Kinder & Gesundheit

Wirf die Windel weg!

Eva Tinsobin, 21. September 2010, 17:09
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    foto: lindmayer

    Lini Lindmayers eigene Kinder mussten nie "sauber" werden, weil sie niemals gewickelt wurden.

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    foto: lindmayer

    Windelfreiheit hat nichts mit stundenlangem Topf-Sitzen zu tun.

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    foto: reuters/cheryl ravelo

    Je öfter das Bedürfnis eines Babies beachtet wird, umso stärker und bewusster setzt es seine Signale ein.

"Jedes Baby ist von Anfang an sauber", setzt sich Lini Lindmayer nicht für das Sauberwerden, sondern für ein bewusstes, windelloses Saubersein ein

"Da wird ja alles schmutzig", hört Lini Lindmayer oft, wenn sie Eltern zum ersten Mal mit der Möglichkeit konfrontiert, ihre Babies ohne Windel aufwachsen zu lassen. "Dabei ist es doch viel schmutziger, wenn ich ein Kind in seinen eigenen Exkrementen liegen lasse", bringt es die Autorin und Tanzpädagogin auf den Punkt und ergänzt: „Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das so etwas praktiziert."

Keine Windel im Haus

Ihre eigenen Kinder - Tochter und Sohn - mussten nie "sauber" werden, weil sie niemals gewickelt wurden. Auf die Idee brachte Lindmayer das Buch einer Kanadierin über das Leben ohne Windeln bei Naturvölkern. 80 Prozent der Weltbevölkerung wachsen ohne Windel auf. - Nicht nur in Gegenden mit milden klimatischen Bedingungen, sondern auch bei den Inuit, im Norden Chinas oder in Tibet. "Das probieren wir auch", beschloss das Ehepaar Lindmayer und begann am ersten Lebenstag der eigenen Tochter. Als die Hebamme nach der Hausgeburt nach einer Windel fragte, wurde sie vor vollendete Tatsachen gestellt: "Wir haben keine im Haus." 

Die Frage, ob die Windel nicht eine wichtige Errungenschaft der menschlichen Zivilisation sei, verneint Lindmayer: "Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kann bei Kindern, die rund drei Jahre lang keinen uneingeschränkten Zugang zu ihrem eigenen Körper haben, kein gesundes Körperbewusstsein entstehen."

Neugeborene setzen Signale

Windelfreiheit hat nichts mit stundenlangem Topf-Sitzen zu tun. Es geht nicht um Zwang, Druck und Lob, sondern um die Wahrnehmung von Bedürfnissen, um Kommunikation und um Vertrauen. Konkret funktioniert ein Leben ohne Windel folgendermaßen: Vom ersten Tag an signalisieren Neugeborene ihre Bedürfnisse auf individuelle Art und Weise. "Manchmal werden sie unruhig und quengeln, manchmal bewegen sie sich besonders heftig und niemand weiß, was los ist, denn sie sind gefüttert, gewickelt und ausgeschlafen", berichtet Lindmayer. Größere Babies können sehr fordernd werden, vor allem, wenn die Eltern abgelenkt sind. Wenn diese auf die Signale ihres Babies reagieren, indem sie das Baby über das WC oder ein Töpfchen halten, funktioniert die Ausscheidung meist innerhalb einer Minute. Je öfter das Bedürfnis des Babies beachtet wird, umso stärker und bewusster setzt es seine Signale ein.

Körperliche Nähe

Es gebe zwar kein universelles, und in den ersten Lebenstagen oft noch kein eindeutig wahrnehmbares Signal, aber ein Bewusstsein der Eltern, was das Baby gerade braucht, so Lindmayer. Fünf Tage lang hat es gedauert, bis die junge Mutter die entsprechenden Signale ihrer erstgeborenen Tochter verstanden hat. Nach vier Wochen funktionierte es auch in der Nacht. Beim Sohn war das aufs Töpfchen beziehungsweise aufs WC gehen von Anfang an selbstverständlich.

"Man braucht nichts unbedingt"

Als eine Voraussetzung für die funktionierende Kommunikation zwischen Eltern und Babies sieht Lindmayer körperliche Nähe. Um jedes nonverbale Zeichen interpretieren zu können, empfiehlt sie ein Tragetuch. Bedingt ein windelloses Leben also den permanenten Körperkontakt zur Mutter und ist diese Tag und Nacht ans Baby gebunden? "Im Gegenteil", betont Lindmayer. "Am Anfang hat man ohnehin damit zu tun, sein Kind kennen zu lernen, da fällt die zusätzliche Kommunikation über die Ausscheidungsbedürfnisse kaum ins Gewicht." Sobald die Signale seitens der Eltern eindeutig erkannt werden, sei ein Leben ohne Windel unkomplizierter, günstiger und ökologisch nachhaltiger.

Die "Ausscheidungskommunikation" ist nicht an die Mutter gebunden. Auch andere Bezugspersonen bis hin zu Krippen-BetreuerInnen können angemessen auf das Kind reagieren. Darüber hinaus könne man bei windelfreien Kindern Ausschläge, Pilzerkrankungen, Koliken oder Verstopfung nahezu ausschließen. "Und das Schöne an der Windelfreiheit ist: Man braucht nichts unbedingt", weiß Lindmayer. "Eine Schüssel und Klopapier hat jeder im Haus und unterwegs kann man mit einem Kind überall aufs WC."

Außer Haus

Ob bei einem windellosen Kind viel in die Hose gehe, hänge sehr von den Eltern ab, meint Lindmayer. "Wenn sie unsicher sind und ihr Kind permanent beobachten, geht es oft schief. Wenn sie auf ihr Kind vertrauen, funktioniert es. Auch außer Haus." Wenn man trotzdem aus Sicherheitsgründen Windeln verwenden will, hindere das nicht an der Kommunikation, aber der zweifachen Mutter ist mit ihren eigenen Kindern "noch nie auswärts etwas passiert". Sie weist auf die gut trainierte Beckenbodenmuskulatur windelfreier Kinder hin: "Wenn es drauf ankommt, können sie eine Zeit lang zurückhalten, bis jemand auf ihr Bedürfnis reagiert."

Alleine aufs WC

Mit etwa einem Jahr kommen Babies in eine Phase der Selbständigkeit, in der die Kommunikation eine zeitlang nicht so gut funktioniert, erzählt die Expertin. - Mit dem Ergebnis, dass die Kinder im Alter von zwölf bis etwa 18 Monaten selbständig, beziehungsweise mit minimaler Unterstützung der Eltern, aufs WC gehen wollen und können. Aber auch größere Kinder, die nicht sauber werden wollen, bettnässen oder an Windelausschlägen leiden, können mit Lindmayers windelfreiem Konzept ein Bewusstsein für Bedürfnisse entwickeln, die sie am Tag ihrer Geburt hatten und durch das gewickelt werden verlernt haben. (derStandard.at, 21.09.2010)

Informationen:

Lini Lindmayer vermittelt ihre Erfahrung in Form von Seminaren an interessierte Eltern und betreibt einen Blog. Ihr Buch "Windelfrei? So geht's!" ist im trologo-Verlag erschienen.

Kommentar posten
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liz70
00
29.1.2012, 21:29
windelfrei

der artikel ist echt interessant, ich wusste gar nicht, dass sowas möglich sei.
ich glaube gar nicht, dass es so schwer ist die signale zu verstehen, als mutter kommuniziert man schon von anfang an mit seinem baby und weiß meistens was es gerade braucht. es ist mit sicherheit eine umstellung und vor allem gehört da viel vertrauen dazu, aber ich bin überzeugt, dass man sich dann wirklich sehr freut, wenn man das gemeinsam schafft. problematisch sehe ich das eher im kiga, ob die dann auch so einfühlsam auf das kind eingehen können ist fraglich...
ich werds bei meinem nächsten kind auf jeden fall versuchen!

Die Wildkräuterfrau
00
20.7.2011, 10:54
Windelfrei Buch

Ich lese gerade das Buch von Lini Lindmayer und bin sehr angetan von ihren Ansätzen. Es gib auch einen neuen Viedobeitrag von ihr http://bewusst.tv/2011/07/w... lfreiheit/

Wir probieren es aus. Als Wildkräuterfrau ist es für mich und Familie natürlicher ohne Windel, wir können ja schauen, wie es geht ;-)

truly
01
14.10.2010, 11:54
gedanken zur lernphase der eltern

es steht nirgends geschrieben, dass in der lernphase der eltern, bis sie die signale des kinds verstehen, keine windel verwendet werden darf. man muss das kind also nicht in die hose, ins bett oder ins wagerl machen lassen....

und was spricht dagegen, nicht auch ein "gackerlsackerl" für die babys im notfall mitzuhaben?

was macht man übrigens mit einem hund, bis er stubenrein wird? oder wenn man mit ihm in der u-bahn stecken bleibt? zieht man ihm eine windel an?

truly
01
14.10.2010, 10:43
vielen dank für den artikel

ich hatte schon mal ein buch darüber gesehen und fragte mich, wie das wohl funktioniert. jetzt kann ich es mir vorstellen!

habe zwar selbst kein kind, fand aber die vorstellung von windeln, wickeln usw. immer unpraktisch für kind und eltern. abgesehen vom umweltaspekt und den kosten. (2000 - 3500 Eur, 1 Tonne Windelmüll pro Kind)

hed
31
27.9.2010, 15:33
das verhalten von naturvölkern als referenz zu nehmen

ist wohl eher nicht der weisheit letzter schluss.

A Voice
02
28.9.2010, 12:47
Na geh

Die sind doch sooo natürlich! Und von unseren gut versorgten Wohnzimmern aus läßt sich das so schön bewundern.

Knochenmann
03
24.9.2010, 05:31

Nimm ein Sackerl für mein Gackerl!

Gummibam aus Surinam
01
24.9.2010, 09:15

Oder ein Schauferl fürs Hauferl...

the hag o'hags (aka Esme Weatherwax)
15
23.9.2010, 23:41
Auch wnen es vielelicht nicht mehr viele lesen:

Muss ich es anmerken, dass ich es eher unwitzig finde, dass Kathi1609 alle kritischen Antworten auf ihre Postinsg meldet und diese auch postwendend gelöscht werden. 4 Postings, die ich hier herein gestellt hab, sind verschwunden, alle 4 waren Antworten auf kathi1609. Zufall? Sicher nicht!

Es möge sich jeder selbst seinen Teil dazu denken, was das über ihre Person aussagt, wenn sie so kleinliche Spielchen notwendig hat. Mit ihrer lautstark in alle Welt hinausposaunten Überlegenheit und Großartigkeit kann es offenbar nicht allzu weit her sein und genauso wenig weit wird es mit dem Wahrheitsgehalt ihrer "ich bin die größtebestetollste Wundermutti aller Zeiten"-Geschichten her sein.

DagmarRehak
 
30
24.9.2010, 09:43

Verschwunden oder gar nicht erst veröffentlicht?
Vielleicht waren sie der Redaktion einfach zu tiaf. Es ist nämlich so, dass die Übersichtlichkeit und die Lesbarkeit des Forums leidet, wenn zu viel gekeppelt wird. Online-Medien mögen an sich angeregte Diskussionen, weil das die Seitanaufrufe erhöht. Aber wenn da eine nur ihre ganz persönlichen Probleme aufarbeitet, ist das einfach nur Müll.

So, und jetzt gehen wir uns alle schämen und lassen das löschen.

Linkslinke Atheistenhippiegruftiehobbitpunkemanze
31
24.9.2010, 09:01

na komm, deine Posts waren eh zu 80% persönliche, teils untergriffige Angriffe auf den Vorposter, darum wars nicht Schad.

Argumente wurden hier wenige ausgetauscht, generell.

alexanderletten
 
16
24.9.2010, 10:38

Dann kann man auch den Artikel löschen, denn wenn man schreibt, dass man Kinder in ihren Exkrementen liegen lässt, ist das einfach nur deppert.

Ich finde, wer hier nicht differenzieren kann der soll sich nicht wundern, dass gleichwertige Beiträge im Forum stehen.

Mysterios Traveller
12
24.9.2010, 12:28
Aber auch wer "deppert" verwendet ist nicht viel besser.

Solche Ausdrücke kann man vermeiden, ausser man bezweckt etwas damit.
In Foren herrscht Krieg und niemand weiß warum, wo es doch um "nichts" geht. Untergriffe und persönliche Beleidigungen sind an der Tagesordnung.
Bitte wozu und weshalb? Warum ständig diese Agressivität?

alexanderletten
 
21
24.9.2010, 13:27

Ihre Befindlichkeiten sind völlig unerheblich.

Mysterios Traveller
00
24.9.2010, 13:50
Woraus schliessen sie das? Steht doch nirgends.

alexanderletten
 
20
24.9.2010, 14:14

Kein Themenbezug zum Artikel.

Mr. Thunderstatement
00
25.9.2010, 18:32

Und jetzt haben wir uns wieder alle ganz doll lieb!

*Teletubbieschmuuuuuuusen*

alexanderletten
 
22
25.9.2010, 19:28

Sie hatten alle Zeit der Welt, einen ansprechenden Beitrag zu formulieren.
Wenn ich jetzt davon ausgehe, dass Sie wirklich versucht haben einem ordentlichen Text zu basteln, dann kann ich nur sagen:
Respekt! Sie haben sich Mühe gegeben.

phaidros
27
23.9.2010, 17:06

der mensch ist auch das einzige lebewesen, das so manch anderes praktiziert:

buecher lesen, volleyball, schulsystem, gesundheitswesen, internet, auf urlaub fahren, theater spielen, musik machen, bruecken bauen, gewand basteln und anziehen, satelliten entwickeln, kochen.

alles unnoetig, weg damit, geht doch auch ohne. zurueck in die hoehle und mammut fressen, aber bitte roh!

chupette
00
daaanke

Mysterios Traveller
00
23.9.2010, 18:38
Und was hat das jetzt mit dem Thema zu tun?

goxx
02
24.9.2010, 09:27

Siehe "Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das so etwas praktiziert."

Michl52
02
24.9.2010, 08:43

ich denke, das ist das Thema.

Mysterios Traveller
20
23.9.2010, 14:55
Warum wollen manche den Vorteil nicht sehen?

In der Krabbelstube spannt man ein nichtdurchlässiges Laken, das man leicht abwischen kann.
Vielleicht gibt es ja bereits Einweglaken.
Baby kann sich ungestört frei bewegen und liegt nicht in seinen Absonderungen. Man erspart sich teure Windeln, waschen, eincremen und pudern.
Beim Transport des Babys, od. Besuchen kann man auf die Windel zurückgreifen.
Ein richtiger Schritt um Ressourcen einzusparen.
Wo liegt jetzt das Problem der Realisierung?

the hag o'hags (aka Esme Weatherwax)
11
24.9.2010, 09:55
Weil...

... das gummierte Plastikzeug ja soooooo gsund ist. Und so richtig klass wird es dann, wenn die Kleinen mobil werden und alles was sie in die Finger kriegen kosten...

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