Wien-Reportage

Mit Überraschungseiern gegen die Taubenplage

Nina Grünberger, 14. September 2010, 12:49
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    Weder Versuche mit Antibabypillen für Tauben noch der Einsatz von Falken konnten das Wachstum der Vögel in den Städten bisher eindämmen.

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    Der Wiener Tierschutzombudsmann Hermann Gsandtner erklärt wie das Modell des "Augsburger Taubenschlags" funktioniert: In betreuten Taubenschlägen werden die Taubeneier gegen Plastik-Attrappen ausgetauscht.

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    Home Sweet Home: 300 Tauben können in den Taubenschlag im Dachboden des Meidlinger Bezirksamts einziehen. Sie finden hier alles was sie brauchen: Nistmöglichkeiten, Futter und Wasser.

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    Über den ausreichend vorhandenen Nistmöglichkeiten befinden sich auch Sitzstangen im Taubenschlag. Die gesamte Anlage soll einmal pro Woche grob und alle sechs Wochen gründlich gereinigt werden.

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    Auch die Bezirksvorsteherin Ursula Votava freut sich über den Taubenschlag: "Hier sind einfach ideale Bedingungen".

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    Aus der Sicht einer Taube: durch diese Öffnung kommen die Tiere in Zukunft in ihr neues Zuhause. Noch hat den Eingang kein Tier entdeckt - trotz intensiver Anlockungsmaßnahmen.

Direkt unter dem First des Bezirksamts Meidling nistet ein Taubenkobelprojekt, das besser sein soll als Pille oder Falken

Es riecht schon von weitem nach frischem Holz. Licht durchflutet das Dachgeschoss, es ist hell und sonnig. Manchmal muss man den Kopf einziehen, damit man sich nicht an den alten Dachträgern stößt. „Achtzig Prozent des Tages bleiben die Tauben hier drinnen, ist das nicht toll?", fragt die Bezirksvorsteherin des 12. Wiener Gemeindebezirks, Ursula Votava, um auch gleich selbst die Antwort zu geben: „Also bei uns brauchen sie sich nicht um ein Semmerl raufen."

Dass ausgerechnet Fürsorge und Versorgung die Taubenanzahl reduzieren soll, mag auf den ersten Blick ein wenig seltsam anmuten. Aber im neuen Taubenschlag, der sich im obersten Stock des Meidlinger Bezirksamt  versteckt, finden die Vögel sowohl Nistmöglichkeiten als auch Futter und Wasser. „Tauben sind ein Großstadtproblem", gibt Hermann Gsandtner, Ombudsmann des Wiener Tierschutzes, unumwunden zu und verweist auf die 130.000 Tauben, die in Wien leben. „Mit betreuten Taubenschlägen wollen wir die Population mittelfristig um zwanzig bis dreißig Prozent reduzieren."

Augsburger Taubenmodell statt Antibabypille

Alle bisherigen Versuche, die Taubenplage in den Griff zu bekommen, waren zum Scheitern verurteilt. Weder die Antipabypille für Tauben noch die natürliche Abwehr mithilfe von Falken haben etwas geholfen. Auch das Töten von Tauben hat kaum Auswirkungen, wie Gsandtner weiß: „Man muss die Quelle finden, sonst schafft man nur Platz für Nachrücker." Daher will man es nun mit einer tierschutzfreundlichen Methode versuchen, die auch die Verhaltensweisen der Tauben berücksichtigt.

Nach dem Vorbild des „Augsburger Taubenmodells" werden die Eier der Tiere - wenn sie den Taubenschlag angenommen haben und dort zu nisten beginnen - gegen Plastik-Attrappen ausgetauscht. Diese sehen wie Überraschungseier aus und sind mit Sand gefüllt.

„Normalerweise brütet eine Taube siebzehn Tage. Mit den Plastikeiern dauert es bis zu dreißig Tage, bis sie draufkommt dass da was faul ist", erklärt der Tierschutzombudsmann. Dann verlässt die Taube das Nest und setzt sich nicht mehr auf das Ei. Sobald das Ei kalt ist, wird es von den Helfern entfernt. 

Zwölf Mal zwei Eier pro Jahr

Da eine durchschnittliche Taube pro Jahr rund zwölf Gelege mit je bis zu zwei Eiern schafft, soll die Population mithilfe der Augsburger Methode erheblich eingedämmt werden. Ob das wirklich der Fall ist, wird nun im Meidlinger Bezirksamt getestet. Der Taubenschlag ist ein Pilotprojekt der Stadt Wien und hat 22.000 Euro gekostet. Stellt sich der gewünschte Erfolg ein, sollen weitere Standorte folgen. „Die Stadt war auf der Suche nach einem Platz", berichtet Bezirksvorsteherin Ursula Votava. "Und bei uns hier herrschen einfach ideale Bedingungen."

Wobei es alles andere als leicht ist, die passenden Räumlichkeiten für einen Taubenschlag zu finden. Zum einen ist die Höhe entscheidend - am besten eignen sich Dachböden oder andere Plätze, die sich mindestens auf dem Niveau eines vierten Stockwerks befinden. Zum anderen wünschen sich die Tierchen einen großen Einflugsbereich. „Tauben sind unglaublich neugierig, alles was eine große Öffnung hat und ins Dunkle führt wird angenommen", erklärt Ombudsmann Gsandtner.

Neben diesen Voraussetzungen gibt es noch ein weiteres wichtiges Kriterium, meint Bezirksfrontfrau Votava: „Es muss ein öffentliches Gebäude sein, mit der Möglichkeit eines öffentlichen Zugangs." Das sei vor allem für die Reinigung und Fütterung der Tiere relevant - beides wird in Zukunft je einmal pro Woche stattfinden. Eine gründliche Reinigung soll alle sechs Wochen durchgeführt werden.

Kebap als angepasste Alternative

Dass die Tauben, sobald sie es sich im Taubenschlag gemütlich gemacht haben, dort auch bleiben, liegt in ihrer Natur, bestägtigt Tierschutzexperte Gsandtner: „Tauben sind besonders standorttreu und bleiben immer im selben Nest. Wurden die Tauben erst einmal angelockt, bleiben sie auch da."

Womit genau jene Eigenschaft von Tauben angesprochen ist, die für viele Stadtbewohner ein großes Problem darstellt. Das gilt vor allem für Wohngegenden, wo die Tauben ausreichend Wasser- und Futterangebot vorfinden, etwa neben Flüssen, Parks oder Märkten. Als Beispiel dafür dient der Bereich zwischen Naschmarkt und Praterstern, wo eine besonders hohe Taubendichte herrscht. Dabei würden, laut Gsandtner, diese recht guten Lebensbedingungen für die Vögel gar nicht ihrem natürlichen Lebensraum entsprechen. „Tauben finden in der Großstadt kein Futter. Wenn sie auf einem Kebab herumpicken, dann tun sie das, weil sie sehr anpassungsfähig sind."

Platz für 300 Tauben

Im Dachboden des Meidlinger Bezirksamts sollen insgesamt dreihundert Tauben ein neues Zuhause finden, allerdings sind die Tiere noch in der Eingewöhnungsphase. Obwohl sie  mit ausgestreutem Futter im Einflugsbereich bereits angelockt werden, hat sich noch keine Taube vom definitven Einzug überzeugen lassen. Hermann Gsandtner stresst das nicht: „Das kann nicht mehr lange dauern und spätestens nach sechs weiteren Monaten kommt dann die erste Brut."

Eine Tonne Mais von einer alten Dame

Vielleicht bleiben die Tauben aber auch noch aus, weil sie ihre Mahlzeiten bei einer der unzähligen aktiven TaubenfüttererInnen von Wien einnehmen. „Das sind meistens ältere alleinstehende Damen, die sich denken, ‘Das ist ein liabes Viecherl, das wartet auf mich‘ ", klagt der Tierschutzombudsmann und erzählt von einer Frau im 21. Wiener Gemeindebezirk. „Sie lässt sich jedes Monat eine Tonne Mais und dreihundert Kilogramm Speck liefern und verfüttert das in ihrem Garten an die Tauben."

Diese Leute sollen in Zukunft mittels Stadtpsychologen in die Projekte eingebunden und überzeugt werden, die Vögel besser im Taubenschlag zu füttern. „Weil die machen uns schon zu schaffen", wie Gsandtner offen zugibt. (Nina Grünberger, derStandard.at, 13.09.2010)

Kommentar posten
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marty fink
22
14.6.2011, 19:09
Dann den Kobel von aussen versperren und anzünden!

Die Flugratten braucht kein Mensch!

Spinndoktor
01
12.6.2011, 11:06
In Heiligenstadt

ist ein Plakat affichiert, in dem darauf hingewiesen wird, dass man "die Tauben" nicht füttern solle. Abgesehen davon, dass das Füttern von Lahmen und Blinden damit weiterhin erlaubt bleibt, was gegen jenen Gleichheitsgedanken verstößt, sind ja vielleicht doch Tauben gemeint aber vielleicht irre ich darin.

Lev Davidovich
00
12.6.2011, 00:04

Wien hat ja keine Strassenkatzen, die Istanbuler Felines dämmen die Tauben gut ein, sie leben dafür aber nur .ca 3 Jahre.

universelles recht auf atomwaffen
00
11.6.2011, 20:47
exportieren: taubenfleisch ist so wie huhn - hab in egypten gegessen schmeckt gut

ich habs auch dumm gefunden dass die australier damals die kamele einfach abschießen und verwesen lassen haben. im arabische raum hätte es sicher interessenten gegeben!

Mrs Sid
00
17.6.2011, 13:23
land- vs stadttauben

uäh also die stadttauben sind sicher nicht besonders gesund. am land wär das wohl was anderes

(°)(°)
20
11.6.2011, 17:25
Hm,

zumindest ragen keine Brausbad Duschköpfe aus der Decke...

immer schön freundlich
02
11.6.2011, 10:47

zu der dame in floridsdorf:ist taubenfüttern nicht verboten? wenn man das weiß, dass die dame tauben füttert, warum bekommt sie keine verwaltungsstrafen?

qwertzman
00
15.6.2011, 12:20

http://derstandard.at/129669660... ll-erlaubt

Aber im eigenen Garten wird so wohl tun können was sie möchte.

ARO5
00

Na und, wenn die Viecherln alle Happy Hippos haben, kommen sie einfachbnicht mehr.

BobaFett
00

…und die frau Votava hat taeglich ein feines eierspeiserl, moizait!!!

Pyotr Alexeyevich
00
Futter

Die Idee ist brillant, aber warum füttert man die Vögel in dem Kobel? Die verschwinden dann doch als Abnehmer vom regulären Futtermarkt, und andere rücken nach! Bleibt damit die Population nicht gleich? Überseh ich da was?

Nachtsonne
02
Auch Delogierung stoppt Taubenfütterer nicht

Über Jahre hinweg hat ein Mieter Tauben in einem Gemeindebau in Wien-Meidling gefüttert.

Für den 18. Jänner war die Delogierung angesetzt. Doch schon einige Wochen davor hatte der Mann offenbar seine Wohnung verlassen. Dabei soll er die Fenster offen gelassen haben. Die Vögel verwandelten die leer stehende Wohnung in einen Taubenschlag.
http://wien.orf.at/stories/496862/

Mazzesinsulaner
 
01
13.6.2011, 08:45

wieder die Oswaldgasse. :-)

vielleicht ist er nach dem Taubenfutterstreuen auf ein Eis gegangen.

Ihr Franz-Josef Hartlauer
13
17.9.2010, 18:23
Tauben gurren bei der Balz laut und gerne!

Ich wohn im 2. bezirk und meine wohnhausanlage ist zugekackt von den Viechern. Aber das wär mir ja noch wurscht: Das Kranke ist einfach das Gurren! Ich hab ein sehr empfindliches Gehör und einen sehr leichten Schlaf in der Früh. Meinen Wecker brauch ich mir gar nicht mehr stellen, weil im Morgengrauen die Tauben los gurren. MEIN LÖSUNGSVORSCHLAG: Ich wart sicher nicht auf irgendwelche Umwelt-Heinis, sondern ich kauf mir eine Softgun beim SCHUNKO bei der Aspernbrücke und dann knall ich die Viecher vom Dach runter! Peng! Peng! Es reicht!

Laugenbrezel
11
JAAAAA! Ich mache mit!

Ich kann das sooo gut verstehen! Wie oft hab ich mir gewünscht ich könnte diese Viehcher vom Balkon meiner Nachbarin runterschießen! Gott sei Dank, sie musste ausziehen, und die Tauben sind sofort mit ausgezogen! Es liegt am fehlenden Futter zum Einen und den jetzt ungemütlich gewordenen Balkonen zum anderen. Eine Zeitlang musste ich sogar Netze vor meine Fenster spannen, damit die meine Wohnung nicht zuscheißen, jetzt mit den neuen Kippfenstern erübrigt sich das. :) Mein Mini-Hund verjagt auch die hartnäckigsten. ;)

Irgendein Jürgen
03
15.9.2010, 18:03

Ich habe den Artikel jetzt nochmal genauer durchgelesen, und ich kann beim besten Willen nicht erkennen wie das funktionieren soll.

Für mich ist die Anzahl der Tauben primär von 2 Faktoren abhängig: Futterangebot und Nistplätze. So lange beides ausreichend gegeben ist, werden sie sich auch vermehren. Wenn's eng wird, dann reguliert sich der Bestand von selbst. Eine etwas harmlose Formulierung für Verhungern, aber so ist die Natur nunmal.

Futtermenge und Nistplätze lassen sich nicht reduzieren, also müsste man (wie beabsichtigt) an die Eier der Tauben kommen. Dafür gibts die Augsburger Methode. Nur werden im konkreten Fall nicht nur die Nistplätze, sondern auch das Futter zu Verfügung gestellt. Das müsste eigentlich mehr Tauben geben...

Mynnia
00

Die jetzt lebenden haben Kost und Logis, aber keinen Nachwuchs, da der weggenommen wird. Das ist halt längerfristig gedacht. Die Tauben kommen hin, weils ihnen da am besten geht und ob sie Nachwuchs haben oder nicht, ist ihnen wurscht. Irgendwann sterben sie kinderlos oder mit wenigstens geringerem Bruterfolg als sonst.

Wenn das Projekt funktioniert, werden halt mehr solcher Orte aufgestellt und die Tauben darin pflanzen sich alle nicht gut fort, dadurch gibts insgesamt weniger Tauben.

Spinndoktor
00
12.6.2011, 10:54
F A L S C H!!!

Es heißt "Kot und Logis"!

DerRoland
00
1.11.2010, 10:34
Es gibt halt um genau den Taubenschlag voll mehr Tauben.

die anderen Nistplätze werden ja nicht aufgegeben, nur weil sich irgendein Öko das wünscht.

Der Seppl
 
00
15.9.2010, 16:39

Ob das Augsburger Taubenmodell auch bei blau wählenden Familien bei denen sich Nachwuchs ankündigt funktioniert?

Elisabeth1201
11
15.9.2010, 12:05
Taubenkkogel und Gipseier

Beides funktioniert ausgezeichnet, ist ja längst in anderen Städten erprobt. Die Gipseier befriedigen den Brüt-Drang, den alle Vögel haben - auch Hühner, die z.B. nur deshalb täglich ein Ei legen, weil sie ein Gelege von mindestens 5, 6 Eiern brauchen, um zu brüten zu beginnen.
Taubenkogel wären auch für Parks (und fütternde Omas etc.) sicher eine gute Lösung, früher hatte jeder Garten, Bauer einen Taubenschlag - heute nur noch die Taubenquäler, sprich "Sporttaubenzüchter/halter".
Im übrigen, wann brach zuletzt die letzte Seuche aus, die durch Tauben verursacht wurde? Oder auch durch Ratten? Alles Schmähpropaganda der Chemieindustrie - nicht alles glauben, wo Geldgier dahinter steckt. Bei Gipseiern sicher nicht!

Spinndoktor
00
12.6.2011, 10:56
Ach ja, die Eselböcks vom Taubenkogel.

Ist das ein Berg in den Voralpen?

Brennessel und Rasierklinge
00
15.9.2010, 13:27
Taubenkobel

wäre das richtige Wort.

charles darwin
10
15.9.2010, 11:11
also ich find des supa

endlich wieder mal genug futter für die armen tauben und im winter frierens auch nicht so. zum eierlegen fliegens dann halt wieder wo anders hin. und die anrainer rund ums Bezirkamt freuts, endlich haben sie nicht nur hundescheisse auf der strasse.

raff1
22
15.9.2010, 10:54
Sarrazin sagt dazu:

die Tauben brauchen Hörgeräte und nicht Eier.

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