Nachlese

Als Tiefgaragen noch voller Luxus waren

Bianca Blei, 15. September 2010, 15:42
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    foto: wipark/blei, derstandard.at

    Die Einfahrt zur Tiefgarage einst und heute (mehr Bilder in der Ansichtssache).

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    foto: derstandard.at/blei

    Seit 50 Jahren besteht nun die älteste Tiefgarage Wiens unter dem Votivpark.

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    foto: derstandard.at/blei

    Der Kassenautomat als einzige "moderne" Maschine bei der Jubiläumsausstellung.

Hostessen auf Rollschuhen, ein Restaurant und Peter Alexander als „Stammgast" - Wiens älteste Tiefgarage wurde 50

Verkehrsstau am Stephansplatz, Cruisen auf der Kärntnerstraße und 16.000 Autos, die in der Innenstadt parken. Was heute undenkbar erscheint, war Ende der 1950er Jahre Standard. Wer ein Automobil hatte, der wollte es auch nutzen: überall. Zeitungen griffen den bedrohlichen Trend schließlich auf, titelten mit „So kann es nicht weitergehen!" und sprachen von einem Verkehrskollaps in der Stadt.

1960 wurde schließlich reagiert und in der Nähe der Votivkirche die erste Tiefgarage der Stadt eröffnet. 50 Jahre danach feiert nun die Betreibergesellschaft WiPark ihr Jubiläum mit einer Ausstellung rund um das Prestigeprojekt. Wobei Christian Rapp, der die historischen Fotografien und Hintergrundinformationen für die Votivpark-Garage zusammentrug, die Garage als „puren Luxus, den man damals nicht wirklich gebraucht hat" bezeichnet.

Hostessen auf Rollschuhen

Ein Beweis dafür sind vor allem die großzügige Dimensionierung des Baus und die vielen Extras. So gab es etwa in den Anfangsjahren immer wieder Hostessen auf Rollschuhen, die in ihren weinroten Uniformen die Autofahrer in ihre Plätze einwiesen. In der Decke wurden große Lichtschächte eingebaut, damit die Grünflächen zwischen den Parkplätzen genügend Sonnenlicht bekamen. Ein eigener Gärtner sorgte für das propere Aussehen der Pflanzen. Außerdem betrieb die Gesellschaft bis Ende der 1960er Jahre ein eigenes Restaurant und eine Bar im „Untergrund".

Dass auch nach Schließung des Lokals jede Menge Trubel herrschte, kann Josef Bittmann bestätigen, der 1972 als Kassier in der Votivpark-Garage begonnen und 34 Jahre im Unternehmen gearbeitet hatte. „Am beliebtesten waren damals sicher die Drive-In-Bankschalter und -Versicherungen, da gab es jeden Tag einen riesigen Stau in der Garage." 

Die Schalter wurden laut Geschäftsführerin Elfriede Kraft deshalb so gut angenommen, da „die Leute vor allem Anfang der 70er Jahre große Angst vor Banküberfällen hatten und sich in ihrem Auto anscheinend sicherer fühlten". Auch die Bankbeamten seien geschützter gewesen, saßen sie doch hinter Panzerglas und verschoben das Geld nur durch eine Holzlade.

Auch die Prominenz gab sich immer wieder ein Stelldichein in der Garage, wie sich Josef Bittmann erinnert. Peter Alexander, Peter Rapp oder Ernst Fuchs sollen zu den Stammgästen des Hauses gezählt haben.

Sechs Autos: ein Totalschaden

Ein integriertes Autowaschservice gehörte damals ebenfalls zur Ausstattung, genauso der eine oder andere prekäre Zwischenfall. „Wir hatten einen Invaliden als Kunden, der nur ein Bein und deshalb statt des Kupplungspedals auf der linken Seite ein zusätzliches Gaspedal eingebaut hatte", erzählt Bittmann. Deshalb hätte auch nur der Servicemeister den Wagen aus der Waschanlage in den Trocknerraum stellen dürfen. „Doch der Meister hatte an einem Tag anscheinend so viel zu tun, dass es ein normaler Mitarbeiter machen musste. Der Meister hat ihn noch einmal an das zweite Gaspedal erinnert, aber dann war es schon zu spät", erinnert sich Bittmann. „In der ganzen Garage war das Aufheulen des Motors zu hören, bevor es einen lauten Krach gemacht hat und sechs Autos ein Totalschaden waren."

Der Besitzer des Autos sei jedoch nicht böse gewesen. „Wir mussten halt nur den Schaden bezahlen", erzählt der ehemalige Mitarbeiter und lacht. „Damals war das auch noch anders. Wir hatten engen Kontakt zu unseren Kunden und waren so etwas wie eine große Familie."

Vorreiter bei Frauenparkplätzen

Eine weitere Vorreiterrolle haben die Betreiber der Votivpark-Garage vor zwanzig Jahren eingenommen - mit der Einführung der ersten Frauenparkplätze. „Mein Gott, das war teilweise ein Aufstand von den Männern", weiß Bittmann. „Am Anfang haben wir noch versucht zu erklären, dass sie auf denen nicht parken dürfen, aber irgendwann haben wir uns aus der Sache rausgehalten."

Denn dann hätten einige „resolute Damen" die Sache übernommen und uneinsichtigen Männern „die Meinung gegeigt". Daraufhin erfolgte die Beschriftung der Frauenparkplätze durch Sprüche, die von den Garagenmitarbeiter stammen - und das ist noch heute so: „Der Mann von Welt den Frauenparkplatz nicht verstellt." (bbl, derStandard.at, 15.9.2010)

Bildergalerie:

Originalbilder aus den Anfangszeiten der Votivpark-Garage in einer Ansichtssache.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2
susannista
00
30.4.2011, 08:09
Ich will die Drive-In Bankschalter wieder!!

graviton
00
16.9.2010, 12:09

Wie passt das eigentlich mit der "Parkplatznot" zusammen, dass in den Parkgaragen regelmäßig hunderte Plätze frei sind? Kann man z.B. am Schottentor beim Warten auf den D-Wagen beobachten.

Ein Paradoxon?

Brel
00
27.4.2011, 10:06

Weil ein Tag inklusive Strafzettel billiger kommt als ein Tag in der Tiefgarage?

mxcod
00
15.9.2011, 18:00
Röntgenaugen ?

Da ist eine Wand dazwischen...

Zukunftsoptimist
00
11.1.2011, 12:57
Man sollte meinen,

dass nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage bei zu geringer Nachfrage (leere Garagen) die Preise gesenkt werden. Jeder Kaufmann, der seine Garage selbst finanziert hat, würde so handeln. Da aber die Stadt Wien grundsätzlich Tiefgaragen kräftig subventioniert und damit auch die preisbildung beeinflusst, werden die Preise künstlich hoch gehalten. So gesehen kann eine Garage kein Verlustgeschäft sein. Macht nichts, wenn sie leer steht, Hauptsache, wir haben sie (finanziert).

der_gote
00
27.10.2010, 14:55
weil die Leute nicht bereit sind

10 EURO oder mehr an Parkplatzgebühren für einen kurzen Spaziergang durch die Stadt zu zahlen. Gehst essen oder am Abend fort sind es gleich noch viel mehr.

Die Preise sind für Reiche oder für Leute mit Firmenautos wo es wurscht ist was es kostet.

Und die fahren halt nicht immer in diesen Mengen in die Stadt......

imanitram
 
33
27.10.2010, 01:54

Kein Paradoxon: die Parkgaragen bleiben leer, weil die Parkscheine fürs Parken auf öffentlichen Verkehrsflächen zu billig sind, die Strafmandate viel zu niedrig sind (21 Euro sind weniger wie die früheren 300 Schilling), die Magistrats-Parksheriffs viel zu tolerant sind und die Autolobby zu laut und einflussreich ist...

Kirian Lu
08
16.9.2010, 13:20
mit den Kosten!

Eine Stunde Parken in einer Kurzparkzone kostet 1,20 Euro. Selbst Falschparken kostet in Wien bloß 21 Euro/Tag, während in Tiefgaragen 4,50 für die (angefangene) Stunde üblich sind.

Ein einfacher Fahrschein für die Wienerlinien kostet 1,80 Euro im Vorverkauf, 2,20 direkt in Bim oder Bus. Schwarzfahren mit den Öffis kostet übrigen 65 Euro zuzüglich Fahrschein.

Das Parkpickerl für den Wohnbezirk kostet 183 Euro im Jahr, die Jahreskarte für die Wiener Linien in der billigsten Version 449 Euro.

Die Infrastrukturkosten für Auto und Öffi werden beide von der öffentlichen Hand, also den Steuerzahlern, übernommen. Der Individualvekehr richtet jedoch deutlich mehr Schaden an als der öffentliche (Lärm, Straßenverschleiß, Feinstaub, Unfälle, etc.)

SagServus
01
16.9.2010, 13:19

Ein Problem könnten die immer breiteren Autos sein.

Die breite eines Tiefengaragenparkplatzes ist mit einem mindest Maß genormt (ich glaub irgendwas um 2,30m - 2,40m). Die Norm dürfte ungefähr aus dieser Zeit stammen.

Da Tiefgaragen natürlich teuer sind, will man demnach natürlich so viel Stellplätze wie möglich und wird nie breitere Parkplätze machen als nötig sind.

Diese Breiten waren zwar für die damaligen Autos sehr komod zum ein- oder aussteigen, wennst dann aber plötzlich mit einem neuen Auto nur mehr 10 cm Platz zum Tür aufmachen hast wennst neben einem anderen Auto stehst, vergeht einem der Spass. Dadurch werden mMn einfach zu viele Parkplätze verschwendet weil sich keiner zwischen 2 Autos reinparken will.

Der Große von Gegenüber
03
16.9.2010, 09:07

Hostessen auf Rollschuhen?

Fillet of Soul
04
16.9.2010, 11:42

ja. auch schon damals musste es in der mittagspause schnell gehen

jumpingjack flash
05
16.9.2010, 11:06

will ich wieder haben, bitte!

U-Bahn Steuer
01
16.9.2010, 00:11

wer von euch beim standard liest freiwillig die presseaussendungen von der wipark???

Wirtschaftshierbleiber
513
15.9.2010, 22:18

2010 war es noch erlaubt direkt auf der Ringstraße zu fahren. Man kann es sich kaum mehr vorstellen aber da konnte man noch direkt am Burgtheater, Rathaus und Parlament vorbeifahren.

Heute wäre das unvorstellbar aber damals war das Auto scheinbar noch ein heiliges Objekt.

... und nein das waren keine Elektroautos sondern Autos die Lärm machten und giftige Gase ausgestoßen haben.

Proconsul
00
19.9.2010, 10:23

Sie meinen diese Dampfautos damals?

Extremsuderer
00
16.9.2010, 11:45
Die Menge machts!

Die paar Autos, die da herum gekurvt sind, waren halt akzeptabel.

Angelika70
00
16.9.2010, 15:00

Schauen sie sich mal Fotos der völlig verstopften Kärntnerstrasse an. ;-)

jumpingjack flash
00
16.9.2010, 11:08

mit schönem kleid und stöckelschuhen - wie wollen sie ins theater kommen wenn man nicht zufahren kann - vom bühnenbild ect. gar nicht zu reden.

Parkschwein
22
16.9.2010, 09:48

träumer

zitronen_bob
23
16.9.2010, 00:15
2010 war es auch noch erlaubt ...

... in öffentlich zugänglichen Foren auf den Internetseiten der Tageszeitungen seine eigene (!) Meinung ohne große Konsequenzen für Leib und Leben zu posten. Die Bürger hatten noch keine Überwachungschips eingepflanzt und es gab noch keine Überwachungskameras des Sicherheitsdienstes in den Privatwohnungen der Menschen.

Mausefaltenfripp
11
16.9.2010, 10:49

träumer

FFluXXuSS
00
15.9.2010, 20:53
bitte der Kranklhansiburli hat dort auch gehupt! Wirklich.

Ferdinand Berger
615
15.9.2010, 19:59
da sieht man...

...wie die zeit vergeht und sich die dinge ändern. die frauenparkplätze sind aber wirklich toll, so fahren die frauen wenigsten nicht so oft beim einparken in die autos der männer bzw. hauen die türen beim aussteigen nicht drauf *gg* ;-)

Susanne_B
60
16.9.2010, 09:49

Ha, sind Sie witzig! Also wirklich! Und so originell!

Cyco
03
16.9.2010, 15:31

Unrecht hat er nicht..

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