Interview: "Der Öko-Mief muss weg"

Guido Gluschitsch, 12. September 2010, 16:39
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    foto: glu

    Zur Person:
    Michael Bernleitner, 52, ist Verleger der Zeitschrift "motomobil", war zuvor Chefredakteur des Motorrad-Magazin und Gründungsherausgeber des Reitwagen.

Er kommt von den Motorrädern und hat die Maschinen gegen E-Fahrräder getauscht: Michael Bernleitner über die Zukunft der zweirädrigen Mobilität

Michael Bernleitner hat als Reitwagen-Gründer und später als Motorrad-Magazin Chefredakteur, bis vor kurzem, sein Leben vorwiegend den Motorrädern gewidmet. In seinem neuen Projekt "motomobil" nimmt er sich der großen Maschinen nicht mehr an, dafür hat er Elektrofahrräder mit ins Programm genommen.

derStandard: Wie bist du auf die Idee gekommen, in deinem neuen Produkt "motomobil", neben den Rollern, auch über E-Bikes zu berichten?
Bernleitner: Auf den ersten Blick scheinen Roller, 125-Kubik-Motorräder und E-Bikes, darunter auch Elektrofahrräder, eine schräge Mischung zu sein. Sie alle fallen aber für mich in den Bereich "unkomplizierte, intelligente Mobilität im Individualbereich", wo auch der Spaß nicht zu kurz kommt. Bei genauer Betrachtung sind die Kaufentscheidungen hier sehr verwoben und verzahnt: Klassische Motorrad-125er oder Achtelliter-Roller für den B-111-Fahrer? In den Rollermarkt drängen die E-Scooter. Und sollte man sich für einen Elektroroller entscheiden, dann ist man in manchen Situationen mit einem Pedelec möglicherweise besser beraten. So schließt sich dann dieser Kreis. Für klassische, traditionelle Motorradfachzeitschriften sind das aber alles Themen, mit denen man den Hardcore-Biker vom Kauf des Heftes eher abschreckt. So habe ich eine Nische für ein kleines, feines Publikumsmagazin sowohl im Print- als auch im Online-Bereich gesehen, und die bisherigen Reaktionen sind höchst ermutigend, bis fast sogar euphorisch. Wichtig ist für mich, dass die Elektrizität nicht in der farblosen Vernunftsecke steckenbleibt, oder ein ideologisches Vehikel ist, sondern dass sich da schon eine lebendige und lustige Szene entwickelt hat. Und von den "Light Electric Vehicles" muss endlich der Öko-Mief weg; man kann auch Freude damit haben.

Die unkommentierte CO2-Lüge

derStandard: Wie siehst du die Zukunft der E-Bikes? Ist das ein Hype, oder bleibt uns das?
Bernleitner: Sowohl als auch. Hinter den Öko-Kulissen geht's schlicht um den beinharten Machtkampf weltweiter Interessen - wer nämlich der Energieversorger der Zukunft sein wird. Die Öl-Lobby hat mit Millionen-PR-Aufwand den ach-so-bösen Biosprit verächtlich und unakzeptabel gemacht. Jetzt machen sich die Elektriker über die Ölmenschen her, die ja momentan alles andere als Sympathieträger sind. Die technikfernen Politiker dieser Welt spannen sich vor den Elektrokarren - dabei bleibt die große CO2-Lüge unkommentiert; die gar nicht glorreiche Gesamtenergiebilanz von Elektrofahrzeugen wird negiert oder geflissentlich unter den Teppich gekehrt; die Photovoltaik-Lüge wird weiter verbreitet.

derStandard: Und wie sieht das mit "nachhaltigem" Ökostrom aus?
Bernleitner: Der leider zu früh von uns gegangene E-Guru DI Martin Loicht hat mir genau vorgerechnet, dass überall dort, wo bereits eine Steckdose existiert - sogar wenn die mit Braunkohlestrom gespeist wird - Aufbau, Installation, kurze Lebensdauer und Entsorgung einer Photovoltaik-Anlage eine hochgiftige Sünde ist. Oder die Wasserkraft: Vor über 50 Jahren sind in Südtirol oder in Amerika Dörfer und halbe Staaten deswegen untergegangen, wobei der Lake Mead und der Lake Powell jetzt schon wieder halb ausgetrocknet sind, und in China sehen nun ganze Regionen "Land unter" und verursachen unbeeinflussbare Klimaänderungen. Das alles spricht eher für die extrem hohe Energiedichte von einem Achterl Petroleum oder 100-Oktanigem. Auch wenn der Wirkungsgrad von Verbrennern noch so schlecht ist. Der neue PCX-Roller von Honda, der 2300 Euro Straßenpreis hat, der wahrscheinlich ewig hält, zwei Liter auf 100 Kilometer braucht und winterfest ist: So etwas wird noch lange eine uneinnehmbare Festung des Ottomotors sein. Elektro-Zweiräder haben jedoch durchaus charmante Eigenschaften, wie du ja selber schon bemerkt hast. Die Entwicklung von neuen Konzepten steht aber noch ganz am Anfang, vielleicht lauern da sogar noch richtige Geniestreiche ...

Pedelecs und breites Grinsen

derStandard: In welche Richtung geht deiner Meinung nach die Entwicklung? Citybike mit Tretunterstützung für jeden, oder werden die Räder eher was für Sportler und Menschen sein, die auf umweltfreundliche Fortbewegung setzen?
Bernleitner: Neun von zehn Personen, die zum ersten Mal auf einem Pedelec sitzen, steigen mit einem breiten Grinsen im Gesicht wieder ab! Die Dinger haben schon etwas Reizvolles, sowohl für Geschäftstermine als auch in der Natur. Mit "umweltfreundlich" wäre ich wiederum vorsichtig, weil ja nicht nur Leute vom Auto weg gelockt werden, sondern auch zusätzlicher Verkehr generiert wird. Verkehr, den jene Menschen verursachen, die sonst zu Fuß gegangen oder zu Hause geblieben wäre. Dass mittlerweile unzählige Tourismusregionen auf die Elektromobilität setzen, ist für mich eine normale wirtschaftliche Entwicklung, die von insgesamt drei, vier cleveren Vermarktern getragen wird - ich sehe es als sympathische Bereicherung im Freizeitangebot, und hoffentlich haben etliche der Regionen Erfolg damit.

derStandard: Hast du selbst ein E-Bike?
Bernleitner: Ich habe für motomobil das Interspar Alu-Rex getestet und vor dem Test anonym gekauft. Weil die Regelelektronik aber an den Wienerwaldsteigungen absalutiert und ich den Wohnort nicht wechseln will, habe ich vom Internetkauf-Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht und das Rad sorgfältig verpackt zurückgeschickt. Die Rücküberweisung vom Kaufpreis hat anstandslos geklappt, war eine ordentliche Abwicklung. Möchte mir gern in nächster Zeit die 2011er-Version des KTM eRace kaufen, das klettert besser.

derStandard: Wem rätst du nach deinem Test zu Diskonter-Rädern, für wen wäre das Sparen am falschen Ende?
Bernleitner: Wenn jemand zum Beispiel ein paar Mal im Monat bei Schönwetter die Donau entlang radeln will, möchte ich von einem Supermarkt-Pedelec keinesfalls abraten, ganz im Gegenteil. Die Funktionalität passt. Stellt man höhere Ansprüche an technische Kompetenz und Schönheit oder sind die Kriterien härter, muss man tiefer in den Sack fahren, auch das ist ganz klar.

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16 Postings
Wix Wanker
00
23.9.2010, 21:26
Guter Mann, der Bernleitner ...

... wenns wer schafft, das Thema Roller sympathisch zu machen dann er ... feine Sache, das Heftl! Gratulation ...

quantity quality
 
00
21.9.2010, 00:47
steinalt

verbrennungsmotoren sind old technology.
elektro ist zukunft.
der fortschritt läßt sich durch das verständliche mauern derjenigen, die ihre pfründe sichern wollen, nur verzögern, aber nie aufhalten.

chilli p.
02
14.9.2010, 13:03

und was soll dieses interview in der radrubrik?

(stichwort: alles, was mich nie an motorisiertem zweiradverkehr intressiert hat.)

wrnr .
00
13.9.2010, 14:31
weiterer Test

hier noch ein kleiner Test:
http://www.utopia.de/galerie/u... st-e-bikes

Jo eh...
00
13.9.2010, 12:39

Ob das PCX-Beispiel wirklich stimmt, bzw. stimmen muss? In Asien z.B. sind unzählige E-Roller unterwegs, und das obwohl es dort auch äußerst billige Verbrennerroller gibt...

Sepp Mösenlechner
00
13.9.2010, 08:49
???

(...)Weil die Regelelektronik aber an den Wienerwaldsteigungen absalutiert und ich den Wohnort nicht wechseln will, habe ich vom Internetkauf-Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht und das Rad sorgfältig verpackt zurückgeschickt. Die Rücküberweisung vom Kaufpreis hat anstandslos geklappt, war eine ordentliche Abwicklung. Möchte mir gern in nächster Zeit die 2011er-Version des KTM eRace kaufen, das klettert besser.(...)

liebenfels
00
13.9.2010, 11:04

Wo ist das Problem?

maxbz
012
12.9.2010, 22:22
Der Artikel ist in der falschen Rubrik,

es geht eindeutig um motorisierte Fortbewegung, also Motorrad und nicht Rad! Grausam, wie hier immer wieder das Thema vergewaltigt wird. Da hat der Glu wohl Angst vor den "echten Motorradfahrern" bekommen und den Artikel hier reingestopft.

Wann gibt es eigentlich mal wirkliche Radthemen? Gerade ist die weltbekannte Messe Eurobike zu Ende gegangen mit zahlreichen interessanten Ideen rund ums Rad und man liest hier wieder mal nichts dazu.

:
00
1.11.2010, 00:48

man nennt das "uber den tellerrand schauen".

Detlef di Sauce
01
12.9.2010, 20:29

sieht ganz nett aus die Seite, bietet aber relativ wenig Inhalt und kaum Neuigkeiten, die nicht sonst in jedem anderen Medium (auch auf derStandard.at) zu finden wären.

liebenfels
00
13.9.2010, 11:05

Die gedruckte Ausgabe gefällt mir auch besser, kommt aber erst wieder im Oktober

maxbz
01
12.9.2010, 18:26
Eins ist aber klar:

für die Stadtbewohner ist es wesentlich angenehmer, wenn jemand auf einem leisen und nicht stinkenden E-Roller daherkommt.

Jo eh...
00
13.9.2010, 12:41

Volle Zustimmung. Einfach mal ein paar Stunden in einer italienischen Innenstadt verbringen, ist eine sichere Asthma-Garantie. Eine große Zahl an Rollern, auch wenn es moderne sind, ist für die Luft und für die Menschen die Hölle.

El Scooter
15
12.9.2010, 23:24

Ein moderner Viertaktroller stinkt nicht, ist katalysatorgereinigt und ist im Verkehrsumfeld nicht hörbar. Außerdem sehe ich eine gewisse Schizophrenie zwischen Leben in der Stadt und dem Einfordern von Geräuschlosigkeit, wenn ich auch den Wunsch nachempfinden kann ... Haben Sie schon einmal eine Wiener Straßenbahn aus den 1980er-, 1990er-Jahren vorbeifahren gehört? Da spielen sich die Dezibel ab!

Mariothereal
01
13.9.2010, 11:34
"ist im verkehrsumfeld nicht hörbar"

lol

Jene Grüne Straßenkatze
02
13.9.2010, 10:29
...

Nichts für ungut, aber das ist eine ziemlich bizarre Argumentation.
Man argumentiert ja auch nicht gegen Abfallbeseitigung damit, dass Müll eben zur Stadt gehört und es früher noch viel dreckiger war. Auch wenn beides stimmt, ist es vollkommen klar, dass man so wenig Müll wie möglich auf den Straßen haben will.

Und dass auch der modernste Viertaktroller lauter ist und mehr stinkt als ein E-Roller, ist offensichtlich.

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