"Fairkehr" erhält Förderpreis - Verleihung am 5. Oktober in Salzburg
Salzburg - Der Bremer Sozial- und Politikwissenschafter Dieter
Senghaas erhält den ersten Leopold-Kohr-Preis. Senghaas ist ein Pionier der
Friedens-, Konflikt- und Entwicklungsforschung. Verliehen wird die
Philosophie-Auszeichnung, die vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung
gestiftet wird, am 5. Oktober 2010 in der Großen Aula der Universität Salzburg.
Preisträger des Leopold Kohr-Förderpreises ist "fairkehr" - Verein zur Förderung
verkehrspolitischer Bewusstseinsbildung.
Professuren und Forschungsaufenthalte führten Senghaas unter anderem an die
Harvard Universität sowie an die Universitäten Frankfurt und Bremen, wo er seit
1978 als Professor am Institut für interkulturelle und internationale Studien
tätig ist. In seinen Forschungen definiert Senghaas unter anderem
Rahmenbedingungen für stabile, friedliche Gesellschaften: Das Gewaltmonopol des
Staates, Rechtsstaatlichkeit, demokratische Partizipation, soziale Gerechtigkeit
sowie eine kompromissorientierte Konfliktkultur gehören ebenso dazu wie ein
Merkmal, das Senghaas "Interdependenzen und Affektkontrolle" nennt. Damit meint
er die Einbindung der Individuen in ein gesellschaftliches System und deren
Fähigkeit zur Affektkontrolle. In den letzten Jahren widmete sich Dieter
Senghaas in Büchern, Vorträgen und neuen Medien intensiv dem Zusammenhang von
Krieg, Frieden und Musik und durchbrach damit - ganz im Sinne Leopold Kohrs -
die Grenzen des traditionellen Wissenschaftskanons.
"Fairkehr"
"Fairkehr" wurde im Sommer 2007 von Erik Schnaitl gegründet. Der "Verein zur
Förderung verkehrspolitischer Bewusstseinsbildung" veranstaltet Gehzeugaktionen
und informiert mittels Workshops und Vorträgen über eine Verkehrs-Planung, die
über den Tellerrand der motorisierten Verkehrsteilnehmer schaut. Im Mai 2010
organisierten Schnaitl, Lukas Uitz und Fang Liang He das "fairkehrte Fest" in
der Stadt Salzburg. Es wurde die täglich von 24.000 Fahrzeugen frequentierte St.
Julien Straße für zwei Tage gesperrt. Wo sonst Autos fahren, boten Rollrasen,
Sträucher, Streetsoccer, Straßenmusikanten und Gastgärten Platz für menschliche
Kontakte. Die Aktion versinnbildlicht Kohrs Forderung nach menschengerechten
Städten. (APA)