Bettwanze: Gefährlicher Blutsauger?

  • Die erwachsene Bettwanze wird bis zu sieben Millimeter lang.
    foto: apa/piotr naskrecki/cdc/harvard university

    Die erwachsene Bettwanze wird bis zu sieben Millimeter lang.

Das Blut des Menschen dient der Wanze als Nahrung - Bei Massenbefall kann der Blutverlust zur Eisenmangelanämie führen

Hochsaison für Kammerjäger in den USA: Eine Bettwanzeninvasion hat die Schädlingsbekämpfung dort zu einem lukrativen Geschäft gemacht. In Österreich war der gemeine Blutsauger bisher kein Thema, für eine ansteigende Vermehrung der kleinen Parasiten gab es bis dato keinerlei Hinweise. (Hinweis: Mittlerweile hat sich die Situation scheinbar geändert: Blutwanzen zwicken nun auch in Österreich (Bericht vom 12.1.2011, Anm.)

Doch schon die bloße Vorstellung, dass sich nachts kleine Blutsauger am eigenen Körper gütlich tun, bereitet beträchtliches Unbehagen. Besonders unangenehm ist auch der Gedanke daran, dass es unwahrscheinlich ist, die Anwesenheit von Bettwanzen überhaupt zu bemerken.

Reihenweise juckende Stiche

"Den Stich spürt man üblicherweise nicht, weil Bettwanzen bevor sie zu saugen beginnen ein Narkotikum in die Haut einspritzen", erklärt Herbert Auer, Leiter der Abteilung für Parasitologie an der Medizinischen Universität Wien. Die winzigen Ektoparasiten besitzen als Mundwerkzeug einen Stechrüssel, den sie üblicherweise in Richtung Körperende gerichtet halten. Riechen sie einen Menschen oder ein Säugetier, strecken sie den Stechrüssel nach vorne und stechen zu. "Unter Umständen tun sie das mehrfach, weil sie nicht immer auf Anhieb ein Blutgefäß erwischen", erklärt Auer. 

Zurück bleiben winzig kleine Stichwunden, die typischerweise als Papeln, Quaddeln oder Bläschen in Reihen angeordnet imponieren. Umgeben sind diese Hauteffloreszenzen von einem mehr oder weniger ausgeprägten entzündlichen Hof. Typisch ist der starke Juckreiz, der sich binnen weniger Stunden nach einem Stich entwickelt. Abgesehen von der lokalen Reaktion auf der Haut, kann eine Blutmahlzeit dem Menschen aber nicht wirklich viel anhaben. Ausnahme bildet der Massenbefall: "Ein Invasion, wie sie derzeit in Amerika stattfindet, kann Eisenmangelanämien zur Folge haben", weiß der Wiener Parasitologe. Insbesondere bei Kindern wirkt sich der starke Blutverlust auf das Blutbild aus.

Der Wanze auf der Spur

Abgesehen von der Tatsache, dass der Mensch Wanzenstiche nicht spürt, ist es auch sonst unwahrscheinlich, dass er die kleinen Biester je persönlich zu Gesicht bekommt. Obwohl, groß genug wären sie. Bis zu sieben Millimeter werden Bettwanzen lang. Was die Parasiten besonders auszeichnet: Auch als Larven besitzen sie schon die Stechfähigkeit erwachsener Wanzen. Mit freiem Auge sind die Nymphen allerdings schwer zu erkennen. Im Grunde genommen ist die Größe aber völlig egal, denn Bettwanzen - ob erwachsen oder nicht - sind großartige Versteckkünstler. Tagsüber harren sie unter Sesselleisten, alten Matratzen oder hinter losen Tapeten aus. Aktiv werden sie nur im Dunkeln, angelockt von der Körperwärme und dem Geruch des Menschen.

Fantastische Spürnasen, die auch selbst für Geruchsentwicklung sorgen. Unter anderem produzieren Bettwanzen Pheromone, um eventuelle Sexualpartner anzulocken. In speziellen Drüsen wiederum bilden sie Substanzen, die andere Wanzen auf potente Blutquellen aufmerksam machen oder aber übel riechende Stoffe, die der Abwehrhaltung dienen. Die Chance, dass ein penetranter Geruch im Schlafzimmer die Spur zur Bettwanze legt, ist bei geringem Befall allerdings auszuschließen. Ein möglicher Hinweis für eine Wanzenplage könnten aber kleine dunkle Kügelchen sein, die sich in der Umgebung des Bettes gern finden. "Zerdrückt man die Kügelchen und der Inhalt ist rot, dann ist das das verdaute Blut des Menschen", ergänzt Auer.

Potentieller Krankheitsüberträger?

In der gemeinen Bettwanze selber haben Wissenschafter schon eine ganze Reihe verschiedener Krankheitserreger gefunden. "Noch ist es nicht bewiesen, dass die Cimex lectularis auch als Überträger von HI- oder Hepatitis B-Viren fungiert", so der Parasitologe. Theoretisch ist die mechanische Übertragung pathogener Mikroorganismen durch Bettwanzen zwar möglich, praktisch ist es aber eher auszuschließen, da die transportierte Virenmenge zu gering ist, um beispielsweise eine Hepatitis B zu verursachen. 

Dermatologen und Parasitologen hegen den Verdacht auf eine Cimicosis jedenfalls aufgrund der typischen Hautveränderungen. Spezifische Therapien gegen die Wanzenstiche haben sie aber nicht anzubieten. Antihistaminika helfen gegen den Juckreiz, primäres Ziel ist es aber immer, die lästigen Viecher zu eliminieren. Kammerjäger setzen zu diesem Zweck vornehmlich Pyrethroide ein. Was man selber tun kann? Doppelseitige Klebstreifen um die Bettfüße anbringen, das macht den Wanzen das Raufklettern ins warme Bett schwer. (derStandard.at, 15.09.2010)

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