Goldener Löwe für Sofia Coppolas "Somewhere"

12. September 2010, 13:53

Jury entschied einstimmig - Silberner Löwe für beste Regie an Spanier Alex de la Iglesia

Venedig - Der Goldene Löwe des 67. Filmfestivals Venedig geht an die amerikanische Regisseurin Sofia Coppola. Die 39-Jährige erhielt am Samstag den Hauptpreis des ältesten Filmfestivals der Welt. In ihrem Film "Somewhere" beschreibt Coppola die innere Leere eines Hollywoodstars, herausragend gespielt von Stephen Dorff. Dabei fängt die Tochter von Regielegende Francis Ford Coppola ("Der Pate") wie schon in ihrem gefeierten Werk "Lost in Translation" auf ganz eigenwillige Weise eine einzigartige Stimmung ein, so dass die Leere und Hoffnungslosigkeit der Hauptfigur für die Zuschauer deutlich zu spüren sind. Zuletzt hatte 2001 eine Frau den Hauptpreis gewonnen: Mira Nair für "Monsoon Wedding".

Coppola, die sich auch bereits mit Werken wie "Marie Antoinette" und "The Virgin Suicides" einen Namen gemacht hat, setzte sich damit gegen 23 Konkurrenten durch. Auch gegen den deutschen Regisseur Tom Tykwer, der mit seinem neuen Werk "Drei" mit der österreichischen Schauspielerin Sophie Rois in der Hauptrolle ins Rennen um die Preise gegangen war. Doch nicht nur Tykwer ging leer aus. Enttäuschend war ebenfalls das Abschneiden der immerhin vier italienischen Filme im Wettbewerb, die die siebenköpfige Jury unter US-Regisseur Quentin Tarantino alle nicht überzeugen konnten.

Besonderer Dank an den Vater

"Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben, es ist eine große Ehre", freute sich Sofia Coppola, hübsch und elegant gekleidet, über den Goldenen Löwen. Sie umarmte den Jury-Präsidenten Tarantino, dankte allen überschwänglich und sagte, der Preis sei sehr wichtig für den Film. Ein besonderer Dank gehe an die Eltern, vor allem an den Vater und übermächtigen Filmregisseur, "der mich unterrichtet hat". Francis Ford Coppola hatte bereits 1992 einen Goldenen Löwen in Venedig erhalten, allerdings für sein Lebenswerk.

Die Jury habe sich einhellig für "Somewhere" entschieden, erklärte ein sichtlich bewegter Tarantino: "Dieser Film hat uns von der ersten Szene an verzaubert, ist zu einer Passion geworden. Und auch wenn wir dann vielleicht über einen anderen Film gesprochen haben, sind wir auf diesen Film zurückgekommen." Für Beobachter war dabei spannend: Der 47-jährige Regisseur ("Inglourious Basterds") und Sofia Coppola sollen vor einigen Jahren ein Paar gewesen sein.

Silberner Löwe für Álex de la Iglesia

Der Silberne Löwe für die beste Regie ging an den Spanier Álex de la Iglesia für seine grotesk-überdrehte "Balada triste de trompeta". Der Regisseur erzählt darin auf äußerst ungewöhnliche Weise von Javier, einem traurigen Clown, während der Franco-Zeit. Jahrelang erduldet er zahlreiche Rückschläge und Erniedrigungen, bis er als eine Art Freiheitskämpfer Amok läuft, unter anderem gegen Führer der Franco-Diktatur.

Zwei weitere Preise vergab die Jury an einen ebenfalls politischen Film: "Essential Killing" des Polen Jerzy Skolimowski erhielt nicht nur den Spezialpreis der Jury. Der US-Amerikaner Vincent Gallo gewann auch für seine überzeugende Leistung wie von vielen erwartet die begehrte Trophäe als bester Darsteller. In "Essential Killing" spielt Gallo eindringlich einen Mann aus Afghanistan, der vom US-Militär gefangen genommen und nach Europa transportiert werden soll. Auf dem Weg dahin entkommt er aber und flieht durch verschneite Wälder vor seinen Verfolgern. Um zu überleben, muss er immer wieder töten.

Ariane Labed beste Darstellerin

Der Preis für die beste Darstellerin ging an die Griechin Ariane Labed aus "Attenberg". Die Filmfigur Marina ist 23 Jahre alt und lebt alleine mit ihrem kranken Vater. Das Werk der Regisseurin Athina Rachel Tsangari zeigt Marinas Weg zum Erwachsenwerden und die Entdeckung der eigenen Sexualität.    Die Jury vergab außerdem einen Spezial-Löwen an Monte Hellman für sein Gesamtwerk. Der Amerikaner war mit dem Film "Road to Nowhere" im diesjährigen Wettbewerb von Venedig zu sehen.

Der Wiener Avantgarde-Filmemacher Peter Tscherkassky erhielt den Kurzfilmpreis für sein neues Werk "Coming Attractions". Der 25-minütige Film war in der "Orizzonti"-Nebenschiene zu sehen. In ebendieser Reihe wurde auch die österreichisch-niederländische Koproduktion "The Forgotten Space" der Regisseure Noel Burch und Allan Sekula ausgezeichnet. Der vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens koproduzierte Streifen erhielt den Spezial-Jurypreis für Dokumentarfilme in der "Orizzonti"-Kategorie. (APA)

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12 Postings
Gemueseknolle
00
12.9.2010, 17:48

wie immer hat der stefan grissemann bewiesen, dass er völlig daneben liegt mit seinen einschätzungen:
http://www.profil.at/articles/... egativland
(somewhere kommentar leider nur in der print-ausgabe zu lesen)

Sergio Martino
520
11.9.2010, 23:53
Eine sehr üble, sehr ärgerliche Entscheidung für eine eitle, abgehobene Antonioni-Imitation

Nicht, dass "Somewhere" ein schlechter Film wäre - er ist nur komplett überflüssig und zynisch. Coppola findet offenbar kein anderes Thema als vor lauter Luxus ach so unglückliche Prinzessinnen. In einer Situation, wo in den USA die seit 2008 dauernde Krise kein Ende nimmt, der amerikanische Traum - u. a. von endlosen Krediten und dem Eigenheim - abgestürzt ist und die Arbeitslosenzahl den Polit-Rambos Zulauf verschafft, einen Film zu präsentieren, wo reiche Hollywood-Stars ihre Oberflächlichkeit und Langeweile zur Tragödie stilisieren, ist peinlich und verächtlich. Mich erinnert das an die Ennui-Filme der 1960er mit ihren gelangweilten Wohlstandsbürgern. Sie wurden von wilden, rebellischen Filmen abgelöst. So möge es wieder geschehen.

Uncle Ethan
11
12.9.2010, 13:48

Achtung, die Moral- und Themenpolizei ist wieder unterwegs!
Haben sie irgendwo eine Liste, welcher Themen man sich als Filmemacher gefälligst anzunehmen hat?

Brot Pitt
 
21
12.9.2010, 14:03

Das erschreckende ist das er dafür auch noch so viele grüne Punkte bekommt....

divis
 
00
12.9.2010, 19:38
Wer sudert,...

...gewinnt.

Uncle Ethan
12
12.9.2010, 14:14

das nächste mal muss er noch "bobomist" einflechten, dann kriegt er noch mehr grün ;-)

Brot Pitt
 
01
12.9.2010, 13:36

Und dürfen amerikanische Filmemacher ab jetzt nur noch Filme über Arbeitslosigkeit, Armut, soziale Ungerechtigkeit und eventuell noch über traumatisierte Kriegsveteranen machen?!

Longyearbyen
 
01
12.9.2010, 11:59
"überflüssig und zynisch"

In Afrika verhungern Kinder und du hast nichts anderes im Kopf als dich im Standard überflüssig und zynisch über "überflüssige und zynische" Filme zu echauffieren. Also was machst du denn für die Welt außer den moralischen Entrüstungsfinger zu schwenken?

martial
11
12.9.2010, 10:24

Wo haben sie den Film denn schon gesehen? Mag schon sein dass sie Recht haben, aber das lässt sich schlecht beurteilen wenn man nur die Inhaltsbeschreibung zur Verfügung hat.

bernhard wolff
00
11.9.2010, 23:59

right on!

o_lok
00
11.9.2010, 23:33

bin gestern erst über den Trailer gestolpert, freu mich sehr auf den Film

tarte tatin
12
11.9.2010, 20:46
freu mich schon sehr

...wenn die filme bei uns im kino laufen. besonders auf den film mit vincent gallo, der sich seinen preis sicher verdient hat!

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