Rom - Die Auseinandersetzung um das wachsende Gewicht libyscher
Investoren bei der Bank-Austria-Mutter UniCredit hält an. Die italienischen
UniCredit-Aktionäre, darunter die Sparkassenstiftungen Cariverona, Caritorino
und Carimonte, wollen den libyschen Aktionären Schranken setzen. Sie behaupten,
dass Tripolis' Notenbank, die seit 2008 eine fünfprozentige Beteiligung an
UniCredit hält, und der libysche Investmentfonds LIA, der im Juli mit einem
zweiprozentigen Anteil in die Bank eingestiegen ist, als ein einzigerInvestor
betrachtet werden müssten.
"Wir haben nichts gegen ausländische Investoren. Im libyschen Fall sind wird
aber der Ansicht, dass die beiden Anteile auf einen einzigen Aktionär
zurückzuführen sind. Dies bedeutet, dass die Regeln beachtet werden müssen, die
in der Bank und im nationalen System gelten", verlautete es aus Kreisen um die
Sparkassenstiftung Caritorino, die einen 3,3-prozentigen Anteil an UniCredit
hält. Schließlich dürfe laut Statut der Bank kein Aktionär mehr als fünf Prozent
der Stimmrechte besitzen, und die Libyer würden diese Schwelle gemeinsam
überschreiten.
Zusammen kontrollieren der Fonds und die libysche Notenbank sieben Prozent
der Anteile an der Bank-Austria-Mutter. Libysche Investoren sind somit zum
stärksten Aktionär von UniCredit aufgerückt, was auch das Misstrauen einiger
Politiker der Regierungskoalition in Rom geweckt hat.
UniCredit-Aufsichtsratschef Dieter Rampl ist vom
Corporate-Governance-Ausschuss der Bank-Austria-Mutter beauftragt worden, der
italienischen Notenbank über die Rolle libyscher Investoren im Aktionärskreis
der Gruppe zu berichten. Rampl wird ein Dokument verfassen, das bei der
UniCredit-Aufsichtsratssitzung am 30. September überprüft wird, teilte die Bank
in einer Presseaussendung mit.
Die Börsenaufsicht Consob prüft derzeit, ob es sich bei der libyschen
Zentralbank und dem libyschen Staatsfonds tatsächlich um zwei getrennte
Aktionäre handelt oder ob sie als eine Einheit zu betrachten sind. Die
italienische Notenbank verlangte daraufhin von der Bank Informationen über die
libyschen Investoren. (APA)