Mindestsicherung

ÖVP will "Arbeitspflicht" für Arbeitslose - Hundstorfer will Marek aufklären

14. September 2010, 11:32
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    foto: standard/cremer

    Christine Marek: Sozialem Missbrauch mit Arbeitspflicht vorbeugen.

Marek: Nach sechs Monaten ohne Job und mit Mindestsicherung Verpflichtung zu gemeinnütziger Arbeit - Jurist Mayer: "Keine Zwangsarbeit" - SPÖ: "Billiger Wahlkampfgag"

Christine Marek fordert im Namen der gesamten ÖVP jetzt nach Einführung der Mindestsicherung eine "Arbeitspflicht" als "Keule gegen den sozialen Missbrauch". Konkret will die Staatssekretärin und Spitzenkandidatin der ÖVP Wien, dass Arbeitslose, die die Mindestsicherung beziehen, nach sechs Monaten Jobsuche verpflichtend gemeinnützige Arbeit verrichten. "Das ist natürlich schon eine starke Motivation für Arbeit Suchende, sich entsprechend zu bemühen", meint Marek im Ö1-Morgenjournal.

Unter gemeinnütziger Arbeit versteht Marek etwa Mithilfe bei Caritas und Hilfswerk, aber auch Rasenmähen und Straßenkehren. "Natürlich immer im Rahmen des Zumutbaren", so Marek, und mit Kürzungen der Mindestsicherung verbunden, wenn man sich weigert, die Arbeit zu machen. Marek schließt auch die völlige Streichung der Mindestsicherung nicht aus, darüber müsse man noch diskutieren. Als Vorbild dient das Projekt "Bürgerarbeit" in Deutschland, das Langzeitarbeitslose motivieren soll wieder erwerbstätig zu werden.

SPÖ sieht keinen Grund für Arbeitspflicht

Die SP-Staatsekretär Andreas Schieder wies den jüngsten Vorstoß von VP-Staatssekretärin Christine Marek in Sachen Mindestsicherung als "billigen Wahlkampfgag" zurück. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) wies auf die bereits bestehenden Sanktionen bei Arbeitsverweigerung vor dem Ministerrat am Dienstag hin. Die Mindestsicherung sei klar mit Arbeitsanreizen verknüpft.

Auch beim Arbeitslosengeld gebe es bei Arbeitsverweigerung Sanktionen. So habe es bei rund 800.000 AMS-Kunden rund 93.000 Kürzungen gegeben. Ziel der Mindestsicherung sei es, Menschen wieder zurück in normale Beschäftigungsverhältnisse zu bringen und nicht wie in Deutschland in Hartz IV zu verfestigen. Auf die Frage, ob der Marek-Vorschlag nach den bevorstehenden Wahlen vielleicht doch noch diskutiert wird, antwortete Hundstorfer: "Sicher nicht."

Verfassungsexperte: Keine Zwangsarbeit

Verfassungsexperte Heinz Mayer glaubt im Gespräch mit derStandard.at nicht, dass der Vorschlag von Marek verfassungswidrig oder menschenrechtswidrig sein könnte. Eine Form der Zwangsarbeit liegt seiner Meinung nach nicht vor. "Wenn ich Geld in Form der Mindestsicherung vom Staat bekomme, ist es nicht ungewöhnlich, dass dafür auch etwas eingefordert wird." Im konkreten Fall komme es vor allem auf eine humane Umsetzung an. "Die Leistungsfähigkeit der Menschen darf nicht überspannt werden, die Arbeit nicht zeitlich unbegrenzt verlangt werden. Es muss auf Alter und Ausbildung Rücksicht genommen werden", meint Heinz Mayer gegenüber derStandard.at. "Ein arbeitsloser Primar kann nicht dann als Putzkraft im Krankenhaus eingesetzt werden."

Scharfe Kritik an der ÖVP übte Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ): "Ich halte das für verwerflich." Er bekomme täglich Briefe von jungen Menschen, die um einen Job flehen. Die von der ÖVP vorgeschlagenen Zwang-Dienste seien ein "Ausfluss der neoliberalen Politik", so Darabos. 

Aufklärungs-Gespräch mit Hundstorfer

Die SPÖ hat ein Gespräch mit Christine Marek angesetzt. Hundstorfer soll dort der im Wahlkampf befindlichen Staatssekretärin das Modell der Mindestsicherung erklären. Kanzler Werner Faymann (SPÖ) geht davon aus, dass es dem Sozialminister gelingen werde, "das aufzuklären".

Nach einem Termin für dieses Gespräch gefragt, meinte Faymann nach dem Ministerrat am Dienstag, man habe keinen Zeitplan vorgegeben: "Mein persönlicher Verdacht ist der 11. Oktober." - Also der Montag nach der Wien-Wahl.

Für Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) ist das Gespräch hingegen eine Verhandlung. Der Vorstoß Mareks passe gut ins Gefüge der Mindestsicherung und er sei dankbar, dass diese Frage zwischen Hundstorfer und Marek vertieft werde. Er sprach auch von einer Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft seitens der SPÖ. (red/derStandard.at, 14.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 3611
falko3100
30
8.12.2010, 08:45
Guter Ansatz Frau Marek GRATULIERE !! (2 v 2 )

Vielleicht liebe Frau Dr. Marek wäre es sinniger anstatt der Zwangsarbeit eben diesen Personen Arbeit in Form eines Trainings näher zu bringen. Schliesslich kann es nicht im Sinne der Menschenwürde sein dass diese armen Menschen wochenlang fernsehen müssen denn für die Teilhabe am kulturellen und sozialen Leben wie es so nett im LGBL 9205 heisst kann bei dem Betrag auch nicht die Rede sein.
Daher mein Wunsch an Sie führen Sie anstatt der Zwangsarbeit Arbeitstherapien, Bewerbungstrainings etc ein so dass Lanzeitarbeitslose ( Notstandshilfebezieher ) BMS ler endlich wieder Sinn und Halt im Leben bekommen.

LG ein angehender ÖVP Wähler...

falko3100
31
8.12.2010, 08:38
Guter Ansatz Frau Marek GRATULIERE !!

Sehr geehrte Frau Dr. Marek, ich finde Ihren Ansatz gut allerdings die Ausformulierung schlecht. Ihr Ansatz klingt einfach nach Zwangsarbeit. In meinem Haus wohnen einige sogenannte BMS Bezieher von denen keiner die Absicht hat sein Brot mit Arbeit zu verdienen; wozu auch sie bekommen eben diese 740 Euro zzgl. Wohnbeihilfe vom Land Noe und den Heizkosten Zuschuss. Zum preiswert Lebensmittel einkaufen geht es in den SOMA Markt in Sankt Pölten und von GIS und Telefongrundgebühr sind sie nebst Rezeptgebühren auch befreit. Wie man das einem Renter oder Freiberufler erklärt der grad einmal 1000 Pension oder Einkommen hat ist mir nocht nicht ganz klar.

1 von 2

Zensur Du HXr!
03
22.9.2010, 13:25
Online Petition

http://www.pro-grundeinkommen.at/

dauert keine 2 min.

unterschreibt das!

Tschschi Krawutzi
102
16.9.2010, 21:22
wenn man liest, wie präpotent undankbar die Typen für die 800 Eure stütze sind,

dann weiß man erst, wie richtig dieser Vorschlag ist

ente gut alles gut
06
17.9.2010, 11:34
In Österreich gibts keine "Stütze".

danielle durand
00

und ein piefke heißt nicht krawuzi

Christian Ebner
30
17.9.2010, 09:25
da gebe ich Ihnen recht -

diese Haltung ist das Pulver, auf dem unsere Gesellschaft in naher Zulunft explodieren wird.

Insofern besonders lustig, dass jene, die bald die Opfer sein werden, derzeit noch glauben, mit der Lunte der "Revolution" zündeln zu können...

Schreck
37
16.9.2010, 23:36

Das ist eine Versicherung! Da haben die Leute selbst reinbezahlt.

Mein Gott (auch wenn ich nicht an ihn glaube)- manche Menschen verstehen nichteinmal die elementarsten Dinge des politischen Systems, geschweige denn wie wohlfahrtsstaatliche Leistungen aufgebaut sind.

Christian Ebner
70
17.9.2010, 09:22
Googlen Sie mal "Sparbuch" und dann "Versicherung"

Die Idee einer "Versicherung" ist halt nämlich nicht, dass du da was ansparst, und dann wieder verprasst.
Das was du da meinst, ist ein "Sparbuch".

Mein Gott (auch wenn ich nicht an ihn glaube)- manche Menschen verstehen nichteinmal die elementarsten Dinge des politischen Systems, geschweige denn wie wohlfahrtsstaatliche Leistungen aufgebaut sind.

danielle durand
00

eines jedoch haben sparbuch und versicherung gemein: dankbarkeit ist bei jedwedem bezug nicht verlangt, so wird deren mangel auch nicht als präpotenz gewertet

mein gott (auch wenn ich nicht an ihn glaube) ...

pepitant
02
18.9.2010, 20:28
Das kann man durchaus differenzierter sehen.

Was ist z. B. eine Erlebensversicherung ?

Giovanni Ruiz Castro PIMPINELLA - das Tier
60
17.9.2010, 09:21
Das würde doch heißen, wenn Sie eine Feuerversicherung abschließen, und nach 20 Jahren Ihr Haus renovieren wollen,

dann zünden Sie es einfach an, und bauen auf Kosten der Verischerung neu!
Es ist ja eine Versicherung, da haben Sie selbst eingezahlt...

Wenn Sie nicht auf Kosten der anderen, sondern auf eigene Kosten eine Auszeit nehmen wollen, so können Sie ja Ihre Ersparnisse dazu verwenden!

Wenn Sie allerdings schon auf Kosten der anderen unterstützt werden wollen, dann wäre wohl tatsächlich etwas Dankbarkeit angebracht.
Und es ist allen voran völlig deplatziert, dann noch Forderungen und Bedingungen zu stellen.

Daher urteilt Giovanni abschließend:
Ferien auf Ihre Kosten sind Ihr gutes Recht.
Ferien auf Kosten der anderen sind eine Frechheit - in diesem Punkt hat Fr. Marek Recht.

Don Alonso-Ildefonso
 
04
16.9.2010, 23:52

Frau Marek, bitte nehmen Sie Ihre Tabletten wieder ein....

realredsam11
06
16.9.2010, 11:48
der kreis schliesst sich

zuerst möglichst viele von der bildung fernhalten und da zum strassenkehren zwingen, thats ÖVP

Tschschi Krawutzi
113
16.9.2010, 09:18
zum Nachdenken - Linke im Wandel der Zeit...

Lenin, 1914:
"Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen"
"Reichtum durch Solidarität und Zusammenarbeit"
"Die Arbeiter müssen den geschaffenen Reichtum selbst verwalten"

Poster, 2010:
"Wer nicht arbeiten will, muss von irgendwem anderen halt durchgefütter werden"
"Es ist unsolidarisch, wenn jemand was arbeiten soll"
"Reichtum wird nur durch Korruption und Freunderlwirtschaft geschaffen, weshalb es eh wurscht ist, ob wer was arbeitet"

Interessant - manchmal könnte man nachdenklich werden...

pepitant
04
18.9.2010, 20:38
Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen

2. Brief des Paulus an die Thessalonicher, leicht verfälscht durch Münte, Lenin hatte mit dem Neuen Testament wenig zu tun.
Passt zwar nicht hierher, aber Sie mussten ja unbedingt Lenin bemühen :-)
http://www.solivonunten.org/allgemein... oldman.htm

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
02
16.9.2010, 21:07
Neidreflexe sind nach

"oben" hin zu richten!

Tschschi Krawutzi
02
16.9.2010, 21:17

:-)

Herrlich

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
17.9.2010, 01:47
Trauen

sie sich trotz ihrer absurden äusserungen u. ihrer unterstützung der brutalkapitalistischen übervorteilung nicht mal mehr auf die (auch ihre) skrupellosen ausbeuter neidisch zu sein, oder gerade deswegen? Dabei bleibt ihnen(!) anscheinend nur noch ihr neid!

Schreck
06
16.9.2010, 16:08

Lenin meinte die unproduktien ELemente der Gesellschaft, mämlich jene die sich durch den geschaffenen Mehrwert bereichern und nur ihren Reichtum vermehren, aber nichts real produzieren. Er spricht also von den Reichen, die durch die Produktionsverhältnisse noch reicher werden, im Gegensatz zu den ArbeiterInnen, die durch die herrschenden Verhältnisse ausgebeutet und ärmer werden.
Reichtum heißt nicht stinkreich bei Lenin, sondern menschenwürdige Lebensumstände. Stinkreiche Menschen sind die unproduktivsten Elemente der Gesellschaft, nicht Arbeitslose.

Marxismus für AnfängerInnen Teil 1.

Mandarin-Ku
00
16.9.2010, 19:38
äh - und wer sich am von den arbeitenden geschaffenen Mehrwert bereichert, aber selbst nichtmal den Rasen mähen will,

der ist von Lenin nicht gemeint oder was?

Lenin als Ausrede zum Faulenzen - auch interssant!

eze eze
 
02
16.9.2010, 22:57

Also mir ist jede/r sympathisch, der den Rasen nicht oder wenigstens nur selten mäht, Naturwiesen sehn eh viel schöner aus, haben eine viel reichhaltigere Flora und Fauna, und lärmgeplagt bin ich schon genug. (Es gibt zwar auch lärmarme Rasenmäher, aber die kauft blöderweise kaum wer, weil die präpotenten RasenmäherInnen Laut- mit Leistungsstärke gleichsetzen, nicht anders also als oft in der Politik.)

Tschschi Krawutzi
40
16.9.2010, 16:10
Leute, die sich am von anderen geschaffenen Mehrwert bereichern, ohne selbst was zu produzieren?

Ach okay, das hat mit den nicht-arbeitswilligen-Beihilfebeziehern natürlich nix zu tun

Schreck
05
16.9.2010, 17:12

Nein. Das hat etwas mit SpekulantInnen, Adeligen und Feudalherren- und herrinnen zu tun.,

Tschschi Krawutzi
40
16.9.2010, 17:16
ich verstehe

und wie ensteht Reichtum?

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