Die heimische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das Wifo erwartet aber eine erneute Verlangsamung
Wien - Der internationale Konjunkturaufschwung hat laut Wirtschaftforschungsinstitut (Wifo) auch die heimische Wirtschaft voll erfasst. Laut den jüngsten Berechnungen des Wifo lag das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) am Ende des zweiten Quartals um 2,4 Prozent über dem
Vorjahreswert. In einer ersten Schnellschätzung vor rund einem Monat war das
Institut noch von 1,9 Prozent ausgegangen. Gegenüber dem Vorquartal betrug das
Plus 1,2 Prozent statt bisher 0,9 Prozent. Auch ihre BIP-Prognose für das
Gesamtjahr von 1,2 Prozent will das Wifo nun anheben.
Das kräftige Wachstum der österreichischen Wirtschaft im zweiten Quartal sei den Wirtschaftsforschern zufolge durch die starke Nachfrage aus dem Ausland bedingt. Auch die Industrieproduktion habe gegenüber dem Vorjahr kräftig zugenommen; die Kapazitätsauslastung liege wieder über dem langjährigen Durchschnitt. Auf dem Arbeitsmarkt setze sich die Erholung fort. International mehrten sich laut Wifo allerdings die Anzeichen dafür, dass die Konjunktur in den USA und in Asien an Schwung verliert. Dies verlangsame auch die weitere Expansion des Welthandels. In Europa habe die Wirtschaft hingegen erst zeitverzögert am internationalen Aufschwung teilgenommen und erst im zweiten Quartal an Dynamik gewonnen.
Die heimischen Exporte stiegen um 5,0 Prozent. Davon profitierte insbesondere die Sachgütererzeugung, ihre Wertschöpfung nahm um 6,3 Prozent zu. Der Exportaufschwung beginne laut Wifo auf die Investitionstätigkeit überzugreifen: Im zweiten Quartal erhöhten sich die Ausrüstungsinvestitionen erstmals seit zwei Jahren gegenüber dem Vorquartal (real +5,3 Prozent). Die Bauinvestitionen sanken hingegen um 2,3 Prozent. Die mäßige, aber stetige Ausweitung der privaten Konsumausgaben setzte sich fort (+0,2 Prozent). Aufgrund des starken Wirtschaftswachstums wurden auch die Importe beträchtlich gesteigert (+3,4 Prozent).
Rückgang bei Industrieproduktion
Die Industrieproduktion ohne Baugewerbe sei im Juni gegenüber dem Vormonat wieder leicht zurückgegangen, nachdem sie seit Jahresbeginn stetig gestiegen war. Sie lag um elf Prozent über ihrem Tiefstwert vom Mai 2009. Die Kapazitätsauslastung erhöhte sich zuletzt deutlich. In der Sachgütererzeugung lag sie laut Konjunkturtest der Europäischen Kommission für das dritte Quartal mit 82,6 Prozent erstmals wieder über dem langjährigen Durchschnitt, der allerdings durch die jüngste Krise deutlich nach unten gedrückt wurde. Der Wifo-Konjunkturtest zeige im August eine anhaltend optimistische Einschätzung der aktuellen Entwicklung. Die Beurteilung der Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten und die Produktionserwartungen liegen in der Sachgütererzeugung über dem langjährigen Durchschnitt, verbesserten sich jedoch seit März nicht weiter. Das lässt laut Wifo darauf schließen, dass der Aufschwung zwar anhält, sich aber nicht beschleunigt.
Die Verbraucherpreise erhöhten sich in Österreich im Juli gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent. Seit März ist die Inflationsrate damit konstant. Die wichtigste Ursache der Preissteigerungen sei die Verteuerung von Mineralölprodukten, die sich in den Bereichen Wohnen und Verkehr niederschlug.
Auf dem Arbeitsmarkt setze sich die Erholung fort. Im August war die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen um 20.400 niedriger als im Vorjahr, die saisonbereinigte Arbeitslosenquote habe nach traditioneller österreichischer Berechnungsmethode 6,8 Prozent betragen. (red)