Der Blasen-Schreck

Andreas Schnauder , 13. September 2010, 18:45

Am Markt, also bei Investoren, Kreditgebern oder Sparern, gilt die neue Mindestvorschrift für das harte Kernkapital quasi sofort als neue Währung

Es waren schon eigentümliche Reaktionen, die am Montag nach der Einigung auf neue Bankenregeln im Baseler Ausschuss zu beobachten waren. Da werden den Geldinstituten höhere Kernkapitalquoten auferlegt, und an den Märkte schießen die Finanzwerte nach oben. Haben es die im entscheidenden Gremium sitzenden Notenbanker und Börsenaufsichten "verbaselt", wie die Globalisierungskritiker von Attac meinen? Hat sich wieder einmal die Bankenlobby gegen schärfere Regeln durchgesetzt?

Mitnichten. Richtig ist, dass den Geldinstituten mehr Zeit eingeräumt wird, um sich für die Zukunft zu wappnen. Doch selbst wenn einige Übergangsfristen, wie jene für die Degradierung stiller Einlagen, mit 2023 doch recht großzügig bemessen sein mögen: Die Bedeutung der Verzögerung ist eine untergeordnete. Denn am Markt, also bei Investoren, Kreditgebern oder Sparern, gilt die neue Mindestvorschrift für das harte Kernkapital quasi sofort als neue Währung. Jede Bank wird an den in Basel fixierten Untergrenzen gemessen werden, wer sie nicht einhält, zeitnah unter Druck geraten.

Beim Eigenkapital handelt es sich um so etwas wie die eiserne Reserve des Finanzsystems. Nur ein entsprechendes Polster kann dafür sorgen, dass Finanzkrisen oder Konjunkturabschwünge nicht gleich zum harten Aufprall für die Bank und dann den Steuerzahler führen. Dazu kommen höhere Anforderungen für das tendenziell riskantere Handelsbuch oder Verbriefungen. Ebenfalls die richtige Lehre aus den Feuerwehreinsätzen der Staaten wurde mit einem Kapitalaufschlag für systemrelevante Institute gezogen, die wegen der massiven Auswirkungen eines Kollapses de facto unter besonderem Staatsschutz stehen. Relevant sind zudem die Sanktionen bei Nichteinhaltung der Vorgaben. Wird beispielsweise der neue Kapitalpuffer verfehlt, müssen Dividenden- oder Boni-Zahlungen an Eigentümer oder Manager unterbleiben.

Auch an scheinbaren Nebenfronten gibt es entscheidende Verbesserungen: So werden nur künftig Grundkapital und einbehaltene Gewinne als echte Substanz anerkannt, alle Mischformen von Kapital degradiert. Das sollte vor allem in Österreich eine reinigende Wirkung haben, wird doch mit allerlei Hybridvarianten hantiert - von Genussscheinen bis zu Partizipationskapital -, deren Funktion und Transparenz zu hinterfragen ist.

Natürlich werden die Regeln negative Wachstumsfolgen bringen, denn die Banken müssen jetzt das Geschäftsrisiko voll abbilden. Doch genau das ist der Sinn des Regelwerks. Blasenbildung erfolgt nicht nur an den Finanzmärkten, sondern auch in der Realwirtschaft, indem Konsumenten und Unternehmen durch leichtfertig vergebene Kredite übermütig werden. Die Chancen, diesen Zyklus abzuschwächen, sind mit Basel III deutlich gestiegen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2010)

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15 Postings
Wirkt nur wenn die Amerikaner das auch umsetzen

... und die haben Basel II noch nicht umgesetzt.

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Gesucht wird das Kleinunternehmen, das irgendwann in der Vergangenheit einen leichtfertig vergebenen Bankkredit erhalten hat. Mitte melden!

(wj)

Da gibts genug

zB Kärtner Tourismusprojekte
meist von irgenwelchen BZÖ-FPÖ-ÖVP nahen Miniunternehmern der nach gescheiterem Projekt plötzlich reich sind

Subprime-Häuslbauerkredite? Die waren immerhin der Auslöser der Krise.

Ja, eh. Die eigentlichen Auslöser waren aber die Derivate-Zocker im Hintergrund.

Eine gute Bankenregelung sollte einerseits spekulative Finanzinstrumente eindämmen, andererseits die oft existenziell notwendige Versorgung insbesondere von Kleinunternehmen fördern statt hemmen. Das eine passiert zu wenig und zu spät, das andere gar nicht.

Ich kenne ziemlich viele UnternehmerInnen mit Klein- und Kleinstbetrieben: Die Daumenschrauben sind - hier und in diesem Segment - zu eng.

Finanzlobby setzt sich bei „Basel III“ durch

http://diepresse.com/home/wirt... t/index.do

"Blasenbildung erfolgt nicht nur an den Finanzmärkten, sondern auch in der Realwirtschaft"

aber sicher doch. Das wär das gleiche zu behaupten:

Der eingewachsene Zehennagel ist gefährlich, auch wenn man Krebs hat...

Die Unsicherheit um die Banken wurde beseitigt,

und weil die Zocker glauben dass die Zocker das günstig auffassen, steigt man ein und schon steigen die Kurse. Da ist es fast nebensächlich was genau in den neuen Regeln steht - vor allem dann wenn sie erst in einigen Jahren wirksam werden: das übersteigt doch jeden seriösen Zockerhorizont.

Genussscheine, Partizipationskapital, uä werden nicht schlechter gestellt, weil "deren Funktion und Transparenz zu hinterfragen ist", sondern weil es sowas bei den großen US/UK-Banken nicht gibt. Die haben also nichts zu verlieren, wir schon, die Lobbyarbeit groß gegen klein hat wieder einmal funktioniert.

ist es nicht schön, wie dem volk die unfähige EU als federführend verkauft wird? 'lol'

wo sehen sie eine zusammenhang mit der EU

was bitte hat der baselser ausschuss mit der eu zu tun?? dieser ausschuss wurde 1974 von den zentralbanken und den bankenaufsichtsbehörden der g10 staaten gegründet und hat seinen sitz in der bank für internationalten zahlungsausgleich in basel; wo sehen sie hier einen zusammenhang mit der EU

basler ...

(sorry!)

Egal. Ohne dumbes EU-Bashing gehts nicht.

Das Volk hat doch nicht mal die Möglichkeit mal "nein" zu sagen. Wird alles über unseren Köpfen gegen uns entschieden.

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