Neurophysiologie

Mini-Scan prüft Gehirnentwicklung bei Kindern

10. September 2010 10:19
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    Foto: apa/michael probst

    Fünf-Minuten-Scan erzeugt Momentaufnahme des Gehirns

Neurolgischer Entwicklungsstand wird überprüfbar - Experten hoffen auf zukünftige Früherkennung von Autismus oder Schizophrenie

St. Louis - Die geistige Entwicklung von Kindern könnte bald genauso aufgezeichnet werden wie Größe und Gewicht. Wissenschaftler der Washington University School of Medicine haben ein Verfahren zur Darstellung der Gehirnentwicklung gefunden. Das Team um Nico Dosenbach kombiniert dabei MRI-Scans mit einem mathematischen Programm.

Das Verfahren kann dazu eingesetzt werden, Kinder auf einer "Reifungskurve" zu positionieren. Die Wissenschaftler gehen laut Science davon aus, dass damit eines Tages frühe Anzeichen von Krankheiten wie Schizophrenie oder Autismus festgestellt werden können.

Neuronenbewegung

Im vergangenen Jahr veröffentlichten die Wissenschaftler bereits eine Studie über die Entwicklung der Gehirnfunktion im Verlauf des Lebens. Mittels MRI wurden der Blutfluss und die Bewegung der Neuronen im Gehirn dargestellt. Diese Studie legte nahe, dass bei kleinen Kindern Verbindungen vor allem in bestimmten Regionen des Gehirns vorhanden sind.

Wird der Mensch älter, verschwinden diese Verbindungen auf kurze Distanz und werden durch weitreichendere ersetzt. Diese Signale sind weniger, aber präziser, vermuten die Wissenschaftler.

Momentaufnahme

Das gleiche Team hat jetzt die neurologische Entwicklung von 238 Menschen zwischen sieben und 30 Jahren bildlich dargestellt. Die mittels der MRI-Scans gewonnenen Daten wurden in einem komplexen algorithmischen Computerprogramm ausgewertet und zeigen dann eine Momentaufnahme der Entwicklung des jeweiligen Gehirns.

Laut Dosenbach werden bei einem fünf Minuten dauernden Scan rund 13.000 verschiedene Daten erhoben. Die gewonnene Momentaufnahme kann dann auf einer Entwicklungskurve eingetragen und zum Beispiel mit dem Alter des Menschen in Zusammenhang gebracht werden. Für den Einsatz des neuen Verfahrens zur Erkennung von Krankheiten müssen erst Vergleichsdaten erhoben und ein neues mathematisches Programm entwickelt werden. (pte)

Kommentar posten
16 Postings
metternich
09.02.2011 10:16
Beängstigend

schrecklich, dieser Machbarkeitsgedanke.
Individualität war gestern, Normierung von der Wiege bis zur Bahre, permanent überwacht und dokumentiert, die Perspektive von Morgen , - so scheint,s.

Dozent für neue Runen
10.09.2010 23:01

Der Scan wird hoffentlich nicht als einziges Kriterium zur Beurteilung der Reife und des Geisteszustandes sein.

Bisher wird ja auch nicht nur ein Kriterium für das Feststellen von geistigen Krankheiten oder Intelligenz herangezogen.

m °u° m
13.09.2010 14:05

Alle gleich machen - das ist die Devise.

sovereignty
11.09.2010 08:24
Multiple Entwicklungstests

Ich denke, dass dieser MR Scan einige Entwicklungsstörungen, Störungsvorboten, etc. ausmachen könnte (siehe Posting unten).
Aber ich denke auch, dass viele psychologische, soziale und biologische Faktoren betrachtet werden müssen, erstens um ursächliche und aufrechterhaltende Faktoren auszumachen, aber auch weil die MR-Daten wohl für viele Störungsbilder zu unspezifisch sein werden.

Meiner Meinung nach sollte jedes Kind (neben medizinischen Untersuchungen) auch einer psychologischen Untersuchung durchgeführt werden, in der spielerisch der Entwicklungsstand (Intelligenz, Sozialverhalten, Emotionales Verhalten, Psychomotorik, etc.) untersucht wird und gegebenenfalls präventive Maßnahmen rechtzeitig gesetzt werden können.

metternich
10.02.2011 12:09
Kataster

Sie plädieren also für das " Katasterwesen Mensch,"
jenseits jeder individuellen Entwicklungsmöglichkeit.

A. Sieberer
13.09.2010 10:32

Wobei sich die Frage stellt, welchen Entwicklungsstörungen man dann spielerisch entgegenwirkt. Es soll ja Eltern geben, die alles, was nicht an Höchstbegabung grenzt, als Entwicklungsstörung sehen.

metternich
09.02.2011 10:31
@A.Sieberer

Sie meinen, das leidende Kind als Spielball der egomanisch elterlichen Eitelkeiten. Ausgeliefert in jeder Hinsicht. Das tatsächlich dramatisch Düstere
ist allerdings, der Psychologe/Neurologe spielt in der Regel (ums teure Geld) mit.

Harry Y.
 
11.09.2010 23:16
Man könnte einfacher gegen spätere Krankheiten und Not der Kinder vorsorgen:

indem man den Eltern, den depperten, nämlich beibringt, was ein Kind alles so brauchen wird, wenn es da ist. Bevor es da ist. Stelle mir so eine Art verpflichtende Elternschule vor.

m °u° m
13.09.2010 14:06

Hätte man so leute wie Dich nicht präventiv.... ok, das war jetzt gemein.

Harry Y.
 
10.09.2010 11:52
MMN wird eine Früherkennung der Schizophrenie nur durch Scans

und ohne Beobachtung bzw. Rücksicht auf die familiären Umgebung nur sehr eingeschränkt möglich sein. Es ist ein schwerer Fehler, dem Gehirn/ der Genetik allein die Schuld an psychischen Störungen zu geben. Ich verstehe gar nicht, wieso das und ähnlicher Wahnsinn heute so in den Hirnen mancher Hirnforschern herumspukt:

vielleicht hülfe ein Scan, um die Ursachen dafür festzumachen.

sovereignty
10.09.2010 17:25
Prinzipiell schon möglich

Es ist viel mehr ein Fehler die Gehirnentwicklung nur mit Genetik in Verbindung zu bringen oder psychische Faktoren anzunehmen, die sich nicht im Hirn widerspiegeln.

Die neuronale Struktur ergibt sich durch eine Interaktion von Genetik und Umwelt und man vom Prinizip her müsste es möglich sein jede geistige Funktion mit neuronalen Strukturen und Mechanismen in Verbindung zu bringen.

Daher wäre es sehr wohl möglich hier schon früh Zeichen für spätere Störungen zu finden.

Aber ich gebe Ihnen recht wenn sie sagen, dass ein Blick ins Gehirn unzureichend ist. Schließlich geht es ja auch um die Frage welche genetischen und welche Umweltfaktoren hier eine Rolle spielen, und ob diese therapeutisch oder präventiv angepeilt werden können.

Harry Y.
 
11.09.2010 23:12

Ich habe halt (auch) die Sorge, dass man glauben wird in einer Art von Wahn, alles messen zu können.

Und Schizophrenie: muß das wirklich nur eine Krankheit sein? Kann das nicht eine Reaktion sein auf gewisse Umstände (selbstverständlich kommt eine genetische Sensibilität dafür in Frage)? Und müssen die abnormen Gehirnfunktionen, also die krankhaften Symptome selbst, wirklich alles sein, was die Schizophrenie so an sich hat? Wenn es beim Autismus abnorme Begabungen gibt, warum nicht auch bei der Schizophrenie.

Birgit 68
 
10.09.2010 16:50
Und was hätten die Betroffenen dann davon?

Sollen die Medikamente, die später verschrieben werden, zur Prävention eingesetzt werden?

Harry Y.
 
11.09.2010 23:15

Eher nicht. Besonders schonender Umgang wahrscheinlich. Sonderschulen sicher ;) <Sarkasmus>

Birgit 68
 
13.09.2010 08:34

Das klingt aber sehr nach dem 3. Reich!

metternich
09.02.2011 10:39
@Birgit 68

Aussiebung scheint hier eher die treffendere Formulierung zu sein. Eines scheint jedoch sicher.
Dieses neurol./psychiatrische Tun hat gesellschaftl. Folgen, nicht nur für den Betroffenen, sondern langfristig für die Gesellschaft selbst.
..... und ja, .... ich teile ihre Anschaung.

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