Experten beobachten insgesamt Anstieg der Rachentumore - 80 Prozent sind viral bedingt
Salzburg - Die ursprünglich gegen Gebärmutterhalskrebs entwickelte Papilloma-Impfung schütze auch vor Tumoren im Rachenraum. Das erklärte Hans-Edmund Eckel, Leiter der Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Landeskrankenhaus Klagenfurt, anlässlich des derzeit stattfindenden HNO-Kongresses in Salzburg. Die Experten beobachten seit einigen Jahren einen deutlichen Anstieg der Karzinome im Rachenraum.
Diese Krebserkrankungen würden zu 80 Prozent durch eine Infektion mit Papilloma-Viren verursacht, erklärte Eckel. Weitere Risikofaktoren sind starker Alkohol- und Tabakkonsum. Österreich sei mit seiner Empfehlung des Obersten Sanitätsrats, nicht nur junge Mädchen, sondern auch Burschen gegen Papilloma-Viren zu impfen, Vorreiter, lobte der Mediziner. Allerdings würde die Impfung - anders als in vielen anderen europäischen Ländern - in Österreich nicht von der Versicherung bezahlt, bedauerte der Mediziner. Die Kosten von 170 Euro pro Dosis für die insgesamt drei notwendigen Impfungen könne sich nicht jeder leisten, weshalb er ein Umdenken in dieser Frage forderte.
Bessere Heilungschancen
Die Behandlung von Tumoren im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich ist nur ein Thema, das bei dem Kongress in zahlreichen Vorträgen und Diskussionsrunden behandelt wird. Insgesamt werden 600 Fachärzte zu dieser Veranstaltung erwartet, die bis Sonntag dauert. Durch die Fortschritte in der Medizin könne man heute Karzinome des Kehlkopfs, der Stimmbänder oder des Rachens viel besser behandeln und habe wesentlich höhere Heilungschancen. Ein Umdenken müsse es allerdings bei der Behandlung von älteren Menschen mit Tumorerkrankungen geben. Bisher habe man bei alten oder multimorbiden Patienten tendenziell versucht, eine Operation zu verhindern. Mittlerweile stelle man aber fest, dass durch die Verbesserungen bei der Narkose Operationen zielführender seien können als besonders für ältere Menschen belastende Strahlen- und Chemotherapien, sagte Eckel.
Kein Todesfall mehr nach Mandel-OP
Vorgestellt wird bei dem Kongress auch das Ergebnis einer österreichweiten Untersuchung über Komplikationen nach Mandeloperationen, bei der 9.500 Behandlungen an 32 österreichischen Kliniken analysiert wurden. Anlass für die Studie war eine Häufung von Todesfällen: In den Jahren 2006 und 2007 waren insgesamt fünf Kinder in Österreich an Nachblutungen nach Mandeloperationen gestorben. Diese Fälle führten dazu, dass man die Indikationen und Operationstechniken überprüft sowie hinterfragt und neue Empfehlungen herausgegeben habe, erklärte Studienleiter Heinz Stammberger, Leiter der klinischen Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Medizinischen Universität Graz.
So wurde die Indikation für eine Operation der Mandeln viel enger gefasst. Außerdem wurde in den meisten Fällen einer Teilentfernung der früher üblichen Totalentfernung der Tonsillen (Mandeln, Anm.) der Vorzug gegeben. Die Maßnahmen haben gegriffen, bilanziert Stammberger aufgrund der Studienergebnisse: Es gab im gesamten Studienzeitraum keinen einzigen Todesfall. Die Quote der Nachblutungen, die einer operativen Versorgung bedurften, lag bei nur 2,8 Prozent. Damit sei Österreich im internationalen Vergleich sehr gut, sagte Stammberger. (APA)