Nachlese

Wahlkampf in Wien: Der Balkan beginnt in Hernals

10. September 2010, 16:57
  • Artikelbild
    foto: standard/regine hendrich

    Scharfe Töne gegen Zuwanderung und subtiles Anbiedern an die Serben auf einem Plakat: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache trägt das blaue serbische Gebetsband, die sogenannte Brojanica.

Jeder zehnte Wiener hat serbische Wurzeln - Ein Polit-Faktor, seit die FPÖ zwischen "schlechten" und "guten" Migranten unterscheidet

Wien - Endlich Freitagnacht. Die Mädchen tragen kurze Röcke, die Burschen teure Uhren. Gegen Mitternacht wird die Disco voller, der Alkoholpegel steigt, und die Band spielt die serbische Hitparade rauf und runter. Liebe, Alkohol, Geld - es geht immer um das Gleiche in den Liedern, die die jungen Serben begeistert mitsingen. Die Gäste, die Kellner, die Securities, sie teilen Sprache und Kultur. Serbische Lebensart, mitten in Wien.

Der Balkan scheint nicht weit, wenn man am Wochenende durch Ottakring oder Hernals tourt. In die Bar "Laby" verirren sich nur wenige Österreicher. In den 14 Jahren, in denen er das Lokal betreibe, habe er Deutsch fast verlernt, erzählt Besitzer Dule Stojanoviæ, ein bosnischer Serbe. In der Ottakringer Straße gibt es viele solcher Bars, auch einkaufen oder essen kann man türkisch, kroatisch, serbisch. Der Fußballklub "Roter Stern Belgrad" hat hier einen eigenen Fanshop.

Für FPÖ gibt es gute und böse Ausländer

Jeder zehnte Wiener hat serbische Wurzeln. Diese Gruppe ist in der Bundeshauptstadt nicht nur ein kultureller und sozialer Faktor, sondern auch ein politischer: 80.000 bis 100.000 Österreicher mit serbischem Background werden am 10. Oktober wahlberechtigt sein. Dass sie das auch zur politischen Zielgruppe macht, haben vor allem die Freiheitlichen längst erkannt.

Die Zeiten, in denen sich Heinz-Christian Straches politische Botschaften auf die simple Formel "Für Inländer - gegen Ausländer" reduzieren ließen, sind vorbei. Nun gibt es für die Blauen gute Ausländer und schlechte Ausländer, oder: Christen und Muslime. Im Nationalratswahlkampf 2008 trug Strache erstmals auf den Plakaten deutlich sichtbar das blaue serbische Gebetsband, die Brojanica. "Abendland in Christenhand" stand auf den Plakaten. Strache ließ sich mit hochrangigen Persönlichkeiten der serbisch-orthodoxen Kirche fotografieren und wünscht am 6. Jänner ein frohes Weihnachtsfest.

Besonders gepunktet hat die FPÖ aber mit ihrer Haltung zur Unabhängigkeit des Kosovo: Als einzige Partei sprach sie sich dagegen aus, während sich die SPÖ und der damalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer um eine rasche Anerkennung bemühten. Ein Akt von hoher Symbolkraft, den die Austro-Serben der SPÖ bis heute nicht verziehen haben.

Dabei sind es die Sozialdemokraten, mit denen die serbische Community traditionell verbunden ist. Als Mitte der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Gastarbeiter-Zuwanderung forciert wurde, hieß der Bundeskanzler Bruno Kreisky.

Wurzeln geschlagen

Zehntausende Jugoslawen kamen und schlossen sich in Vereinen zusammen, die den Gewerkschaften nahestanden. Die Arbeiter schlugen hier Wurzeln. Nach dem Zerfall Jugoslawiens konnten und wollten viele nicht zurück, sie hatten sich schließlich hier in Frauen verliebt, eine Existenz geschaffen, Kinder bekommen.

Um serbische Stadtpolitiker zu finden, muss man auch Jahrzehnte nach der großen Gastarbeiterwelle lange suchen. "Austro-Serben und Serben sind politisch vollkommen unterrepräsentiert", sagt Darko Miloradoviæ, Vorstandsmitglied des Dachverbands der serbischen Vereine in Wien. Er selbst kandidiert auf der Landesliste der SPÖ für die Gemeinderatswahlen, aus beruflichen Gründen an unwählbarer Stelle. Um die Zuwanderer vom Balkan zu gewinnen, müsse eine Partei Menschen aus der Community in die vorderen Reihen stellen.

Genau das tun nun die Freiheitlichen. Im Mai 2010 gründeten sie die "Christlich-freiheitliche Plattform für ein freies Europa souveräner Völker", deren Vorsitzender mit Konstantin Dobriloviæ ein Deutsch-Serbe ist. Die Haltung der FPÖ in der Kosovo-Frage hat auch ihn dazu motiviert, die Rechten zu unterstützen: "Strache war der einzige Politiker, er auf uns Serben zugegangen ist", sagt Dobriloviæ. Dass die Mehrheit der Serben die FPÖ wählen könnte, hält er durchaus für möglich.

Mehrheit wählt die SPÖ

Immerhin 27 Prozent der gebürtigen Serben, Bosnier und Kroaten würden laut einer Ifes-Studie den Freiheitlichen ihre Stimme geben, mit 56 Prozent ist die SPÖ in dieser Gruppe aber die mit Abstand stärkste Partei. Noch deutlicher wird das bei Wienern mit türkischen Wurzeln: Von ihnen wählen 78 Prozent die SPÖ und 17 Prozent die Grünen. Die FPÖ kommt laut Ifes nur auf ein Prozent.

Jedenfalls gebe es einen "enormen Auftrag für die Parteien, sich etwas zu überlegen", sagt Serben-Vertreter Miloradoviæ. Außerdem seien die Serben "eine einfach erreichbare Zielgruppe, weil sie nicht von ihrem Heimatland gesteuert werden" - im Gegensatz etwa zu den Türken, die sich in staatlich beeinflussten Kulturvereinen wie Atib zusammentun.

Im serbischen Nachtleben ist Politik kein Thema. Ein junger Mann fotografiert die Feiernden im "Laby" und verteilt seine Visitenkarte. Auf balkanstar.at, einer Art Facebook für Österreicher mit serbischen, kroatischen oder bosnischen Wurzeln, sind seine Fotos zu finden. Auf der Hinterseite der Visitenkarte inseriert die SPÖ "Freundschaft ist stärker als Feindschaft". Ein bisschen etwas, sagt Lokalbesitzer Stojanoviæ, könne er der Politik der FPÖ schon abgewinnen: "Ich kann nicht verstehen, warum man in Wien Minarette braucht." Mit dem roten Wien hat er bisher als Unternehmer gute Erfahrungen gemacht; und die Angst vor Veränderung ist am Ende doch stärker als die Abneigung gegen den Islam: "Ich befürchte, dass es für Migranten schlechter werden könnte, wenn Strache an die Macht kommt." (Andrea Heigl, DER STANDARD-Printausgabe, 11./12. 9. 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 262
1 2 3 4 5 6
Hugo Hennengnagg
14
13.2.2011, 12:09
Dass es "gute und böse Ausländer" gibt

hat aber auch schon der Kolummnist Rauscher festgestellt, als er schrieb: "Österreich hat kein Ausländerproblem, sondern ein Türkenproblem".

Da kann man ihm durchaus zustimmen.

InsaneM
00
24.9.2010, 12:56
Off Topic

nur so weil ich gerade den neuen Strache Comic aus dem Postkasten geholt habe, also ich hatte ja nicht vor mich Politisch zu äußern oder will mich irgendeiner Partei zuordnen aber daß dies legal an junge Menschen versendet wird ist eine absolute Frechheit! nein mehr noch eine Schande ich würde mich nicht als Patriot bezeichnen aber natürlich liebe ich mein Land aber mit solchen dingen will ich nichts zu tun haben, man wird echt an die Propaganda von damals erinnert und bekommt das gefühl was unternehmen zu müssen!

dreyfusard
05
14.9.2010, 12:43

mir ists egal wo die leute herkommen, bloß anstrengend ist es in der nacht, wenn rumgeschrien, gedudelt wird und die burschen ihre motoren stundenlang aufheulen lassen. nicht nur auf der fortgehmeile ottakringerstrasse, sondern auch in "ruhigeren" wohngegenden.

Harry Meier
 
50
16.9.2010, 09:19
Wir wäre es mit runtergehen und die Burschen ...

. höflich bitten, den Lärmpegel runterzuschrauben? Wenn sie dazu zu feige sind, könnens ja immer noch die Poizei rufen.

Mir fällt immer wieder auf, daß die Leute sich ständig aufregen aber eigentlich nie wirklich etwas gegen das Problem machen.

hamstertier
07
16.9.2010, 15:21
an harry

welch ein ratschlag! stehen sie um 2h früh auf und gehen auf die straße, um lärmende leute zu bitten, leiser zu sein? das glaub ich ihnen nie.

Harry Meier
 
00
18.9.2010, 13:57
Ich wurde deswegen auch schon verprügelt. Kommt schon

.. mal vor das der Lärmpegel etwas lauter ist, wenn man neben einem Messegelände mit Bewirtschaftung wohnt. Aber grundsätzlich geben die Leute schnell eine Ruhe ausser sie sind volltrunken. Dann rufe ich meistens gleich die Rettung.

hamstertier
00
18.9.2010, 21:09
an harry

also ich steh sicher nicht mitten in der nacht auf, zieh mich an und geh runter, um mit den leuten zu reden. ich greif zum handy und laß das die polizei erledigen.

Harry Meier
 
00
12.2.2011, 21:27
Hab ich ja eh geschrieben ...

Samhain
00
14.9.2010, 18:19

Also mir geht seit Jahren die Autobuslinie vor der Tür auf den Geist.

G-Man
00
14.9.2010, 14:50
ich habe geglaubt, sie beschreiben grad den Schwedenplatz....

Captain Ö
00
13.9.2010, 17:04
10.000 + 1 Lächeln

Ganz egal ob schwarz oder weiß, groß oder klein, dick oder dünn - lächelnde Menschen sind alle gleich schön.

ich sammel als Captain Ö 10.000 + 1 Lächeln für meinen Sohn Dwayne. Schenk mir doch ein Lächeln wenn du mich triffst oder poste ein Foto. Aus allen Fotos entsteht ein Fotobuch für ihn.
Cheese Captain Ö

http://www.facebook.com/pages/Cap... ref=search

SchlussBasta
32
13.9.2010, 12:16
und sie rote-jugend

hetzt gemeinsam mit jungmoslems gegen strache, siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=UTJqzP4Y0xo

dreyfusard
11
14.9.2010, 12:53

huhuhu fürcht die roten böseln im hasenkostüm.
das arme stracheburli ist selbst ein hetzer, seine parteigenossen stehen ihm dabei um nix nach.
täter sollten sich nicht zu opfern machen.

Dirty Sanchez
 
04
13.9.2010, 11:39
Ein Artikel über Hernals in dem der Sportclub nicht erwähnt wird: Das geht gar nicht!!!

Alex popelino
00
12.1.2011, 18:58
so isch es

Prolet
14
12.9.2010, 08:57
Ich glaube die Unterscheidung wird nach Islamanhängern und Ungläubigen als Opfer gemacht!

Waren seinerzeit, in den 30gern, die Warner vor dem Nationalsozialismus auch Haßprediger und Hetzer?

anders and
 
40
12.9.2010, 17:24

was für Opfer (sind Sie)?

Superhoyuelos
33
11.9.2010, 22:55
Strache du bist mei Buar!

Strache vor, Strache vor......

Harry Meier
 
00
16.9.2010, 09:19
Hamm's etwa auch Wehrsportübungen mit ihm ..

. gemacht?

icke
02
11.9.2010, 18:34
passt dabei..

wie die Faust auf´s Aug
"Tschuschen ausse, Jugo eine.." :))

http://www.youtube.com/watch?v=kJavq6n03Nk

Drago+
36
11.9.2010, 19:14

Schlecht recherchiert. Serben hören keinen Hip Hop oder Rap, außer vielleicht die Ghettokids hier in Wien, die sich immer noch Jugos nennen. Wir serbischstämmige führen in Wien sogar eines der wenigen Labels für Indie-Musik.. Aber das entspricht halt nicht den Klischees, die unsereiner über Serben hat, gel'.... Da passt eher das Kronen-Foto von anno 1991, so ein tätowierter, fetter Kerl mit fettigem Barte, die AK-47 in der einen Hand und die Flasche Schnaps in der anderen, und darunter die vielversprechenden Worte: "Die Serben sind ein primitiver, barbarischer Fremdkörper in Europa und gehören aus Europa vertrieben!" Ach, das waren noch geile Zeiten, man wird richtig nostalgisch..

ama2deus
01
24.2.2011, 00:27

"die serben" gibt es nicht. es gibt sicher auch serben, die hiphop oder rap hören.

anders and
 
22
12.9.2010, 17:25

ein echter Serbe hört keine Negermusik, nicht wahr?

icke
01
12.9.2010, 16:40

Ich weiss jetzt nicht, ob Sie die Sendung "Dorfers Donnertalk" bzw den Palfrader kennen. Nehmen Sie das doch nicht so ernst...
Als Österreicher ist man auch permanent mit Klischees konfrontiert.
Darum:
Aller Humor fängt damit an, dass man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.

Aguirre74
 
14
12.9.2010, 12:50

Naja, wenn man sich die Fotos von den Exekutionsstätten serbischer Herrschaftssucht so ansieht, dann fällt einem das Bild des Tschetnik mit der AK-47 in der Hand eher ein, als das Bild eines weltoffenen Indie-Musikers. Mladic ist auch noch immer nicht ausgeliefert, oder? Versteckt sich angeblich in dem so gerühmt pro westlich liberalen Serbien. Scheint, als ob die Indie-Musiker dort wenig Interesse an der Suche nach Kriegsverbrechern an den Tag legen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 262
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.