Die traditionell stattfindenden Volksfeste wurden kurzerhand zum Wahlkampfauftakt und Wahlabschluss erklärt
Graz - Die steirische KPÖ führte am Samstag vor, wie ein effizienter und sparsamer Wahlkampfaussehen kann: Das ohnehin jedes Jahr eine Woche nach dem Wiener Volksstimme-Fest stattfindende Volkshausfest in Graz wurde heuer kurzerhand zum Wahlkampfauftakt und Wahlkampfabschluss gemacht. Die Zusammenlegung des Festes, wo Parteifunktionäre eher das persönliche Gespräch mit Gästen suchten, war als "Absage gegen die Materialschlacht anderer Parteien" gedacht.
Neben einer Vielzahl multikultureller Bands und dem abendlichen Konzert von Binder & Krieglstein blieben politische Inhalte Nebensache. Die Rede der Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Claudia Klimt-Weithaler, blieb wenige Minuten kurz, aber kämpferisch. Sie positionierte ihre Partei, die derzeit als drittstärkste Fraktion im Landtag vor den Grünen liegt, als einzige, "die den Großparteien noch auf die Finger schaut" und als einzige linke Partei. Ihr Ziel sei das Halten der vier Mandate.
Die traditionelle Tombola, die seit Jahren von Ernest Kaltenegger, dem nunmehrigen Parteichef in Ruhe, geleitet wird, war der Höhepunkt des Festes. Bei dem Gewinnspiel soll man in den 1950er- Jahren noch Autos verlost haben. Heuer wechselten unter anderem ein Dörrpflaumenautomat, "Untersetzer für Zeiten, wenn es in der Küche heiß hergeht" oder Spardosen - "Ihr werdet's Euer Geld doch net auf die Banken bringen!", wie Kaltenegger ausgelassen kommentierte, ihre Besitzer. Mit Lammkoteletts und Bier feierten mehr als 2000 Menschen, die letzten bis vier Uhr morgens. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.9.2010)