden auslaugen, der mit Tonnen von Gift und Dünger für weiter Bestellung vergewaltigt wird, Tiere unter grausamen Bedingungen als 'Dinge' gehalten werden, das schönste Obst in den Straßengräben verfault usw. Dafür macht die Landjugend Moped-Lärmterror (Sprit ist ja soo billig) mit 17 den Führerschein um dann mit 19 nach dem Discobesuch im Straßengraben zu liegen, nachdem man vorher Katze, Reh und Igel den Garaus machte.

    Alastair McKenzie
     
    13
    16.9.2010, 12:23
    Naja, ...

    ... aber eines darf man schon nicht vergessen: Diese Vergewaltigung verschiedenster Lebensmittel gibt es in erster Linie deswegen, weil die meisten Leute beim Lebensmittelkauf nur auf den Preis schauen. Vor 40 Jahren wurden Lebensmittel noch wesentlich schonender erzeugt. Damals waren sie inflationsbereinigt aber viel teurer. Ich wäre sehr dafür, dass man eine Preisanpassung auf das inflationsbereinigte Niveau von vor 40 Jahren vornimmt und dafür Abschaffung aller Subventionen. Nur gibt es dann eben ein wesentlich größeres Geschrei als beim derzeitigen System. Da das Geld für Subventionen nicht direkt aus der Geldbörse bezahlt werden muss, schreien die Leute offenbar weniger als wenn die Preise steigen.

    MondXicht
    00
    16.9.2010, 13:00

    Einerseits: ja klar. Andererseits: es gäbe auch gewinnbringende Alternativen(natürliche Dünger&Insektenabwehr zB). Aber vorallem: es gibt Menschen, die tatsächlich bereit sind für bessere Qualität mehr zu bezahlen! Ich weiß, es sind nicht alle, aber es sind sicher auch nicht wenige, und ich bin einer davon. Nur leider, das passende Angebot zur Nachfrage stimmt oft einfach nicht, und da könnte man ansetzen. (Ja! Natürlich ist teilweise oder sogar großteils ein totaler be***iss)

    Alastair McKenzie
     
    00
    16.9.2010, 13:30

    Die "gewinnbringenden Alternativen" sind aber im Endeffekt teurer. Das ist nichts Schlechtes. Aber es ist so.
    Warum ist "jaNatürlich" ein Beschiss? Würde mich sehr interessieren.

    MondXicht
    00
    17.9.2010, 07:24

    Das die gewinnbringenden Alternativen teurer stimmt nicht in allen Fällen. Da sind Direktvermarktung und Tourismuskoppelung, Fruchtbarmachen der Böden indem man stickstoffspeichernde Pflanzen zwischen setzt und andere Nischenkonzepte, manche fahren ganz gut damit.
    Was Ja! Natürlich betrifft ist mir öfters aufgefallen, dass die Produkte oft qualitativ minderwertiger sind als andere Produkte, die halt nicht Bio aber genauso teuer sind(eben wegen der Qualität). Außerdem sind Bio-Tomaten aus Ägypten eine Frechheit.

    Cato der Ältere1
    05
    16.9.2010, 11:56
    Sehr geehrter Herr Weiss,

    ich habe Ihr Buch mit hohem Blutdruck gelesen und danke Ihnen für diese Erläuterungen. Ich habe schon immer gewusst, dass die Landwirtschaft in Österreich den Steuererwirtschafter in Geiselhaft genommen hat. Leider ist es noch schlimmer als gedacht.

    Auf dieser Seite die Landwirtschaft, Beamte und Staatsbedienstete, auf der anderen Seite die maroden Staatsbetriebe, wie OBB, Asfinag,...

    Da wird über Kürzungen und die Nichtfinanzierbarkeit der Sozialsysteme gesprochen, aber dies ist kein Wunder wenn der Großteil der Bevölkerung nur hineingreift und nichts dazu beiträgt.

    Aber da keiner sich selbst etwas wegnimmt, wird wieder der kleine Teil der Steuererwirtschafter die ganze Zeche zu zahlen haben.

    ..schönes Österreich....

    alcharismi
     
    00
    16.9.2010, 13:49

    Und wer sind die "Steuererwirtschafter"?

    Wie schon im Artikel dargestellt offensichtlich nicht die Banken und Gigantoagrarier, ebensowenig die Industriebetriebe oder die Frächter etc., mit einem Wort die Unternehmer, denen zwecks Erhaltung des "Wirtschaftsstandortes Österreich" die Steuernachlässe und Subventionen und ähnliche Kleinheiten en gros zugeschanzt werden.

    Nein, es sind die "Kleinen Leute", die Lohnsteuerzahler, die pro Kopf zwar vergleichsweise wenig, en masse aber die Substanz liefern, von der dieser Staat zehrt.

    Und wohinein greift dann "der Großteil der Bevölkerung" und trägt "nichts dazu" bei?

    Cato der Ältere1
    00
    16.9.2010, 17:25
    ...die Landwirte gehören dieser Gruppe ja wohl..

    ..nicht an.

    Diese bevölkerungsgruppe greift nur sehr tief in die Taschen derer, die die Steuern erwirtschaften und das in jeder hinsicht.

    Man kann natürlich die Unternehmenssteuerbilanz kritisieren, aber die KMU's sind nicht in der Lage über Gruppenbesteuerung die Steuerlast zu senken. Diese Unternehmen sind es die die Steuerlast tragen. Direkt über die Unternehmenssteuern und indirekt über die Arbeitsplätze die sie dem Land zur Verfügung stellen.

    Eines muß klar sein. Ein Unternehmen muß Gewinne machen um Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen und halten zu können. Wenn keine Gewinne entweder Pleite (keine Arbeitsplätze mehr) oder Verlagerung (Das selbe Ergebnis)

    Alastair McKenzie
     
    00
    16.9.2010, 15:53
    Mag sein.

    Nur: Wenn es keine Industriebetriebe gibt, gibt es auch weit weniger Lohnsteuerzahler. Das ist das nüchterne Kalkül der Staatsfinanz. Dass manche Unternehmen deshalb weniger Steuern zahlen als sie "gerechterweise" sollten, wird als Kollateralschaden hingenommen.

    Alastair McKenzie
     
    01
    16.9.2010, 11:49
    Doppelte Subventionierung von Großbauern

    Nicht nur die Subvention ist das Problem, auch die Höchstbeitragsgrundlage in der Sozialversicherung. Damit werden Großbauern gleich doppelt gefördert - und drängen die Kleinen aus dem Markt, weil sie überhöhte Pachtzinse zahlen können. Die Subventionen haben leider genau das Gegenteil von dem bewirkt, für das sie offiziell eingeführt wurden, nämlich der Industrialisierung der Landwirtschaft entgegen zu wirken. Am besten wäre eine Abschaffung aller Subventionen, aber das weltweit (insbesondere in den USA). Dann müssten die Preise für die Erzeugnisse am Weltmarkt eigentlich steigen und das Einkommen bliebe in etwa gleich. Nur dass es dann ein riskantes Einkommen wäre und kein sicheres, was die Pachtpreise wieder senken würde.

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