Parasitologie

Der Wurm im Fuchs

12. September 2010, 18:34
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    foto: apa/boris rössler

    Bauern, Waldarbeiter, Hundehalter und Menschen die nahe an Feldern wohnen sind am ehesten gefährdet sich zu infizieren.

Beim Beeren- und Pilzesammeln können Menschen mit den Eiern des Fuchsbandwurmes in Kontakt kommen - Das ist selten, hat aber schwere Folgen

Ziemlich vermiest werden kann einem der Genuss von Waldbeeren durch Warnungen wie diese: "Damit holst du dir einen Fuchsbandwurm - der frisst dich von innen auf!" Die entscheidende Frage: Kann so etwas passieren? Wer Eier vom Fuchsbandwurm aufnimmt, erkrankt tatsächlich an alveolärer Echinokokkose. Dabei entstehen in der Leber Bläschen, die sich vermehren und ausbreiten. "Das ist eine ernste Krankheit, aber Menschen infizieren sich zum Glück sehr selten", sagt Herbert Auer, Parasitologe an der Med-Uni Wien. "Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Bandwurmeier auf Waldbeeren befinden, ist zwar nicht null, aber gering. Zum einen sind nicht alle Füchse infiziert, zum anderen müssten sie ihren Kot direkt auf Beeren absetzen."

Der Fuchsbandwurm kommt in den gemäßigten Klimazonen in Mitteleuropa und Nordamerika vor. "In Österreich konnten wir in jedem Bundesland in Füchsen den Wurm nachweisen, im Westen wesentlich häufiger als im Osten", berichtet Auer. In den vergangenen 25 Jahren stellten Ärzte im Durchschnitt zwei bis drei Infektionen pro Jahr fest. "Vermutlich sind es aber doppelt so viele, nicht alle Fälle werden erfasst."

Fuchsbandwurm-Forscher beobachten seit einigen Jahren, dass immer mehr Füchse mit dem Wurm infiziert sind. "Vermutlich kann sich der Wurm besser ausbreiten", sagt Peter Deplazes, Leiter des Instituts für Parasitologie der Uni Zürich. "Seit Einführung der Tollwutimpfung Ende der 1980er-Jahre sterben immer weniger Füchse, und wir stellen fest, dass sich die Tiere zunehmend in den städtischen Raum ausdehnen." In Österreich sind im Osten zwischen fünf und 40 Prozent der Füchse infiziert.

Übertragungswege

Die Tiere scheiden mit dem Kot Wurmeier aus. Infizierten Fuchskot findet man häufig in Kompostanlagen, Obst- und Gemüsegärten oder auf Gehwegen. Menschen können sich anstecken, wenn sie mit Kot verschmutzte Erde, Gras oder Schuhe berühren, sich danach nicht richtig die Hände waschen und die Finger in den Mund gelangen. "Auch Hunde sind eine Gefahr", warnt Deplazes. "Sieben von 100 Hunden, die gerne Nagetiere fressen, sind infiziert." Die Hunde lecken sich am After, verteilen die Eier in ihrem Fell, und beim Streicheln gelangen sie auf die Hände.

Wissenschafter zeigten vor einigen Jahren, wer sich am ehesten infiziert: In drei von vier Fällen waren es Bauern. Ein höheres Risiko hatten außerdem Hundehalter, Waldarbeiter und Menschen, die nahe am Feld wohnten. Es erkrankten auch häufiger Personen, die ungewaschene wilde Erdbeeren gegessen hatten. "Theoretisch könnten die Eier über ungewaschenes Gemüse oder Obst übertragen werden, das in Bodennähe wächst. Das wurde aber nie richtig nachgewiesen", sagt Deplazes. "Das Risiko bei Walderdbeeren ist vermutlich nicht höher als bei ungewaschenem Salat oder Gemüse vom Markt. Außerdem sterben die Eier, wenn man die Speisen über 70 Grad Celsius erhitzt."

Steckt man sich an, gelangt die Larve aus dem Dünndarm in die Leber. Aus einem Bläschen stülpen sich viele weitere kleine Bläschen aus, die wie Krebs in das umliegende Gewebe einwachsen. Manchmal wird eine Larve mit dem Blutstrom verschleppt und vermehrt sich an anderen Stellen weiter, meist in Lunge oder Gehirn. "Oft merkt der Patient die Infektion aber erst nach Jahrzehnten", sagt Herbert Auer. "Das sind dann Beschwerden, die auch bei vielen anderen Krankheiten vorkommen können, etwa ein Druckgefühl oder Schmerzen im Oberbauch." Drücken die Bläschen auf Blutgefäße oder Gallenwege, kann es zu Gelbsucht, Magenentzündung oder Überfunktion der Milz mit Blutarmut und erhöhter Infektanfälligkeit kommen. "Fürchtet jemand, er habe eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm, steckt aber in den meisten Fällen eine andere Krankheit dahinter", sagt Markus Büchler, Chirurg und Experte für Leberkrankheiten an der Uni Heidelberg.

Schwierige Diagnose

Bei jeglichen Beschwerden im Bauch führen Ärzte meist zuerst einen Ultraschall durch. Die Bläschen könne man ab etwa zwei Millimeter Größe erkennen. Vermutet der Arzt eine Echinokokkose, ordnet er Computer- oder Kernspintomografie an und lässt die Wurm-Abwehrstoffe im Blut bestimmen. "Sind die negativ, schließt das eine Infektion aber nicht aus." Parasitologe Auer empfiehlt Menschen mit einem erhöhten Risiko alle zwei bis drei Jahre ihre Abwehrstoffe messen zu lassen. "Sind die positiv, können wir die Infektion schon im frühen Stadium erkennen und behandeln."

Therapie heißt Operation. "In der Regel entfernen wir dabei die rechte oder linke Hälfte der Leber; nur die Bläschen herausschälen reicht nicht", erklärt Büchler. Bei den meisten haben sich die Bläschen bei der Diagnose aber schon so weit in der Leber ausgebreitet, dass der Chirurg sie nicht mehr komplett entfernen kann. "Dann muss der Patient lebenslang ein Wurm-Medikament einnehmen und regelmäßig kontrolliert werden." In ganz seltenen Fällen kommt eine Lebertransplantation infrage. "Leider können wir die meisten Patienten nicht heilen. Die Infektion kann immer wieder aufflammen - sogar in einer transplantierten Leber."

Besser ist, die Verbreitung des Wurmes einzudämmen. Peter Deplazes führt in Zürich seit Jahren Wurmkur-Aktionen durch. "Für Menschen gilt: Obst, Gemüse und Hände immer gründlich waschen", rät Auer, "und die Schuhe vor der Haustür ausziehen." (Felicitas Witte, DER STANDARD Printausgabe, 13.09.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
ca ramba
00
16.9.2010, 23:18

Jessas na, ich hab grad a Handvoll selber pflückte Heidelbeeren gegessen, unter 70°C!
I geh glei speibn.

priority
21
13.9.2010, 18:43
Fuchsbeschiss......ja der Artikel vielleicht..

Auch wenn es der Godesberg löschen lässt wirds nicht wahrer.
Man könnte genausogut eine Warnung vor Dachziegeln oder Blumentöpfen geben.

artemis70
00
13.9.2010, 16:05
he - wo bleibt die dazu passende amerikanische studie?

Ritter von Duchov
00
13.9.2010, 13:47
oh god!

und ich hab gestern eine handvoll brombeeren verzehrt.

aber um das dann zu diagnostizieren, bräuchte man wohl einen dr. house.

Bambi, die Sau
00
13.9.2010, 13:40

Ein Fuchs muß tun, was ein Fuchs tun muß;
Luxus und Ruhm und rulen bis zu Schluß!

King Of Kronenzeitung
00
13.9.2010, 15:54

Ja, das ist mein Ziel, das ich noch nie so klar sah...

Mirstetta Toni
22
13.9.2010, 13:15

angeblich ist einer deutschen talkmasterin beim abholen des deutschen fernsehpreises, die häuslmuschel einer abstürzenden russischen raumstation auf den kopf gefallen.

das liebe schweinderl
04
13.9.2010, 13:07

sofort alle abknallen! was glauben die fuechse wer sie sind?

Andrew Jones
00
13.9.2010, 12:02
Hah..

Ich glaube mehr Menschen werden selbst von Fuchsen aufgefressen auf von deren Parasiten...

Toporosso
02
13.9.2010, 11:49

Mal ganz abgesehen von den Fuchsbandwürmern, der Artikel bestätigt mich in meinem Gefühl, dass Hunde grauselige Tiere sind:
"Die Hunde lecken sich am After, verteilen die Eier in ihrem Fell, und beim Streicheln gelangen sie auf die Hände."
Ich bin kein Hygienezwängler, aber der geschilderte Vorgang ist auch ohne Eier grindig.

Gerhard Müller
35
13.9.2010, 10:56
Nach diesen erschreckenden Erkenntnissen

wundert es mich, wieso es nicht eine flächendeckende Impfung für alle gibt.

Denn jeder ist einmal im Wald, und dass sich Kinder, Jugendliche und sogar Erwachsene manchmal wollüstig auf den Waldpoden werfen, ist belegt.

Desgleichen sofort ein Beeren- und Pilzsammelverbot erlassen. Oder zumindest eine Zwangsdurch- und untersuchung allen Gesammelten und aller Sammler.

Es sind noch viel mehr Gefahren im Wald, deshalb bitte Vorsicht! Auch der Wolf treibt mit den sieben Geisslein und vor allem mit dem Rotkäppchen noch sein Unwesen. Zumindest im Internet.

was ich noch sagen wollte
01
15.9.2010, 14:44

Verschwörungstheoretiker?

fertigprodukt
20
13.9.2010, 11:44

thanx for the laugh! ;-)

Godesberg
49
13.9.2010, 11:26

Es ist mir schleierhaft, wie Sie aus diesem Artikel eine Panikmache ableiten.

Ich finde es amüsant, wie inzwischen bei simplen Informationstexten die Keule "Panikmache" oder "Geschäftemacherei" geschwungen wird und damit auf einer anderen Ebene genau das gemacht wird, was man den anderen (zu Unrecht) vorwirft: maßlose Übertreibung.

Gendo
01
13.9.2010, 14:38

Jip, das ist echt witzig.
Auf den logischen Schluß einfach das nächstemal seine Mitbringsel aus dem Wald abzuwaschen (oder steckt da die Wasserwerke gar hinter dem Artikel, oder die Keramikindustrie???)bevor man sie in den Mund steckt kommt ja keiner. Da schaltet das Gehirn lieber auf die ausgetretenen Pfade der Verschwöhrungshyphothesen.

er t
01
13.9.2010, 10:30
2-3 Erkrankungen

bei rd. 9Mio Einwohnern? Da ist ja Malaria eine ernstzunehmendere Bedrohung für die Österreichische Gesundheit.

Unbeteiligter Dritter
011
13.9.2010, 05:43

zwischen 5 und 40 Prozent?

Da könnte man gleich sagen: man weiß nicht wie viele

Der 7. Zwerg von links
00
13.9.2010, 13:35

vielleicht weils regional unterschiedlich ist, in einer Region nur 5% und wo anders 40%

Aruliho
00
13.9.2010, 10:25
ich empfehle die Phrase "bis zu"

weil die ist auch nichtssagend.
[offtopic]
besonders beliebt bei Internetanbietern: bis zu 8Mbit/s Downloadgeschwindigkeit - wenn eine/r dann nur 8kbit/s* hat und sich beschwert, dann heißt es nur: "wir haben nicht gesagt, dass sie 8Mbit/s haben, sondern nur bis zu; und 8kbit/s* liegt somit innerhalb des Angebots"...wtf? (nach einer wahren Begebenheit)
---
* tatsächlich waren es 1,2 Mbit; Verzerrung des Wertes aus dramaturgischen Gründen

Graph Bobby
00
13.9.2010, 13:51
Gibt's überhaupt irgendwen mit 8Mbps?

Bei mir sind's 3, Verfügbarkeit unter 90%, weil es fast jeden Tag nachts stundenlang ausfällt. Da es immer um ungefähr die gleiche Uhrzeit passiert, anscheinend bei starker Nutzung der Bandbreite durch viele Kunden, würde ich mal davon ausgehen, dass A-Online ein massives Capacity-Management-Problem hat; und das, obwohl hier wohl alle weit von 8 MBit entfernt sind.

sttw
00
13.9.2010, 04:10

Selten, aber grauslich!

caziquelambare
 
00
13.9.2010, 03:05
ich werde

ab sofort die schuhe vor der haustüre ausziehen, obst, gemüse und hände waschen und dann die erdbeeren auf über 70 grad celsius erhitzen

A ndreas Bogeschdorfer
03
13.9.2010, 14:00

Alternativ könnten Sie auch das Obst, Gemüse und die Erdbeeren vor der Türe lassen, die Schuhe waschen und die Hände auf 70°C erhitzen.

Aruliho
00
13.9.2010, 10:27
sie wissen, dass...

es eine statistische Wahrscheinlichkeit gibt, die aussagt, dass sie von einem Meteor erschlagen werden können, wenn Sie das Haus verlassen?

A ndreas Bogeschdorfer
00
13.9.2010, 13:58

Von einem Meteor können Sie wohl auch erschlagen werden , wenn Sie das Haus nicht verlassen. Also ab in den Bunker!

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