Volksschule soll aber nicht geschlossen werden
Salzburg - Die Volksschule Tweng im Salzburger Lungau leidet unter akutem Schülerschwund: Nur mehr drei Schüler werden kommenden Montag über die Türschwelle treten. Der frischgebackene Direktor Ernst Schiefer übernimmt den Unterricht. Doch die Schule soll auch in Zukunft erhalten bleiben. "Wir haben das Glück, dass wieder so viele Schüler nachkommen, dass sich das Rad weiter dreht", sagte heute, Freitag, Peter Macheiner vom Gemeindeamt Tweng.
Im Herbst 2005 besuchten noch 18 Kinder die Volksschule Tweng. Auf der Liste der Gesamtschülerzahl für das Schuljahr 2010/11 standen am Freitag nur mehr drei Schüler. Von einer Schließung bedroht ist der Standort trotz der geringen Anzahl aber nicht. "Uns ist es ein dringendes Anliegen, die Schule zu erhalten. Sie gehört zum Ort", erklärte Macheiner. "Und wir haben ja Nachwuchs."
Zwei Zweitklässler und ein Drittklässler
Direktor Schiefer freut sich schon auf seine drei Sprösslinge. Es handelt sich um zwei Zweitklässler und einen Drittklässler. Der Unterricht wird zu einer besonderen Herausforderung, "weil die Situation nicht direkt mit einer normalen Klassensituation zu vergleichen ist." Schiefer will sich um einen attraktiven Unterricht bemühen und einen musikalischen Schwerpunkt setzen, denn "Musik hat viel Verbindendes". Die Volksschule sei ja im Jahresfestkreis des Dorfes verankert, deshalb sei ihm eine offene Schule und die Verbindung mit dem Ort "sehr wichtig", wie er betonte. Mit beginnender Wintersaison im Skigebiet Obertauern kommen noch zwei Schüler dazu, dann besuchen immerhin fünf Schüler den Unterricht.
Landesschulratspräsident will Kleinstschulen erhalten
Landesschulratspräsident Herbert Gimpl hält es für "absolut wichtig", die Kleinstschulen bestehen zu lassen. Abgesehen von den pädagogischen Vorteilen müssten die Kinder nicht gleich pendeln. Zudem würde auch die Gemeindestruktur erhalten bleiben. Allerdings stellte Gimpl die Frage in den Raum, ob eine familienähnliche Struktur wie in der Volksschule Tweng der sozialen Entwicklung der Kinder noch Rechnung tragen könne. "Die Schüler sollen ja in einer größeren sozialen Gruppe ihre Erfahrungen machen."
Fünf Kleinstschulen im Lungau
Salzburg hat sieben ein- oder zweiklassig geführte Volksschulen. Der Lungau ist auch jener Salzburger Bezirk mit den meisten Kleinstschulen: Dort gibt es fünf, im Pinzgau und im Flachgau jeweils eine. Pro altersdurchmischte Klasse unterrichtet ein Lehrer, was einen Mehraufwand und eine Herausforderung bedeute, wie Gimpl sagte. Die Kollegen seien aber methodisch und didaktisch gut ausgebildet. Die Unterrichtsformen laufen parallel: Während eine Gruppe mit Freiarbeit beschäftigt ist, wird die andere vom Lehrer unterrichtet. Die letzte Kleinstschule, die in Salzburg geschlossen wurde, lag in Wagrain im Pongau - die Schließung erfolgte auf Antrag der Gemeinde. (APA)