Bauernvertreter stimmen Zusammenschluss zu
Innsbruck - Die Tiroler Bauern haben am Freitag die monatelange
Diskussion rund um die Zukunft der Tirol Milch beendet. Sie werden der Übernahme
des Unternehmens durch die oberösterreichische Berglandmilch bis Ende September
zustimmen. "Es gibt keinen Plan B. Der Weg ist vorgezeichnet", meinte
Bauernbundobmann LHStv. Anton Steixner (ÖVP) am Freitag vor Journalisten.
Berglandmilch-Chef Josef Braunshofer gab sich im Gespräch mit der APA noch
verhalten. "Die Entscheidung fällt bei der Generalversammlung in den nächsten
zwei Wochen", sagte er. Er sei aber zuversichtlich. Das Paket sei ein stimmiges,
er hoffe, dass das auch die Eigentümer der Tirol Milch so sehen. Die
Berglandmilch wolle die Produktion steigern und nicht senken, versicherte
Braunshofer. Bezüglich einem bevorstehenden Mitarbeiterabbau meinte er: "Das
muss man sich vor Ort anschauen und nicht überhasten." Der Standort in Wörgl sei
gesichert. Die Zukunft von der Produktionsstätte in Lienz in Osttirol aber noch
offen. "Für die Spezialkäse-Herstellung wird der Standort erstmal so
aufrechterhalten bleiben", sagte Steixner.
Für Steixner wurde durch die "unpopulären und harten" Verhandlungen der
letzten Monate das Angebot der Berglandmilch deutlich verbessert. Denn auch bei
einer möglichen Zusammenarbeit mit der Südtiroler Molkerei Milkon und einer
gemeinsamen Vermarktung werde der Mehrerlös rein den Tiroler Bauern, und nicht
allen bei Berglandmilch unter Vertrag stehenden Lieferanten, zu Gute kommen.
Weiters sei den Tiroler Bauern eine Milchabholung von 55.000 Litern pro Jahr
zugesichert worden. Außerdem werde erstmals ein für die 27 Mio. Kilogramm
Almmilch ein Zuschlag von zwei Cent pro Liter bezahlt.
Schulden übernehmen
Die Schulden der Tirol Milch werden übernommen. Im Jahr 2009 standen
Verbindlichkeiten von über 50 Mio. Euro an. Die Tirol Milch bekomme nun 17
Prozent Anteile an Österreichs größter Molkerei und werde die zweitgrößte von
neun Bergland-Genossenschaften. "Draußenbleiben werden jene Liegenschaften, die
nicht mit Milch zu tun haben", erklärte Braunshofer der Tiroler Tageszeitung
(Freitagausgabe). Laut "TT" sollen diese einen Wert von bis zu 15 Mio. Euro
haben.
Bis 30. September steht das Angebot der Berglandmilch. Bei einer
Generalversammlung in den nächsten zwei Wochen müssen die Delegierten dem Weg in
die Berglandmilch noch zustimmen. Ein genauer Termin für die Sitzung stand
vorerst noch nicht fest.
Die Tirol Milch hat turbulente Wochen hinter sich. Der ehemalige Obmann Hans
Schweiger, der die Fusion mit Berglandmilch immer angestrebt hatte, warf Ende
Juni das Handtuch. Ihm folgte interimistisch sein Stellvertreter Stefan Lindner
als Obmann nach, der ebenfalls als Befürworter einer Berglandmilch-Lösung gilt.
Vor fast drei Monaten wurde bekannt, dass die größte österreichische Molkerei
Berglandmilch und die - nach Umsatz betrachtet - Nummer vier am Markt,
Tirolmilch, eine Fusion planen. Berglandmilch hat im Vorjahr 940 Mio. Kilo Milch
von knapp 13.000 Lieferanten verarbeitet, die Zahl der Mitarbeiter lag bei rund
1.000. Der Umsatz sank von 692 auf 610 Mio. Euro. Die Berglandmilch hat im
Jahresschnitt 2009 an ihre Milchlieferanten 33,10 Cent ausbezahlt, der
Bundesschnitt lag bei 32,26 Cent. Die Tirol Milch musste 2009 ebenfalls einen
Umsatzrückgang hinnehmen - von knapp 9 Prozent auf 136,2 Mio. Euro. Nach einem
Verlust von 5,145 Mio. Euro erzielte die Molkerei einen Bilanz-Überschuss von
352.000 Euro. (APA)