Jury entschied einstimmig - Silberner Löwe für beste Regie an Spanier Alex de la Iglesia
Venedig - Der Goldene
Löwe des 67. Filmfestivals Venedig
geht an die amerikanische Regisseurin
Sofia Coppola. Die 39-Jährige
erhielt am Samstag den Hauptpreis des ältesten Filmfestivals der
Welt. In ihrem Film "Somewhere" beschreibt Coppola die innere Leere
eines Hollywoodstars, herausragend gespielt von Stephen Dorff. Dabei
fängt die Tochter von Regielegende
Francis Ford Coppola ("Der Pate")
wie schon in ihrem gefeierten Werk "Lost in Translation" auf ganz
eigenwillige Weise eine einzigartige Stimmung ein, so dass die Leere
und Hoffnungslosigkeit der Hauptfigur
für die Zuschauer deutlich zu
spüren sind. Zuletzt hatte 2001 eine Frau den Hauptpreis gewonnen:
Mira Nair für "Monsoon Wedding".
Coppola, die sich auch bereits mit
Werken wie "Marie Antoinette"
und "The Virgin Suicides" einen Namen gemacht hat, setzte sich damit
gegen 23 Konkurrenten durch. Auch gegen den deutschen Regisseur Tom
Tykwer, der mit seinem neuen Werk "Drei"
mit der österreichischen
Schauspielerin Sophie Rois in der
Hauptrolle ins Rennen um die Preise
gegangen war. Doch nicht nur Tykwer ging leer aus. Enttäuschend war
ebenfalls das Abschneiden der immerhin
vier italienischen Filme im
Wettbewerb, die die
siebenköpfige Jury unter US-Regisseur Quentin
Tarantino alle nicht überzeugen konnten.
Besonderer Dank an den Vater
"Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben, es ist eine
große Ehre", freute sich Sofia Coppola, hübsch und elegant gekleidet,
über den Goldenen Löwen. Sie umarmte den Jury-Präsidenten Tarantino,
dankte allen überschwänglich und sagte, der
Preis sei sehr wichtig
für den Film. Ein besonderer Dank gehe an die
Eltern, vor allem an
den Vater und übermächtigen Filmregisseur, "der
mich unterrichtet
hat". Francis Ford Coppola hatte bereits 1992 einen Goldenen Löwen in
Venedig erhalten, allerdings für sein Lebenswerk.
Die Jury habe sich einhellig für
"Somewhere" entschieden, erklärte
ein sichtlich bewegter Tarantino: "Dieser Film hat uns von der ersten
Szene an verzaubert, ist zu einer Passion geworden. Und auch wenn wir
dann vielleicht über einen anderen Film gesprochen haben, sind wir
auf diesen Film zurückgekommen." Für Beobachter war dabei spannend:
Der 47-jährige Regisseur ("Inglourious
Basterds") und Sofia Coppola
sollen vor einigen Jahren ein Paar gewesen sein.
Silberner Löwe für Álex de
la Iglesia
Der Silberne Löwe für die beste Regie ging an den Spanier Álex de
la Iglesia für seine grotesk-überdrehte "Balada triste de trompeta".
Der Regisseur erzählt darin auf äußerst
ungewöhnliche Weise von
Javier, einem traurigen Clown, während der
Franco-Zeit. Jahrelang
erduldet er zahlreiche Rückschläge und Erniedrigungen, bis er als
eine Art Freiheitskämpfer Amok läuft, unter anderem gegen Führer der
Franco-Diktatur.
Zwei weitere Preise vergab die Jury
an einen ebenfalls politischen
Film: "Essential Killing" des Polen Jerzy Skolimowski erhielt nicht
nur den Spezialpreis der Jury. Der US-Amerikaner Vincent Gallo gewann
auch für seine überzeugende Leistung wie von vielen erwartet die
begehrte Trophäe als bester Darsteller. In "Essential Killing" spielt
Gallo eindringlich einen Mann aus Afghanistan, der
vom US-Militär
gefangen genommen und nach Europa transportiert werden soll. Auf dem
Weg dahin entkommt er aber und flieht durch verschneite Wälder vor
seinen Verfolgern. Um zu überleben, muss er immer wieder töten.
Ariane Labed beste Darstellerin
Der Preis für die beste Darstellerin ging an die Griechin Ariane
Labed aus "Attenberg". Die Filmfigur
Marina ist 23 Jahre alt und lebt
alleine mit ihrem kranken Vater. Das Werk der
Regisseurin Athina
Rachel Tsangari zeigt Marinas Weg zum Erwachsenwerden und die
Entdeckung der eigenen Sexualität.
Die Jury vergab außerdem einen
Spezial-Löwen an Monte Hellman für
sein Gesamtwerk. Der Amerikaner war mit
dem Film "Road to Nowhere" im
diesjährigen Wettbewerb von Venedig zu sehen.
Der Wiener
Avantgarde-Filmemacher Peter Tscherkassky erhielt den
Kurzfilmpreis für sein neues Werk "Coming Attractions". Der
25-minütige Film war in der
"Orizzonti"-Nebenschiene zu sehen. In
ebendieser Reihe wurde auch die
österreichisch-niederländische
Koproduktion "The Forgotten Space" der
Regisseure Noel Burch und
Allan Sekula ausgezeichnet. Der vom ORF
im Rahmen des
Film/Fernseh-Abkommens koproduzierte Streifen erhielt den
Spezial-Jurypreis für Dokumentarfilme in der
"Orizzonti"-Kategorie. (APA)