Neu im Kino

Die heile Welt der Lausbubenstreiche

Dominik Kamalzadeh, 15. September 2010, 17:00
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    foto: filmladen

    Mühen für elterliche Küsschen: Nick (Maxime Godart) und seine Mutter (Valérie Lemercier) in "Der kleine Nick".

Klamauk und Putzigkeit: Die französische Comic-Adaption "Der kleine Nick"

Wien - Eigentlich ganz logisch, dass der kleine Nick auf dieses Aufsatzthema keine Antwort weiß: "Was wollt ihr werden, wenn ihr groß seid?" Nick ist nämlich eine Knabe, dem die Gegenwart schon so viel bietet, dass er darin alles "prima" finden kann - ein ewiges Kind, das keinen Gedanken an die Zukunft verschwendet. Seine Welt sieht nach makellos konservierten 1950er-Jahren aus, sauber und aufgeräumt wie unter der Glaskuppel einer Schneekugel liegt sie da, eine propre Idylle in den Nationalfarben Frankreichs. Jeder Tag ein Lausbubenstreich: Das muss hier als Irritation genügen.

Der kleine Nick ist die erste Spielfilmadaption des vor allem in seiner Heimat zum Klassiker avancierten Comic-Helden von Illustrator Jean-Jacques Sempé und Texter René Goscinny. 1960 erschien er zum ersten Mal gedruckt, seitdem sind der Junge und seine illustre Freundesbande zu Nationalikonen hochgewachsen. Gegenüber der losen Geschichten der Vorlage bevorzugt das Drehbuch nun eine geschlossenere Dramaturgie, die jedoch wendig genug für sketchartige Einlagen bleibt.

Ein Missverständnis mobilisiert Nick (Maxime Godart) und seine Kumpels zu tollkühnen Maßnahmen. Weil er glaubt, dass seine Mutter (Valérie Lemercier) wieder ein Kind erwartet und dieses seinen Platz einnehmen wird, versucht der Junge sich gegenüber seinen Eltern von seiner besten Seite zu zeigen. Als dies wenig Erfolg zeitigt, greift er zu immer drastischeren Mitteln - sogar ein Gangster soll die geschwisterliche Konkurrenz beseitigen helfen.

Während sich die Comic-Vorlagen durch erzählerische Reduktion und einen naiv-skurrilen Tonfall auszeichnen, setzt der Film auf die Weihen des höheren Klamauks. Autos werden gekapert, giftige Zaubertränke verabreicht, Glücksspiele veranstaltet. An der Familienfront sind einzelne Szenen ganz auf Kad Merad, seit den Sch'tis der Komödienstar des französischen Kinos, hingeschrieben, der hier ein weiteres Mal die Rolle des von Aufstiegshoffnungen angetriebenen, tollpatschigen Jedermanns variiert.

Die gelungensten Momente von Der kleine Nick spielen sich im Kosmos der Schule ab, schon bei den Comics das Herzstück, in dem die Typologie der einzelnen Charaktere liebevoll ausgearbeitet ist. Dennoch bedient der Film von Laurent Tirard in seiner retrokulturellen Putzigkeit die Nostalgie für eine Zeit, in der die Grande Nation von gegenwärtigen Zurichtungen noch unbeeindruckt war. Wie schon Die fabelhafte Welt der Amélie oder Willkommen bei den Sch'tis wird hier eine etwas biedermeierliche Enklave geschaffen, mit den Werten und Hierarchien einer vergangenen Ära. Und spätestens, wenn der etwas größere Nicolas Sarkozy heile Welten mit bösen Lausbubenstreichen errichten will, ist gewiss: Die Vergangenheit ist nur um den Preis einer gewissen Schönfärberei zu haben. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD - Printausgabe, 16. September 2010)

Kommentar posten
19 Postings
Hate Tank
01
18.9.2010, 18:26
Comic????

"Der kleine Nick" ist ein Kinderbuch von Goscinni, dem Asterix- und Lucky Luke-Schöpfer, mit ein paar Illustrationen von Sempe. Comic mit Sprechblasen etc. ist da gar nix. Hier hat ein Journalist wieder mal erstklassige Arbeit geleistet und hervorragend recherchiert. Unfassbar, dass solch mieser Journalismus nun auch beim Standard Einzug hält - Hauptsache, es ist was geschrieben zum Thema, ob's stimmt, ist nicht relevant. Danke, ein weiterer Grund, mein Abo endlich zu kündigen.

markus grabner
00
16.9.2010, 20:55
COMIC?

comic? comic? is ja nicht auszuhalten. es gibt wohl schlimmeres, aber der kleine nick ist kein comic (wohl aber gibt's viele illustrationen)!

Igor Gassner
42
16.9.2010, 12:07
Ich finde die Fünfiziger jahre gut und

erstrebenswert und den derzeitigen Zustand halte ich für.......

Timagoras
 
14
16.9.2010, 14:17
"Ich finde die Fünfiziger jahre gut und erstrebenswert"

und was genau halten Sie daran für "gut und erstrebenswert"?

dass frauen noch brave heimchen am herd sein mussten, und die schriftliche erlaubnis des göttergatten brauchten, wenn sie einen job annehmen wollten?

dass homosexuelle mit mehrjährigem "schwerem kerker "bestraft" wurden?

die noch weit verbreitete rassentrennung?

den eisernen vorhang?

den gummibaum?

denk mal
10
16.9.2010, 16:11
dass Kiffer mit Verwaltungsstrafen davonkommen konnten

und LSD überhaupt noch legal war ;)

Timagoras
 
01
16.9.2010, 17:08

das wiegt alles andere auf?

denk mal
10
16.9.2010, 17:14
Jetzt sind'S nicht so streng mit mir!

Immerhin waren auch die Milchprodukte noch nicht homogenisiert und die Sauermilch gar noch schnittfest... wieviele Emoticons soll ich jetzt machen, damit Sie ein Körnchen Salz dazunehmen?

peter schmidt
 
00
16.9.2010, 16:00
Ich hätte gerne in jenem L.A. gelebt in dem auch ein Phillip Marlowe

ein Sam Spade und wie sie alle heissen gelebt haben. also L.A. von Ende der 30iger bis Mitte der 50iger ca.

Und ja ich weiss das es wahrscheinlich eh nicht so super war wie man glaubt aber die Autos, die Kleidung die Musik die Frauen alles vom feinsten.

Seiens doch nicht gleich so humorlos wenn jemand ein wenig träumt.

Timagoras
 
03
16.9.2010, 17:11
"Ich hätte gerne in jenem L.A. gelebt in dem auch ein Phillip Marlowe ..."

also in einem extrem reaktionären, korrupten, antiliberalen umfeld?

da bräucht' ich wirklich noch etwas mehr humor, um mir das zu wünschen ;o)

peter schmidt
 
00
17.9.2010, 02:10
vielleicht hätte ich einfach nur gerne john coltrane live gesehen

G. B. Corner
03
16.9.2010, 09:34
Retrokulturelle Putzigkeit ...

"Dennoch bedient der Film von Laurent Tirard in seiner retrokulturellen Putzigkeit die Nostalgie für eine Zeit, in der die Grande Nation von gegenwärtigen Zurichtungen noch unbeeindruckt war."
Ehm, ja und? Ist wohl ein Kinder- und Familienfilm; Wir haben neulich z.B. "Das Konzert" gesehen und auch dort wurden weder der Tschetschenienkonflikt noch die Pariser Banlieue-Ghettos thematisiert - obwohl der Film zur Hälfte in Moskau und zur Hälfte in Paris spielte. Sowas aber auch.
Wenn der Nick-Film nur die Hälfte vom Charme der Bücher rüberbringt, werden wir einen netten Kinoabend haben. Ganz ohne gegenwärtige Zurichtungen.

Alfons_S
02
15.9.2010, 21:55
Die Bücher sind

wirklich lesens- und sehenswert!

großwolfi
00
15.9.2010, 20:55
"Le petit Nicolas" ein Comic?

Das ist doch ein ganz normales Buch mit ein paar (sehr guten) Illustrationen pro Geschichte - und übrigens absolut lesenswert.

" TRUNCATE TABLE *
01
16.9.2010, 08:46

ja, das tut wirklich weh wenn sich der autor durchgehend bemüssigt fühlt den film mit der vorlage zu vergleichen und letztere offensichtlich nie zu gesicht bekommen hat. auch schade für ihn, die bücher sind wirklich toll.

Nessus
00
15.9.2010, 19:29
Das waren noch Zeiten, als Jugendstreiche harmlose Unterhaltung waren

Heute läuft sowas unter "Aufzählung von Straftaten", samt "organisierter Kriminalität", wenns eine Gruppe war.

Die heutige Jugend hats gar nicht so leicht...

AlBundyFan
 
00
16.9.2010, 10:29
und?

1. ist der kleine nick kein jugendlicher sondern ein kind im frühen volksschulalter

2.klauen schädigt das opfer
3.einbruchsdiebstahl schädigt das opfer
4.gewalt schädigt opfer noch mehr

ich finde es schlimm genug, daß solche verbrechen bei jugendlichen immer noch nicht richtig bestraft werden....da bekommt man ja trotzdem auch heute noch nur bedingte haftstrafen von wochen bis monaten anstatt, daß man solche cretiens aus dem verkehr zieht und die gesellschaft schützt.

Timagoras
 
00
16.9.2010, 14:53

mieselsüchtig, sauertöpfisch, trantütig und negativ.

wie eh immer ;o)

AlBundyFan
 
00
16.9.2010, 16:09
selbst wenns so wäre

mieselsüchtig, sauertöpfisch, trantütig und negativ menschen sind immer noch besser als welche, die dich bestehlen oder dir eine reinhauen.

würden alle verbrecher zu mieselsüchtigen , sauertöpfisch, trantütig und negativen menschen würds der welt viel besser gehen als jetzt.

Michael B
00
16.9.2010, 12:54
Sie meinen wohl "Chretiens" ?

Darunter gibt es wahrlich viele üble Typen...

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