Zusammen ist man weniger allein

14. September 2010, 15:01
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    foto: standard/fischer

    Angst vor Haaren im Badezimmer oder ähnlichen Hygienesünden sollte man in einer Wohngemeinschaft nicht haben.

Manch einer fürchtet Einsamkeit, der andere Haare im Waschbecken - Ein Überblick über studentisches Wohnen

Die Studierzeit naht. Das bedeutet für viele Studierende einen Auszug vom trauten Elternhaus in die Welt der Universität - sei es nun hunderte Kilometer vom kleinen steirischen Kaff ins Grazer Studentenheim oder ein paar U-Bahn-Stationen weiter vom elterlichen Obdach in Wien-Währing in die Sechser-WG.

Über die Wohnform entscheiden meist das liebe Geld und manchmal auch die persönlichen Vorlieben. Manch einer fürchtet die Einsamkeit, der andere fremde Haare im Waschbecken. Es gibt junge Leute, die zu Hause wohnen und alles alleine machen, und es gibt wiederum welche, die ausgezogen sind, und Mama putzt einmal die Woche die Wohnung. derStandard.at zeigt, welche Wohn-Möglichkeiten Studierende haben.

Das Studierendenheim

Das Studierendenheim wird oft als „günstige Alternative" angepriesen. In Wien muss man für ein Zimmer mit etwa 250 Euro monatlich rechnen. Darin enthalten ist ein kleines, meist vollständig möbliertes Zimmer mit Einbauschrank und Linoleum-Boden. Das Bad wird meist mit einem weiteren Studierenden geteilt, die Großküche oft mit dem gesamten Stockwerk. Tür an Tür reihen sich die gleich aussehenden Zimmer aneinander, Platz für Individualität bleibt da kaum. Rund zehn Prozent der Studierende wählt diese Wohnform trotzdem. Denn sie bietet neben der etwas niedrigeren Miete auch viele soziale Kontakte. So sind beispielsweise im Kolping-Heim im sechsten Bezirk bis zu 30 Nationen unter einem Dach, vom Medizinstudenten aus Meidling bis zum Maschinenbau-Anwärter aus Finnland. Und um eine eigene Waschmaschine oder eine Fitness-Center-Mitgliedskarte muss man sich meist auch nicht kümmern, denn Waschküche und Sportmöglichkeiten bietet fast jedes Studentenwohnheim.

Die meisten Heime werden vom Bund und von den Ländern getragen, aber auch die Kirche oder private Träger bieten diese Wohnform für Studierende an. Die „Akademikerhilfe" betreibt beispielsweise 18 Heime in ganz Österreich. Eines davon findet man am Handelskai im 20. Wiener Gemeindebezirk. Für ein Einzelzimmer der Kategorie A (Bad/Dusche und WC wird mit dem Nachbarzimmer geteilt) sind 285 Euro zu berappen, hinzu kommt vor dem Einzug eine Reinigung um 70 Euro. Einmal jährlich wird eine Heimstatuspauschale von 30 Euro fällig. Das Rudolf-Kirchschläger-Heim von der „Österreichischen Jungarbeiterbewegung" verlangt zuzüglich zur Monatsmiete, die bis zu 290 Euro kostet, Bearbeitungsgebühr und Kaution von rund 450 Euro. Für's Internet sind 5 Euro im Monat fällig.
Ein Vertrag mit einem Verein wird jeweils auf ein Jahr abgeschlossen. Die Heimstatuten sind sehr unterschiedlich, in manchen Heimen sind „Heimfremde" über Nacht Tabu, andere Träger haben nichts dagegen, wenn der Freund oder die Freundin mal im Zimmer übernachtet. Das Studierendenheim empfiehlt sich für all jene, die gerne alles am gleichen Fleck haben. Nicht mal zum feiern muss man rausgehen, denn Parties finden in Studierendenheimen am laufenden Band statt. Wer nicht mitmachen will, kann einfach die Tür hinter sich schließen.

Die Wohngemeinschaft (WG)

In der großen fremden Stadt kann man sich schnell verloren fühlen, besonders, wenn man alleine in eine Wohnung zieht. Daher bietet sich eine Wohngemeinschaft für all jene an, die zusammen weniger alleine sein möchten und nicht vor fremden Menschen zurückschrecken. Rund 20 Prozent der österreichischen Studierenden lebt in einer Wohngemeinschaft. Jeder WGler hat in der Wohnung sein eigenes Reich in Form eines kleinen Zimmers, die anderen Räume werden aber gemeinsam genutzt. Diese Wohnform erspart Kosten, denn für weniger Geld gibt es mehr Lebensraum als in einer eigenen Wohnung. Viele WG-Wohnungen sind in nicht renovierten Altbauwohnungen untergebracht. Die Fenster sind oft undicht, die Miete aber billig. Ab 300 Euro all inclusive ist man dabei, es kann aber auch empfindlich teurer werden, sei es nun wegen einer zentralen Lage, einem besonders großen Zimmer oder einfach horrend hohen Hauptmieten.

Eine WG steht und fällt mit ihren Bewohnern. Manche Studierende legen viel Wert auf ihre Intimsphäre und können sich nicht vorstellen, ungeschminkt im Bademantel mit anderen Leuten am Frühstückstisch zu sitzen. Andere verbringen keine Minute im eigenen Zimmer, kochen für die gesamte WG auf und hocken dann bis spät abends plaudernd zusammen.
Das große Übel der WG ist meist die Hygiene. Denn irgendwann muss auch irgendwer putzen. Verschmutztes Geschirr in der Spüle und seit Tagen kein Klopapier mehr? Das Leben in der WG bedeutet Kompromisse eingehen und Abstriche machen, vor allem was Sauberkeit, Lärm und Intimsphäre angeht. Dafür sind WG-Parties die besten Parties der Studentenzeit.

Hotel Mama

„Hotel Mama" ist eher das Gegenteil von einem Neubeginn nach der Matura. Denn eigentlich bleibt alles beim Alten. Man lebt im Kinderzimmer, die Eltern füllen den Kühlschrank und meist fährt die Putzfrau auch noch mit dem Staubsauger eine Runde vorbei. Für viele Studierende ist diese Wohnform aus Kostengründen die einzige Wahl, selbst wenn man zum Studienort pendeln muss. Manche bleiben jedoch zuhause kleben. Zwar sind Menschenkinder Nesthocker, doch spätestens nach dem Studium sollte man „Adieu" vom „Hotel Mama" sagen. Manche Berufstätige genießen jedoch noch die Gratisdienste bei Mama und Papa. Zuhause lässt es sich bequem leben und auf Wunsch gibt's „Vollpension" und angenehme Dienstleistungen wie gebügelte Wäsche. Damit bringt man sich jedoch um einen wichtigen Neuanfang im jungen Leben und von Unabhängigkeit kann keine Rede sein.

Die erste eigene Wohnung

Freunde dürfen gerne auf Besuch kommen, aber wohnen will man lieber ganz ungestört und vor allem ganz alleine? Über die eigene Wohnung ist man sein eigener Herr. Die Wahl der Wohnung hängt von den finanziellen Möglichkeiten ab, die als Studierender meist sehr marginal ausfallen. Am günstigsten sind Mini-Wohnungen in windigen Gegenden, die aus einem einzigen (kleinen) Zimmer bestehen. Neben dem Bett reiht sich dann meist der Küchenblock, manchmal steht auch noch die Duschkabine daneben. Die Nachbarn hört man sogar, wenn sie nur im Flüsterton miteinander sprechen. Meist brüllen die jedoch nur.

Der eindeutige Vorteil in der eigenen Wohnung liegt in der Freiheit, die sie einem bringt. Denn hier kann man leben, wie man gerne lebt und muss keine einschneidenden Kompromisse eingehen. Die Haare im Waschbecken sind ganz sicher die eigenen und das Handtuch hat mit Bestimmtheit auch niemand sonst verwendet.
Diese Wohnform ist die teuerste für Studierende, da man für alles alleine zuständig ist. Selbstständig sind Rechnungen zu begleichen und Ordnung zu halten. Dafür kann man in Ruhe lernen oder auch mal fernsehen, ohne dass jemand einen zuquatscht. Aber die Decke kann einem so allein schon mal schnell auf den Kopf fallen. (Karin Jirku, derStandard.at, 14.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
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Got Your Noes!
00
5.12.2010, 20:36

ich wohne nun seit 2 monaten im studentenheim. hatte aber auch keine wahl, ganz innsbruck ist ziemlich ausgebucht.

vorteile: mit 270 fürs einzelzimmer mit bad, internet (1 gb pro tag), wäsche, frühstück, strom, heizung etc. inklusive. die leute sind eigentlich ganz nett, die hemleitung mischt sich nicht wirklich ein, die musikstudenten sind auch nur moderat laut.

nachteile: nach 22:00 werden die herdplatten abgeschlatet. von denen gibts auch nur 3 für alle. kein backrohr. gemeinschaftskühlschränke, also nur nach bedarf einkaufen, vorräte werden als freiwild betrachtet. waschmarken und wäsche generell wird munter gefladert. die breakfast-lady ist eine soziopathin. nun ja.

Granny
11
17.9.2010, 13:00
Demwegen?

"sei es nun wegen einer zentralen Lage, einem besonders großen Zimmer oder einfach horrend hohen Hauptmieten."

Lernt man nicht schon in der Volksschule die korrekte Anwendung der Fälle?

Granny
01
17.9.2010, 12:59
"Hunderte Kilometer" innerhalb der Steiermark!?

"sei es nun hunderte Kilometer vom kleinen steirischen Kaff ins Grazer Studentenheim"

Macht die winzige Steiermark doch nicht größer, als sie ist. Danke.

Matthias1
00
4.10.2010, 17:39

im Vergleich der Bundesländer darf die Steiermark durchaus als "groß" bezeichnet werden

miss
00
9.11.2010, 12:19
"Da habe ich nichts anderes behauptet...."

Haben Sie nicht zwei Postings weiter oben behauptet, die Steiermark sei 'winzig'?

Granny
00
4.10.2010, 21:26
Da habe ich nichts anderes behauptet.

Ändert aber trotzdem nichts an der Unrichtigkeit der "Hunderte Kilometer".

miss
00
9.11.2010, 12:19
Hierhin gehört das Posting ;)

"Da habe ich nichts anderes behauptet...."
Haben Sie nicht zwei Postings weiter oben behauptet, die Steiermark sei 'winzig'?

miss
00
9.11.2010, 12:16

Naja, zB von Bad Mitterndorf bis Graz sind des 149km. Zufällig ist Graz recht in der Mitte angesiedelt. Würde man aber von Bad Mitterndorf nach, sagen wir, Neunkirchen fahren - sind wir schon bei 259km. So unrealistisch ist das also gar nicht; und die Steiermark kann als zweitgrößtes Bundesland Österreichs (nach NÖ) wirklich nicht als 'winzig' bezeichnet werden.

affdsewrq
00
15.9.2010, 13:16

auch im Hotel Mama war ich schon vor und während der Matura selbstständig. Wäsche waschen, Bügeln, usw. musste man ja bereits mit 18 selbst erledigen. da gabs zumindest für mich keine Wiederrede, da sonst die Arbeit liegen blieb.
so war das für mich jedenfalls nix neues, in einer eigenen Wohnung zu leben, da ich eh auch vorher selbst schon alles selbst erledigte.
eine WG auszuprobieren würd ich aber schon mal gern.

Experte für äh alles
01
15.9.2010, 16:41

Brav!

MrTee
00
15.9.2010, 13:55
Hotel Mama

Das war bei mir auch so, hab mit ca. 18 Jahren Wäsche selber gewaschen. Seit ich 16 bin wurden auch andere Tätigkeiten rund ums Haus auf mich verteilt. Obs aufwaschen oder Gartenarbeit war mir egal, der Beitrag musste geleistet werden.

Der Absatz zur WG stimmt vollkomen imo. Wenn auf 2 Studierende dann noch ein Arbeitstätiger kommt, wirds noch komplizierter, wegen des zeitversetzten Tagesablaufes.

Ich steh grad mal auf um 6 in der Früh, die andern gehen gerade zu Bett. Wenn für mich der Tag gelaufen is, fängt er für die andern gerade mal an. Ich hoffe das wird besser wenn die Vorlesungszeit wieder beginnt!

finne - never wash out the blue and white
01
17.9.2010, 11:25

sehr brav!

Angelika70
15
15.9.2010, 10:20

Das Studierendenheim als günstige Alternative? Töchterchen zieht mit Freundin in eine nette Mietwohnung. Sie teilen sich die Kosten und sind so bei weitem billiger dran als in jedem Studentenheim.

Privatsphäre und Ruhe haben sie so auch mehr.

Noxventa
00
15.9.2010, 12:12

Kolpinghaus Salzburg:

Einzelzimmer: Euro 353,50 pro Monat.
Halpension zusätzlich: 169,80 pro Monat.

Für 707 Euro bekommst auch in Salzburg schöne 3 Zimmer-Wohnungen.

(Preise für StudentInnen & Erwerbstätige)

Doppelzimmer 271,30 pro Person im Zimmer.

Die meisten meiner MitstudentInnen wohnen zuhause, in eigenen Wohnungen mit ihren Lebensgefährten oder in einer WG. Studentenheim ist wegen den Preisen einfach nicht attraktiv.

Intimissimi
00
11.10.2010, 18:39
Studieren...

...in Salzburg ist wegen den Preisen nicht attraktiv.

lola84
00
15.9.2010, 11:46

bei weitem billiger als im Studentenheim?! Wie geht das?

palesa
 
00
15.9.2010, 12:33
geht doch!

hab die gleiche erfahrung gemacht!

in linz das heim in das ich gern ziehen wollte, kostete ab 270.-
und ich fand dann eine super-tolle 3er WG in bester lage über den dächern von linz und zahlte für mein 25qm zimmer 200,-

hagane
11
15.9.2010, 11:12
bei weitem billiger

wenns ein hühnerstall ist, ja, gewiss.

Angelika70
00
16.9.2010, 11:07

sie sind ziemlich ahnunglos, nicht wahr?

grünerzwerg
00
15.9.2010, 14:16

zumindest gleich teuer.
zahle mit meiner wohnungskollegin 700.- für alles inklusive, sogar internet und kabelfernsehen, sowie telefon. 82qm zentrale lage in linz

EquinoxOmega
00
14.9.2010, 21:46

Ich habe in meinen Leben bereits alle diese Wohnformen durchgemacht und bin der Meinung das dieser Artikel der Realität bei weiten nicht gerecht wird. Es fehlen zahlreiche wichtige Vor- und Nachteile bei allen.

lacrosse
00
14.9.2010, 23:52

der Artikel ist im Grunde genommen ganz in Ordnung, auch wenn einige wichtige Punkte fehlen. Das einzige was mir suspekt vorkommt sind die Partys im Studentenheim. Also in dem Studentenheim in dem ich wohne ist tote Hose. Von Partys am Fließband keine spur. Kenn jemand ein Studentenheim wo es wirklich viele coole Partys gibt? ich kenn nämlich keines

nane_bobette
00
19.10.2010, 12:29

probiers mal im panorama heim ;)

EquinoxOmega
00
16.9.2010, 11:14

ja, in dem ich dem ich lebte gar es sehr viele Parties. Jedoch waren die Wände dünn wie papiert. Es gab sogar 2 offiziellen Heimfeste (letzte Jänner-Woche und letzte Juni-Woche), wo man die Musik bis in den 3. Stock noch bis zu den Knien spürte bis 6h früh. Natürlich hat bei der Planung keiner bedacht, dass es genau die Prüfungswochen sind! Weiters fehlt beim den Studentenheimen, dass man am Anfang praktisch nie ein einzelzimmer bekommt, sondern zuerst einmal (bis zu 3 Jahre) zu zweit auf 18m² leben muss und dabei noch einen Miete von über 250€ dafür zahlt. Der Preis pro eigenen m² ist deutlich höher als bei jeder Wohnung.

Matthias1
00
15.9.2010, 10:36

in dem Heim in Linz, in dem ich war (hab jetzt ne Wohnung), gabs laufend Partys, Stockwerkfeiern, und natürlich gabs auch ne Heimbar, die jeden Tag offen hatte! Am Anfang war das Heimleben ideal für mich: Sofort viele Leute kennen gelernt, viel Spaß, ...! Aber irgendwann wollte man halt auch seine Ruhe haben, bzw. in Ruhe lernen können

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