Kampusch-Lesung

Absperrgitter in der Buchhandlung

Martin Obermayr, 10. September 2010, 14:57
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    foto: derstandard/martin obermayr

    Die Sicherheitsvorkehrungen waren für eine Lesung schon außergewöhnlich, zu Zwischenfällen kam es aber nicht einmal im Ansatz.

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    Die Inszenierung der Präsentation und die Fokussierung auf einen einzigen Termin wird sich wohl nicht negativ auf die Verkaufszahlen schlagen.

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    Auf zwei Flatscreens wurde die Lesung übertragen. Die Bühne ist auf dem oberen rechten Rand dieses Bilds zu erkennen.

Die erste Lesung von Natascha Kampusch war ein Ereignis zwischen beeindruckend und bedrückend

Man sollte nicht vergessen, dass sich dem Schicksal von Natascha Kampusch kaum in konventionellen Mustern zu nähern ist. Ausnahmezustand wäre mittlerweile vielleicht übertrieben, aber über viele Jahre hinweg ist es ein solcher gewesen, für eine Frau, die heute 22 Jahre alt ist und in der Buchandlung Thalia in der Wiener Landstraße ihre schriftliche Abrechnung "3096 Tage" einer irgendwie hungrigen Meute präsentiert.

Um 19 Uhr soll die Lesung beginnen. Rund eine halbe Stunde davor ist die Situation in der Filiale des österreichischen Buchgiganten direkt beim Ausgang des Bahnhofs Wien Mitte noch recht entspannt, obwohl alle Sitzplätze angeblich seit 17 Uhr vergeben sind. Das Personal - ein Großteil davon extra für das Ereignis auf meist einzigartigem Posten eingeteilt - ist betont freundlich, die zahlreichen BesucherInnen geben sich fast ausschließlich unaufgeregt. Nur nicht zu laut sein und auffallen, scheint die Devise. Sich möglichst unbetroffen und unbeteiligt geben, eher nüchtern sachlich oder bewusst distanziert. Die meisten sind aber sicher gespannt, obwohl viele das nicht zugeben würden und lieber ein bisschen eine Show abziehen. Aber wer tut das nicht?

700 Neugierige

Das Publikum von rund 700 Neugierigen ist durchmischt: Von der zeitgeistig gekleideten Mutter mit einem State-of-the-art-Kinderwagen über Pärchen, die schon vor einigen Jahren das offizielle Pensionsalter überschritten haben (eines davon aus Ostasien) bis zu einer Gruppe Mädchen im mittleren Teenager-Alter, die sich über das Praktische an Reclam-Büchlein unterhalten. Zwei Polizisten schauen auch geschwind im sich stetig füllenden Kassabereich vorbei, sind aber vor Beginn der Lesung wieder weg. Jemand fragt: "Ist die Kampusch überhaupt scho do?" Eine Thalia-Mitarbeiterin meint, dass sie was wisse, aber nichts sagen dürfe. Schon gar nicht, wo die Protagonistin hereinkomme.

Jedenfalls ist es nicht hektisch, so kurz vor der Weltpremiere eines persönlichen Berichts, der das ZDF genauso anzieht wie die AFP (Agence France Press) oder einen Fotojournalisten aus Bratislava. Zwar muten die Absperrgitter, die mit schweren Betonziegeln stabilisiert werden, ein wenig seltsam an, hier im ersten Stock eines Buchgeschäfts, aber es hat nichts Militantes wie bei einer Demo, eher etwas VIP-mäßiges wie bei einem Society-Event.

"Jetzt tut sich was"

Plötzlich "tut sich was". Christoph Feurstein führt Natascha Kampusch auf die Bühne, kurz danach ertönt Applaus. Eine offizielle Sprecherin des Hauses verkündet die Spielregeln: keine Handys, keine Fotos, keine Fragen. Es folgt eine dieser beklemmenden Situationen, wo Feurstein übernimmt, eine empathie-fordernde Einleitung darbietet und Kampusch fragt, wie sie sich fühlt. Diesmal bekommt er ein leises, eher unsicheres "Ich bin sprachlos" zurück. Ein Teil der Nervosität stammt auch davon, dass das Mikro dauernd verrutscht. Zusatz: "Es ist irgendwie seltsam auf der Bühne." Stille.

Das Menschliche an der Inszenierung

Wie sich die Lesung und die dazwischen eingelegten Interviewphasen abgespielt haben, wurde bereits ausführlich berichtet. Eine Frage bleibt: Ist es wirklich eine glückliche Wahl, in Österreich mit Feurstein immer wieder auf den gleichen Interviewer zurückzugreifen? Nur warum sollte sich Kampusch für jemand anderen entscheiden, wenn sie dem Familien-Intimus wohl doch am meisten vertraut?

Und auch wenn die ganze Angelegenheit nach massiver Inszenierung gerochen hat, so kann doch nicht alles Show gewesen sein - da steckt schon auch etwas zutiefst Menschliches dahinter. Und schade, dass das bei Natascha Kampusch am öftesten vergessen wird. (Martin Obermayr, derStandard.at, 10.9.2010)

Kommentar posten
13 Postings
Angelika70
00
12.9.2010, 23:27

oft, öfter, am öftesten?

Und jedem seine eigene Busspur
00
12.9.2010, 12:13
ich kaufs Buch sicher nicht

aber die von Adamovich geschürte "lieber beim Priklopil als bei der Mutter" Theorie glaub ich auch nicht mehr...

saphre
00
12.9.2010, 16:48
...es

..... wurden nur immer schlanke kinder entführt, das kann mich nicht treffen!
bitte welches denkt im vs-alter darüber nach, dass kinder schlank sein müssten, um entführt zu werden?

ich glaube, dass sie aus trotz freiwillig eingestiegen ist, dann bereute, wp sie nicht mehr freigab und die schei... nahm ihren lauf.....

M.Honeybee
00
11.9.2010, 20:51

Danke für den täglichen Kampusch-Artikel>:-) Anbei Ergänzung: die Intro ist gut: Gruppentherapie für Fans...die Gute fühlt sich wieder mal in ihrer Freiheit eingeschränkt...(ganz was Neues ;-))... tja, mit der Wahrheit wäre das wohl kaum passiert.

http://tinyurl.com/36wgcub

Nein Danke!!!
00
12.9.2010, 14:45

Darum auch die Absperrgitter!
Eh klar!

saphre
00
12.9.2010, 00:42
Voyeurismus der Buchleser

Die Kampusch-Biografie, die in elf Ländern erscheinen soll, halten die österreichischen Medien für einen "vorprogrammierten Bestseller". Kastner ist skeptisch, obwohl sie die Gründe zu kennen glaubt, die Leser zum Buchkauf bewegen werden. "Eine Portion Voyeurismus ist schon dabei. Man will sich gruseln und erfahren, wie schlecht es anderen geht um festzustellen, wie gut man es selbst hat. Eine künstliche Erregung ist durch so ein Buch schon möglich, echtes Mitleid wird aber eher selten zum Kauf anregen." (Ende)

http://www.pressetext.at/news/1009... hem-preis/

onlooker
11
11.9.2010, 23:04
sie guter honeybee, sie war 8 jahre eine gefangene,

während sie in freiheit waren, immer diese überheblichkeit, you are a monster and a goof

Nein Danke!!!
01
12.9.2010, 14:54

Seit der Priklopil nicht mehr kocht ist sie ziemlich dick geworden!

onlooker
10
12.9.2010, 15:04
sie haben probleme, wie alt sind sie eigentlich?

wenn sie schon erwachsen sind, ist ihre geistige entwicklung sicher zurück geblieben, wie kann man so hässliche bemerkungen machen? sie ist wie sie eben ist,
wegen der guantamano häftlinge,sie wissen sehr wohl, das auch hier ein grosses verbrechen begangen wurde, und ihre kindischen postings, entsprechen ihrem bisherigen stil,sie sollten eine therapie mache, wenn sie es schon tun, dann hat die therapie noch keien erfoölg gehabt, mir ist es egal was der feurstein macht oder nicht macht, es gibt schlechtere moderatoren

Nein Danke!!!
00
12.9.2010, 14:46

Wenn die ein paar Guatanamo-Häftlinge nach Österreich lassen würden könnte der Feurstein so richtig zur Hochform auflaufen - diesmal mit echten "Kellerkindern".

GulGarak
00
11.9.2010, 11:38
An die Red

2. Absatz, 3. Satz ein "ist" zu viel.

Rondocor
06
10.9.2010, 16:33
Im TV Bericht sah man und hörte man lauter Idioten.

Chanel3
15
11.9.2010, 00:41

hier aber auch.

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