Nachlese

Widersprüche nach Suizid eines jungen Schubhäftlings

14. September 2010, 13:44

Beamte ignorierten Hinweise auf sexuellen Missbrauch

Der 16-jährige Asylwerber Reza H. ist laut einem Bericht der Stadtzeitung "Falter" am 19. Juli an den Folgen eines Selbstmordversuchs im Juni gestorben. Zuvor hatte der Jugendliche bei seiner Einvernahme im Bundesasylamt Traiskirchen am 20. Mai die Beamten zwei Mal darauf hingewiesen, dass er in Schweden, wo er zuvor um Asyl angesucht hatte, missbraucht worden war. Wörtlich sagte H.: "In Schweden wurde ich mit einem Afrikaner in ein Zimmer getan, und ein Inder war im Parallelzimmer. Der Inder hat mich missbraucht". Trotzdem kam der Jugendliche sofort in Schubhaft.

Das Innenministerium teilte der Öffentlichkeit bislang nicht mit, dass der minderjährige Asylwerber in einem Pflegeheim in Niederösterreich seinen schweren Verletzungen erlag. Alexandra Grabner-Fritz, Stellvertreterin an der für die Schubhaft zuständigen Bezirkshauptmannschaft Baden, sagt, der Fall sei ein "absoluter Standardfall" gewesen: "Es war kein Jugendlicher, und die Schubhaftgründe lauteten Mittellosigkeit, keine Unterkunft und ein aufrechtes Aufenthaltsverbot."

Ihre Darstellung widerspreche aber laut Falter-Recherchen dem polizeilichen Einvernahmeprotokoll vom 20. Mai 2010. Darin wird H. als 16-Jähriger geführt. Auch in der Schubhaft im Polizeianhaltezentrum Hernals galt er als Minderjähriger. 

Bezirkshauptmann von Baden widerspricht Darstellungen

"Nach unserer Aktenlage war Herr H. älter als 18 Jahre", betonte Helmut Leiss, Bezirkshauptmann von Baden. Soweit man das dokumentiert habe, bestehe diesbezüglich "kein Zweifel". Warum der Mann laut "Falter" bei der polizeilichen Einvernahme und im Polizeianhaltezentrum als Minderjähriger gegolten haben soll, könne er sich nicht erklären.

Wegen des Aufenthaltsverbotes und des sicheren Drittstaates sei Reza H. jedenfalls im Polizeianhaltezentrum Hernals in Schubhaft genommen worden, wo es Anfang Juni zu dem Selbstmordversuch gekommen sei. Der junge Mann wurde daraufhin ins AKH Wien und später laut "Falter" in ein niederösterreichisches Pflegeheim gebracht, wo er Mitte Juli an den Folgen seines Suizidversuchs starb. Dies sei natürlich "tragisch", so Leiss, aber nicht absehbar gewesen.

Grüne sprechen von "unfassbarem Fall"

Die Grüne Menschenrechtssprecherin Alev Korun bezeichnete die Vorkommnisse als "unfassbaren Fall. Wie kann es sein, dass jemand im Asylverfahren sagt, dass er missbraucht wurde und die Asylbehörde das einfach ignoriert und ihn in das Land des Missbrauchs zurückschieben will", meinte sie in einer Aussendung. Die Diskussion darüber, ob es sich um einen Jugendlichen gehandelt habe, würde nur den Zynismus der Asylbehörden zeigen und sollte von den gravierenden Fehlern ablenken. Korun verlangte, dass Innenministerin Maria Fekter im heutigen Innenausschuss "Rede und Antwort" stehen müssen. (red, APA)

Kommentar posten
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masterpiece
00
19.9.2010, 14:21
das war vielmehr der mißglückte versuch eines suizidversuchs.

parapente
00
18.9.2010, 10:01
Der kam vom ach so brutalen Schweden

und will bei und ASYL ??

Ruhiges Blut
17
16.9.2010, 23:02
Alev Korun ist empört ...

"Wie kann es sein, dass jemand im Asylverfahren sagt, dass er missbraucht wurde und die Asylbehörde das einfach ignoriert und ihn in das Land des Missbrauchs zurückschieben will"

Er wurde von bestimmten Menschen angeblich mißbraucht. Und warum kann man ihn da nicht zurückschicken ? Jeder Österreicher, der mißbraucht wurde, muß weiterhin in Österreich leben. Oder zahlt der Staat den Mißbrauchsopfern für den rest des Lebens einen Auslandsaufenthalt ?

Und wie überprüfen die Behörden, ob ein Mißbrauch eines Asylsuchenden auch wirklich stattgefunden hat ? Das ist doch ein Fall für die Polizei des Herkunftlandes. Denn Asyl ist Schutz vor politischer Verfolgung und nicht vor familiären Problemen etc.

§83SPG
33
16.9.2010, 17:11

Aber umgebracht hat er sich schon selber?

Lord of Dawn
83
16.9.2010, 19:20

Spar dir deine Boshaftigkeit und deinen primitiven Zynismus - hier ist ein Mensch gestorben, weil die politischen Eliten Wahlkampf nur auf Kosten der Schwächsten und Wehrlosesten in der Gesellschaft führen und menschliche Tragödien zynisch in Kauf nehmen. Traurig genug, dass solche Schicksale statt zu Protesten bei manchen zu Triumphgeheul führt - viele in diesem Land haben vergessen für welche Grundwerte Demokratie steht.

Ruhiges Blut
04
16.9.2010, 22:52
Freitod instrumentalisiert

Das ist wohl ein bißchen über das Ziel geschossen.

So bedauerlich der Vorfall ist, so wenig wissen wir über die Motive, die dazu führten.

Aber eine Verbindung mit Wahlkampf etc. herzustellen, ist whl ein bißchen vermessen.

In der großen Anzahl von Asylwerbern und Schubhäftlingen ist ein Selbstmord passiert. Das ist - wenn an so einen Vergleich anstellen darf - wahrscheinlich die in der Bevölkerung übliche Selbstmordrate. Also bitte nicht Wahlkampf, Rassismus und sonst was für diesen Vorfall verantwortlich machen

§83SPG
08
16.9.2010, 19:57

Schwach$inn.
Hier ist ein Mensch gestorben, weil er sich umgebracht hat.
Das ist seine Entscheidung und seine Verantwortung gewesen. Kein Mensch hat ihn dazu gezwungen. Er hat seinem Leben durch eigene Hand ein Ende gesetzt, was die denkbar größte Verschwendung ist. Ein Triumph ist das für Keinen und ich habe auch noch nicht das entsprechende Geheul vernommen, das sie zu hören glauben.

Ich finde es zynisch, wenn manche Menschen, Medien und Organisationen diesen Freitod instrumentalisieren, um ihre unausgegorenen und naiven Ansichten zu untermauern.

Einer der von ihnen angesprochenen Grundwerte der Demokratie ist übrigens das Legalitätsprinzip.

Der Zwersch
70
17.9.2010, 05:54
"Kein Mensch hat ihn dazu gezwungen."

Genau, man hat diesem Menschen ja in seiner Notlage so dolle geholfen, dass man ihn gleich in Schubhaft verfrachtet hat...

"Einer der von ihnen angesprochenen Grundwerte der Demokratie ist übrigens das Legalitätsprinzip."

Hat Österreich im Bezug auf diese Vergewaltigung ermittelt?

place
03
17.9.2010, 10:38

Aktenkundig scheint die Vergewaltigung nicht zu sein, laut den Angaben des Mannes wurde seine Anzeige von der schwedischen Polizei ignoriert.
Welche Ermittlungsschritte der österreichischen Behörden würden Se vorschlagen?

Asparuch Edler von Leschnikoff
215
16.9.2010, 15:53
Versteh ich das richtig,

dass ÖSTERREICHISCHEN Beamten vorgeworfen wird, nichts gegen den in der Vergangenheit liegenden Missbrauch IN SCHWEDEN unternommen zu haben?

Gehts noch?

eze eze
 
11
17.9.2010, 15:51

Es wird ihnen vorgeworfen, einen Notfall nicht ernst genug genommen zu haben. Dass Missbrauch eine traumatische Erfahrung ist, die oft Depressionen und Suizidgedanken zu Folge hat, und im Äußersten leider auch vollzogene Suizide, wissen die Fachleute ja.

per aspera ad astra
91
16.9.2010, 17:28
genau

deshalb muss ma ihn in Österreich einsperren, wei die Schweden nix gemacht ham?

Gehts noch Asperuch???

Lord of Dawn
82
16.9.2010, 16:09

Österreichischen Beamten wird vorgeworfen, einem traumatisierten jungen Mann jede Hilfe verweigert zu haben!

Lord of Dawn
31
16.9.2010, 19:14

nur zwei rote stricherl? die schwarz-blauen Kampfposter sind auch nicht mehr das, was sie mal waren... *boshaft grins*

Kool killer
 
315
15.9.2010, 15:47
einfach zum nachdenken ...

könnte es sein, dass sich unter asylwerbern herumgesprochen hat, dass ein hinweis auf sexuellen missbrauch eine gute chance ist, der sonst drohenden schubhaft zunächst einmal zu entkommen ... ???

als das nicht funktionierte, war die verzweiflung vielleicht ziemlich groß, ein selbstmordversuch denkbar. doch selbstmiordgefährdung kann nicht die richtschnur von asylverfahren sein ... (siehe die diskussion um arigona zogaj).

eine vertrackte situation !

Michael Bakunin
125
16.9.2010, 09:30

wie abgehoben und ignorant muss man sein, um so eine aussage zu machen?

eze eze
 
21
17.9.2010, 15:53

Danke, das ist eins der paar wenigen Postings hier, die mir den Glauben an die Menschheit (und insbesondere an die Standard-LeserInnen) wieder zurückgeben.

sir osis of liver
 
51
17.9.2010, 09:21

wie abgehoben und boshaft muss man sein, um kool killers bemerkung mit grün zu loben.

el duende
 
44
15.9.2010, 18:44

wie bitte kommen Sie auf sowas? Haben Sie in letzter Zeit irgendwas davon gelesen, dass AsylwerberInnen in Schubhaft vermehrt sexuellen Missbrauch angegeben hätten und dadurch aus der Schubhaft entlassen wurden?? Oder deshalb nicht einmal in Schubhaft genommen wurden? Oder haben Sie irgendwelche Insiderinformationen, die nicht einmal dem Ministerium bekannt sind, die solche Vermutungen rechtfertigen?? Es scheint in Ö echt an der Tagesordnung zu sein, selbst bei den tragischten Ereignissen sofort einmal laut "Lug und Betrug" zu schreien, sobald es um AsylwerberInnen geht - ohne auf irgendwelchen Fakten aufbauen zu können!

Und was soll dieser "denkbare Selbstmordversuch"?? Es WAR ein Selbstmordversuch, der auch tödlich geendet ist!

Kool killer
 
00
23.9.2010, 17:55
Behaupteter sexueller Missbrauch verhindert "zum Wohle des Kindes" auch bei nicht asylfähigen Minderjährigen die Abschiebung:

Lesen Sie die "Richtlinien über allgemeine Grundsätze und Verfahren zur Behandlung asylsuchender unbegleiteter Minderjähriger" des UNHCR, Pkte. 7.11 & 9.8.

el duende
 
00
23.9.2010, 19:20

Und was soll bitte eine Empfehlung des UNHCR aus dem Jahr 1997 (!), die nie (!) von Österreich umgesetzt wurde, hier beweisen? Lesen Sie das Asylgesetz und das Fremdenpolizeigesetz, das sind die rechtlich bindenden Dokumente.

Kool killer
 
00
24.9.2010, 13:18
Auch das Fremdenpolizeigesetz sollten SIE lesen

§76 ... (2) Die örtlich zuständige Fremdenpolizeibehörde kann über einen Asylwerber oder einen Fremden, der einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, Schubhaft zum Zwecke der Sicherung des Verfahrens zur Erlassung einer Ausweisung gemäß § 10 AsylG 2005 oder zur Sicherung der Abschiebung anordnen, wenn ...
die Schubhaft für die Sicherung des Verfahrens zur Erlassung einer Ausweisung gemäß § 10 AsylG 2005 oder zur Sicherung der Abschiebung notwendig ist, es sei denn, dass besondere Umstände in der Person des Asylwerbers der Schubhaft entgegenstehen.

Kool killer
 
00
24.9.2010, 13:09
Das Asylgesetz sollten SIE lesen ...

"§ 8. (1) Der Status des subsidiär Schutzberechtigten ist einem Fremden zuzuerkennen,
1. der in Österreich einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, wenn dieser in Bezug auf die Zuerkennung des Status des Asylberechtigten abgewiesen wird oder
2. dem der Status des Asylberechtigten aberkannt worden ist,
wenn eine Zurückweisung, Zurückschiebung oder Abschiebung des Fremden in seinen Herkunftsstaat eine reale Gefahr einer Verletzung von Art. 2 EMRK, Art. 3 EMRK oder der Protokolle Nr. 6 oder Nr. 13 zur Konvention bedeuten würde oder für ihn als Zivilperson eine ernsthafte Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit infolge willkürlicher Gewalt m Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen Konfliktes mit sich bringen würde.

Paris Texas
51
15.9.2010, 13:02

junge flüchtlinge machen sich oft noch jünger, weil das vorteile bringt (denken sie). dennoch war dieser junge mann offenbar alleine unterwegs und in grosser seelischer not. UND es gab zudem wohl auch verfahrensfehler seitens der zuständigen behörden, das übliche wegschauen. traurig alles zusammen. vielleicht lernt einmal irgendwer ein bisschen dazu -?! ich glaube, kein junger mensch, der aus einem asiatischen land kommt, wo es krieg gibt oder hunger oder beides und der in europa, der sprache nicht kundig, hin und hergeschickt wird, geht es wirklich gut. das thema selbst ist natürlich ein europäisches, aber die EU ist ja nur für banken zuständig :o

eze eze
 
00
17.9.2010, 15:57

Es mag sein, dass sich manche jünger machen, aber in großem Ausmaß wird ihnen das auch unterstellt, weil es schlichtweg keine zuverlässigen Methoden gibt, das Alter zweifelsfrei festzustellen. Handwurzelröntgen (hab selber mal als 12-Jährige eins gemacht mit äußerst überraschendem Ergebnis) und dgl. kann man vergessen.

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