Die älteste Kamera der Welt wurde wiederbelebt

10. September 2010, 20:17
  • Die erste Testaufnahme mit der historischen Technik zeigt die beteiligten Chemiker - v.l.n.r.: Hanspeter Kählig, Harry Martin und Wolfgang Reischl.Foto: Uni Wien - Institut für Organische Chemie
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    Die erste Testaufnahme mit der historischen Technik zeigt die beteiligten Chemiker - v.l.n.r.: Hanspeter Kählig, Harry Martin und Wolfgang Reischl.
    Foto: Uni Wien - Institut für Organische Chemie

  • Die Daguerréotype-Schiebekastenkamera am MichaelerplatzFoto: Uni Wien - Institut für Organische Chemie/WestLicht
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    Die Daguerréotype-Schiebekastenkamera am Michaelerplatz
    Foto: Uni Wien - Institut für Organische Chemie/WestLicht

  • Die Daguerreotypie des Michaelerplatzes, aufgenommen am 25. August 2010Foto: Uni Wien - Institut für Organische Chemie/WestLicht
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    Die Daguerreotypie des Michaelerplatzes, aufgenommen am 25. August 2010
    Foto: Uni Wien - Institut für Organische Chemie/WestLicht

Für ein Kunstprojekt werden Daguerreotypien aus dem 19. Jahrhundert reproduziert

Wien - Chemiker der Universität Wien haben Aufnahmen mit der wohl ältesten Kamera der Welt gemacht: Für ein Kunstprojekt wurde mit der Daguerréotype-Schiebekastenkamera auf dem Michaelerplatz in Wien eine Aufnahme aus dem Jahr 1840 nachgestellt. Das Bild wurde im Originalverfahren mittels Quecksilberdampf und Goldlösung auf Silberplatte gebannt, gab die Universität Wien bekannt. Der "Blick auf den Michaelerplatz" aus der Fotosammlung der Albertina war im Mai 1840 von Andreas von Ettingshausen aufgenommen worden und ist eine der ersten Daguerrotypien, die auf österreichischem Boden gemacht wurde.

Das Verfahren

Die Daguerrotypie ist ein Fotografieverfahren aus dem 19. Jahrhundert, das nach seinem Entwickler, dem französischen Maler Louis Daguerre, benannt ist. Für die Herstellung einer Fotografie sind mehrere silberbeschichtete Kupferplatten, Quecksilber, Brom und Goldchlorid notwendig. Bei der Aufnahme wird das Bild nicht mit einem Spiegel umgelenkt. Die Abbildung ist seitenverkehrt und eigentlich ein Negativ; je nach Betrachtungswinkel sieht man sie aber auch als Positiv. Die Entwicklung der silberbeschichteten, mit Brom oder Iod aktivierten und in der Kamera belichteten Kupferplatten erfolgt mittels Quecksilberdampf. "Kein ungefährliches Unterfangen, aber wir verfügen über das entsprechende Knowhow und ein gut ausgestattetes Labor", so Harry Martin vom Institut für Organische Chemie der Universität Wien.

Nach der Quecksilberentwicklung und dem anschließenden Fixierbad erhalten die Bilder durch ein Bad in 90 Grad heißer Goldchloridlösung noch mehr Schärfe. "Wir sind stolz, dass es uns geglückt ist, diese Fotografie-Methode wiederzubeleben. Vermutlich sind wir die ersten seit über 150 Jahren, die mit einer Original Daguerréotype-Kamera und dem Daguerre-Verfahren gearbeitet haben", so Martin.

Die Kamera

Die Daguerréotype-Schiebekastenkamera des Pariser Herstellers Susse Frères stammt aus dem Jahr 1839. Das einzige bekannte Exemplar der Kamera, die wohl älteste Kamera der Welt, ist im Mai 2007 für über 576.000 Euro in Wien versteigert worden. Kurz zuvor war die Kamera auf dem Dachboden eines Deutschen entdeckt worden. Die neuen Besitzer haben die Kamera für das Kunstprojekt "Wake up the sleeping beauty" zur Verfügung gestellt. In dessen Rahmen reproduziert der kubanische Fotograf Nelson Ramirez im Auftrag der Firma WestLicht 30 Daguerreotypien aus dem 19. Jahrhundert in Wien, Salzburg und am Attersee. (red)


Stichwort
Daguerreotypie (Wikipedia)

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14 Postings
Terrorangst

Viele dieser alten Phototechniken sterben leider aus, da man vor lauter Terrorangst die benötigten Chemikalien nicht mehr bekommt.

Silberplatten

ich nehme einmal an, die werden nicht mehr so in großen Stückzahl produziert

ohja... ich würde so viel lieber mit feuersteinen feuer machen... ach... die gute alte zeit! schade, dass sie ausstirbt...

Früher war alles schlechter!

toll so eine kamera! die kamera sollte jedoch jemand bedienen, der sich mich bildaufbau auskennt.

Sehr sehr cool.

Daß das Gerät mit seinem "Chevalierschen Achromaten"...

... (auch bekannt als "Französische Landschaftslinse", mit der Lichtstärke - ähem - von etwa 1 : 15), dem Linsendeckel-"Verschluß" und der Scharfstellung über den Auszug des Gehäuses funktioniert, überrascht nicht wirklich. Trotzdem hat die Fotografie seit damals begrüßenswerte Fortschritte gemacht, denn die Daguerrotypie erwies sich schon zu ihrer Zeit mit ihren Einzelstücken als Sackgasse.

Gut Licht!

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Das nennt man auch Prototyp :-) zeichnet sich dadurch aus, dass er zum Zeitpunkt seiner Entstehung (noch) einzigartig ist.

Von der Malerei gar nicht zu reden!

Frage:

Ist die "Die Daguerreotypie des Michaelerplatzes" im Mai 1830 entstanden oder (laut Bildunterschrift) am 25.8.2010?

PS: Die 3 Chemiker in der "Testaufnahme": Ohne Brillen und mit Frack: Ichwürde meinen, so um 1870 herum.

Bei aller Faszination: die 3 Chemiker demonstrieren auch einen gewissen kulturellen Verfall

In so schlechter Haltung und so nachlässigem Gewand hätte sich im 19. Jahrhundert nicht einmal ein Knecht fotografieren lassen. Der Herr ganz rechts wird das Foto hoffentlich zum Anlass nehmen, sich die nächsten Hemden zwei oder drei Nummern größer zu kaufen.

Schauen Sie nochmals genau hin: haben sie das Verkehrsschild entdeckt? ;-)

Womit bewiesen ist, dass das Verkehrsaufkommen im 19. Jahrhundert von den Historikern unterschätzt wird!

Redaktion derStandard.at/Wissenschaft
02
10.9.2010, 23:50
Antwort

Die bei diesem Artikel abgebildeten Aufnahmen sind alle in diesem Sommer entstanden. Die oben abgebildete "Daguerreotypie des Michaelerplatzes" stammt wie angegeben vom 25. August 2010 - aufgenommen mit Daguerre-Kamera und -Verfahren.

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