Befürchtet, dass kommender Facebook-Film ihn in schlechtem Licht erscheinen lassen wird - "Bin nicht mehr so wie mit 19"
Sollte das soziale Netzwerk Facebook einmal an die Börse gehen, würde dessen Gründer und CEO Mark Zuckerberg umgehend zu einem der reichsten Männer der Welt, eine Macht, die sich auch an einer anderen beeindruckenden Zahl ablesen lässt: Mehr als 500 Millionen NutzerInnen hat das Service mittlerweile, eine Zahl von der wohl auch Zuckerberg selbst kaum zu träumen gewagt hätte, als er Facebook auf seinem Uni-Zimmer in Harvard ins Leben rief.
Informationen
Ein Online-Service, der vor allem davon lebt, dass die UserInnen bereitwillig private Informationen über sich preisgeben, und so mit anderen zu teilen - eine intensivere Nutzung resultiert denn auch direkt in höhere Werbeeinnahmen, wie sich das kommerzielle Spannungsfeld durchaus kritisch fassen lässt. Zuckerberg drückt sich auf dem eigenen Facebook-Profil natürlich etwa anders aus: "Ich versuche die Welt zu einem offeneren Ort zu machen", beschreibt er seine Mission.
Diese auf die Fahnen geheftete Offenheit bedeutet allerdings nicht, dass er selbst immer von all dem begeistert sein muss, was so über ihn publiziert wird. So zeigt er sich in einem ausführlichen Porträt des "New Yorker" wenig begeistert über den in wenigen Wochen in den USA startenden Facebook-Film - David Finchers "The Social Network". Er werde sich den Film schlicht nicht ansehen, so Zuckerberg, dem wohl klar ist, dass er in dem Streifen, dessen zentrale Figur nach ihm modelliert ist, nicht immer sonderlich positiv wegkommt.
Vorgeschichte
Ein Umstand, der vor allem mit der Entstehungsgeschichte von Facebook zu tun hat, immerhin ist diese alles andere als unumstritten, ganz anders als sein Talent im Umgang mit Computern: Früh von seinem Vater gefördert - der ihm unter anderem die Basic-Programmierung auf einem Atari-Computer beibrachte - schrieb der 1984 geborene Zuckerberg bereits Mitte der Neunziger mit "Zucknet" eine Art eigenen Instant-Messaging Client. In Folge machte er sich einen Spass daraus rund um die Entwürfe von FreundInnen aus der Kunstszene Spiele zu entwickeln.
Seinen ersten Kontakt mit den Größen der Branche hatte der Entwickler als er mit "Synapse" ein Programm zur Analyse der Hörgewohnheiten seiner NutzerInnen schrieb - ähnlich den Lösungen von Pandora oder Last.FM. Sowohl AOL als auch Microsoft wollten das Programm kaufen - und Zuckerberg gleich anstellen - dieser lehnte aber ab und zog es vor im Jahr 2002 nach Harvard studieren zu gehen.
Harvard
Dort widmete er sich zuerst einem Programm namens "Facemash", das es den NutzerInnen erlaubte einzelne StudentInnen anhand von Fotos nach ihrem Aussehen zu bewerten - und das schnell von der Administration abgedreht wurde. Die Episode reichte aber, damit drei Mitstudenten auf ihn aufmerksam wurden und ihn in Folge zur Mitarbeit an ihrem eigenen Projekt überredeten - einem sozialen Netzwerk namens "Harvard Connect".
Doch Zuckerberg verabschiedete sich schnell aus diesem Unterfangen und begann lieber seine eigenes - auffällig ähnliches - Projekt namens "Facebook". Der Rest ist eine rasante Erfolgsgeschichte, schon Ende des gleichen Jahres verließ Zuckerberg Harvard um sich ganz auf seine Entwicklung konzentrieren zu können.
Unterschiede
Er selbst sieht in Facebook keine Kopie von "Harvard Connect", die zwei Seiten hätten einen vollständig unterschiedlichen Fokus, so sei "Connect" vor allem zum Verabreden von "Dates" gedacht gewesen. Seine ehemaligen Mitstreiter haben zu dieser Frage freilich einen etwas anderen Blickpunkt - der Streit wird praktisch ununterbrochen seit der Gründung von Facebook vor Gericht ausgetragen.
Wenig zupass kommt Zuckerberg dabei, dass zwischenzeitlich einige Instant-Messaging-Konversationen aus dieser Zeit aufgetaucht sind, die ihn zumindest in einem wenig sympathischen Licht erscheinen lassen. So sagt er etwa auf die Frage, was er jetzt wegen "Harvard Connect" mache wörtlich "yea i'm going to fuck them". Auch einen sensiblen Umgang mit Daten kann man daraus nicht unbedingt ablesen, so fragt er einen Freund, ob er irgendetwas über jemanden anderen in Harvard wissen will, er habe so viele Mails, Bilder und Adressen bekommen. Die Leute, die ihm diese Daten anvertraut haben, bezeichnet er darin wenig schmeichelhaft als "dumb fucks".
Bedauern
Auf dieses Aussagen angesprochen, bedauert Zuckerberg sie mittlerweile zutiefst, er habe seitdem auch persönlich eine erhebliche Entwicklung durchgemacht. Das fasst dann auch wieder seine Befürchtungen in Hinblick auf den Facebook-Film gut zusammen: "Ich denke viele Leute werden sich anschauen und sehen wie ich mit 19 war und sich denken 'Er war damals so, also muss er immer noch so sein." (red, derStandard.at, 13.09.10)
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