HNO-Kongress

Papilloma-Impfung schützt auch vor Rachenkarzinom

15. September 2010, 14:03

Experten beobachten insgesamt Anstieg der Rachentumore - 80 Prozent sind viral bedingt

Salzburg - Die ursprünglich gegen Gebärmutterhalskrebs entwickelte Papilloma-Impfung schütze auch vor Tumoren im Rachenraum. Das erklärte Hans-Edmund Eckel, Leiter der Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Landeskrankenhaus Klagenfurt, anlässlich des derzeit stattfindenden HNO-Kongresses in Salzburg. Die Experten beobachten seit einigen Jahren einen deutlichen Anstieg der Karzinome im Rachenraum.

Diese Krebserkrankungen würden zu 80 Prozent durch eine Infektion mit Papilloma-Viren verursacht, erklärte Eckel. Weitere Risikofaktoren sind starker Alkohol- und Tabakkonsum. Österreich sei mit seiner Empfehlung des Obersten Sanitätsrats, nicht nur junge Mädchen, sondern auch Burschen gegen Papilloma-Viren zu impfen, Vorreiter, lobte der Mediziner. Allerdings würde die Impfung - anders als in vielen anderen europäischen Ländern - in Österreich nicht von der Versicherung bezahlt, bedauerte der Mediziner. Die Kosten von 170 Euro pro Dosis für die insgesamt drei notwendigen Impfungen könne sich nicht jeder leisten, weshalb er ein Umdenken in dieser Frage forderte.

Bessere Heilungschancen

Die Behandlung von Tumoren im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich ist nur ein Thema, das bei dem Kongress in zahlreichen Vorträgen und Diskussionsrunden behandelt wird. Insgesamt werden 600 Fachärzte zu dieser Veranstaltung erwartet, die bis Sonntag dauert. Durch die Fortschritte in der Medizin könne man heute Karzinome des Kehlkopfs, der Stimmbänder oder des Rachens viel besser behandeln und habe wesentlich höhere Heilungschancen. Ein Umdenken müsse es allerdings bei der Behandlung von älteren Menschen mit Tumorerkrankungen geben. Bisher habe man bei alten oder multimorbiden Patienten tendenziell versucht, eine Operation zu verhindern. Mittlerweile stelle man aber fest, dass durch die Verbesserungen bei der Narkose Operationen zielführender seien können als besonders für ältere Menschen belastende Strahlen- und Chemotherapien, sagte Eckel.

Kein Todesfall mehr nach Mandel-OP

Vorgestellt wird bei dem Kongress auch das Ergebnis einer österreichweiten Untersuchung über Komplikationen nach Mandeloperationen, bei der 9.500 Behandlungen an 32 österreichischen Kliniken analysiert wurden. Anlass für die Studie war eine Häufung von Todesfällen: In den Jahren 2006 und 2007 waren insgesamt fünf Kinder in Österreich an Nachblutungen nach Mandeloperationen gestorben. Diese Fälle führten dazu, dass man die Indikationen und Operationstechniken überprüft sowie hinterfragt und neue Empfehlungen herausgegeben habe, erklärte Studienleiter Heinz Stammberger, Leiter der klinischen Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Medizinischen Universität Graz.

So wurde die Indikation für eine Operation der Mandeln viel enger gefasst. Außerdem wurde in den meisten Fällen einer Teilentfernung der früher üblichen Totalentfernung der Tonsillen (Mandeln, Anm.) der Vorzug gegeben. Die Maßnahmen haben gegriffen, bilanziert Stammberger aufgrund der Studienergebnisse: Es gab im gesamten Studienzeitraum keinen einzigen Todesfall. Die Quote der Nachblutungen, die einer operativen Versorgung bedurften, lag bei nur 2,8 Prozent. Damit sei Österreich im internationalen Vergleich sehr gut, sagte Stammberger. (APA)

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18 Postings
Krebspatienten für Krebspatienten
11
28.9.2010, 23:37
Rachenkarzinom?

Das Nichtrauchen hilft mehr als alles andere!
Und dass Sie nicht zum Passivraucher werden,
hat BM. Stöger aufgerufen:
Melden Sie jeden Wirt, der sich nicht an den Nichtraucherschutz laut Tabakgesetz hält.
Auf www.sis.info geht das binnen 2 min, täglich, mehrfach!

Chocoholic
01
16.9.2010, 11:18
Haben's noch nicht genug davon angebracht?

Morgen erfahren wir dann im Radio, dass es eine Wunderwaffe gegen Aids ist...

fertigprodukt
00
27.9.2010, 12:00

hahaha. der war gut. wenn produkte nicht funktionieren, muss man immer wieder was neues dazuerfinden, um sie zu verkaufen.
hier werden wieder mal zufälle zu wissenschaftlichen tatsachen gemacht, ohne beweise zu haben.
(es gibt bis heute keinen beweis, dass diese viren überhaupt krebs auslösen können - das untersuchte man nämlich schon in den 60-ern und fand nie einen zusammenhang)

Doc Steel
01
16.9.2010, 08:03
block buster

die impfung wurde als block-buster konzipiert und das marketing ist dementsprechend aufwendig.

der preis ist nicht real erklärbar, ähnliche impfstoffe kosten nur einen bruchteil.

hier wird groß abgesahnt

Mahatma Mahatmaned
01
15.9.2010, 19:02

So ein Zufall aber auch, dass gerade jetzt NEWS einen Artikel darüber bringt, dass Catherina Zeta-Jones Angst vor einer Krebserkrankung hat, weil Micheal Douglas sie mit Papilloma-Viren angesteckt haben könnte.

Zur Impfung kann man nur sagen, dass sie vor kurzer Zeit ziemlich negativ in den Schlagzeilen war, aber das muss eh jeder selbst wissen, was man seinem Körper antut.

fertigprodukt
00
27.9.2010, 12:01

ob das zeug wirkt oder nicht, wird sich erst in jahren herausstellen. die nebenwirkungen hingegen waren recht akut und sehr oft tödlich.

Bonair
00
15.9.2010, 19:32

Das ist ja das Problem an der Sache: Ein marktschreierischer Impfgegner, der in jeder Nebenwirkung tödliche Gefahren ortet, ist nun mal medientauglicher, als eine Forschergruppe, die anhand von RCTs und Meta-Analysen die Sicherheit in Zahlen bestätigen.

Die Douglas/Zeta-Jones-Story ist - nett formuliert - lächerlich. Es kann zwar immer sein, dass die Frau vor Douglas noch nie sexuelle Kontakte hatte und daher nie eine Ansteckungsquelle hatte. Aber wahrscheinlich ist es nicht... ;)

Clemens Schwarz
01
26.9.2010, 11:05
es geht nicht darum.

anstatt das geld in eine durchimpfung zu investieren könnten sie in eine echte prävention invertieren.
das geld was eine durchimpfung kostet, könnten sie ganz österreich in die psychotherapie schicken mit dem ziel ein förderliches gesundheitsverhalten umzusetzen.

mit einer impfung ändert sich nichts, sondern sie etablieren in den köpfen: ich darf rauchen, ungeschützeten s*x haben, egal was ich habe der arzt wird es schon richten. diese kurzsichtigkeit schmerzt. sie haben natürlich recht, aber begrenzt, da dadurch wieder neu kostenträchtige probleme auf uns zu kommen. wäre die gesundheit ihr intention, könnte sie das in der folge irgendwann erkennen.
ich stehe für ein nebeneinander von medizin und mensch, ohne abhängigkeit und bevormundung.

kiwi100
04
15.9.2010, 14:40
Der wichtigste Risikofaktor für das Rachenkarzinom ...

ist Rauchen. RaucherInnen erkranken 6x!!! häufiger als NichtraucherInnen. Dagegen kann man/frau mit nicht impfen, damit kann man/frau nur aufhören. Die Beteiligung von Viren wird dzt. diskutiert, ist aber keinesfalls erwiesen. So gesehen ist der erste Teil des Artikel leider nur eine kostenlose Werbeschaltung ...

fertigprodukt
00
27.9.2010, 12:04

viren sind zudem meist reparaturwerkzeug im körper. ist was kaputt, kommen die viren, um es zu richten. klar hat man dann mehr viren an dieser stelle. dass die viren die bösen sind, schließt einzig der profitgierige teil der medizinerschaft

Bonair
01
15.9.2010, 15:03
http://www.nejm.org/doi/full/... JMoa065497

Oral HPV infection is strongly associated with oropharyngeal cancer among subjects with or without (!!!) the established risk factors of tobacco and alcohol use.

Stimmt schon, die Erforschung ist nicht abgeschlossen, aber wenn die Impfung neben Cervix-, Anal- und Penis-Karzinom auch oropharyngeale Karzinome verhüten kann (und aufgrund der bekannten Tatsachen ist das gar nicht so abwägig), was spricht gegen die HPV-Impfung?

OGHaha
02
15.9.2010, 19:53
Wenn dass so eine tolle Impfung ist, dass man Massen impfen sollte, wieso muss das Zeugs dann so unverschämt teuer sein?

Die Masse macht das Geld in die Kassa, aber die Gier is da Hund.

kiwi100
03
15.9.2010, 16:52
Was dagegen spricht? Die vielen offenen Fragen?

Wen wollen Sie impfen? Die ganze Bevölkerung? Auf wessen Kosten? Individuell, Solidarisch? Wie viele Neuerkrankungen bzw. Todesfälle werden verhindert? Ab wann? In 10, 20, oder 50 Jahren ab Impfung? Wie erfolgt der Wirksamkeitsnachweis? Kosteneffizienz? Alternative Mittelverwendung? ...
Aber Hauptsache die Industrie hat wieder mediale Aufmerksamkeit für ein Produkt, trotz aller offenen Fragen ... das ist so wie die Meldung "Wundermittel gegen Krebs entdeckt!" aber dann wird die Wissenschaft wieder von der Realität eingeholt und die bedeutet sehr harte Bretter bohren, speziell beim Thema Krebs ...

fertigprodukt
00
27.9.2010, 12:06

und was passiert mit den vielen menschen, die dann schwere nebenwirkungen haben werden? (lt. hersteller hatten in den studien bereits 8% schwere nebenwirkungen - dieser wahnsinn konnte nur dadurch weggeschummelt werden, weil man der placebogruppe kein wirkungsloses placebo wie kochsalzlösung gab, sondern die gefährlichen, zuvor nicht getesteten neuen impfstoffzusätze.)

Bonair
10
15.9.2010, 17:09

Das sind berechtigte Fragen und derzeit kann ich nur auf die Zahlen von Gesundheitsökonomen bezogen auf das Cervixkarzinom verweisen (Quelle: Prof. Maurer von der Medizinischen Universität Wien)
300 gerettete Leben pro Jahr für eine Impfung aller geschlechtsreifen Frauen bis zu einem Alter von 27 Jahren. Kostenpunkt: 25 Millionen Euro. Über Kosteneffizienz braucht man bei diesen Zahlen wohl nicht lange zu diskutieren, zudem zahlen die Kassen auch wesentlich unwirksamere Impfungen (z.B. Rotavirus).

kiwi100
02
16.9.2010, 08:37
Sorry ...

... aber bei den 300 geretteten Leben muss ich schon etwas hinzufügen. Wenn wir heute (2010) alle 12-14-jährigen Mädchen impfen (vor Infektion), dann sehen wir eine Reduktion der Neuerkrankungen und der Mortalität ab 2030. Und zwar nicht sprunghaft, sondern schleichend. Dzt. versterben ca. 170 Frauen an Gebärmutterhalskrebs (Cervixkarzinom). 300 Frauen pro Jahr geht sich also nicht aus. Wenn die Impfung alles hält was sie verspricht (dzt. mehr als unklar), dann sind es ab 2030 ein paar, ab 2050 ca. 10% (15-20) und irgendwann die versprochenen 70% (100+). Letzteres nicht mehr in diesem Jahrhundert und das dauert noch 90 Jahre. Und niemand von uns weiß was diese Jahre noch an Innovationen und Pseudoinnovationen bringen.

fertigprodukt
00
27.9.2010, 12:09

es ist eigentlich ein wahnsinn, wie viel medienarbeit in diese impfung gesteckt wird, obwohl man weiß, dass mit einem besseren präventiven untersuchungssystem der frauen (wie es in den nördlichen ländern praktiziert wird) um einen promillebetrag frauenleben gerettet werden könnten.
die brauchen keine impfung dort, weil die haben keine gebärmutterhalskrebstoten.

Bonair
10
16.9.2010, 15:48

Stimmt, es sind dzt. 170 tote Frauen pro Jahr. Ist doch auch was. Dazu kommen nochmal ca. 100-120 verhinderte Cervix-Ca's. Ökonomisch ebenso eine Menge. Daneben ist die Impfung bis zum 27. Lebensjahr empfohlen - wieso man bei 14-jährigen Schluß machen sollte, ist nicht begründbar (besonders weil es bis zu dieser Altersgruppe trotz Infektion recht oft zu Totalremissionen kommt, wodurch die Impfung wieder wirksam wird) - es hat nicht jede Frau nach dem ersten Sex HPV.
Wenn man bedenkt, dass die Bergrettung gleich viel kostet, wie eine HPV-Durchimpfung, wobei dadurch pro Jahr "nur" 8 Leben gerettet werden, ist die Rechnung recht einfach.

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