Kleine Strommarken auf der Haut sind kein Hinweis auf geringe Schädigung - Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen treten unter Umständen verzögert auf
Regensburg - Die meisten Stromunfälle geschehen durch 230-Volt-Haushaltsstrom, im so
genannten Niederspannungsbereich, berichtet der deutsche Pressedienst
obx-medizindirekt. Was müssen Angehörige oder Arbeitskollegen tun, wenn in ihrer Nähe jemand in den Stromkreis gerät?
Die wichtigste Regel beim Stromunfall lautet: Den Stromfluss so schnell wie möglich unterbrechen. Netzstecker ziehen oder
Sicherung ausschalten und das Unfallopfer auf keinen Fall berühren, bevor der Strom abgedreht ist. Denn sonst gerät auch der Helfer in den Stromkreis und bekommt einen Schlag ab. Notfalls kann der Betroffene mit einem nicht leitenden Gegestand von der Stromquelle getrennt werden. Die Hände des Helfers sollten dabei unbedingt trocken sein.
Wenn Hände oder Körperteile ungeschützt mit Strom direkt in Berührung kommen, wird der Körper selbst zum elektrischen Leiter. Dabei werden Körperzellen durch die elektrische Spannung zerstört und die Reizleitung der Nerven wird beeinflusst. Der Betroffene bekommt das in Form von Schmerzen und Muskelkontraktionen zu spüren. Dauert die Durchströmung länger als 300 Milisekunden kann es dazu kommen, dass das Stromschlag-Opfer an der Stromquelle kleben bleibt.
Unsichtbare Schäden
Oft hat es den Anschein, als sei dem Unfallopfer nichts weiter passiert. Auf der Haut sind beispielsweise nur Millimeter große, rötliche Marken sichtbar, wo der Strom ein- oder ausgetreten ist. Die Größe dieser Marken ist aber kein Anzeichen für eine geringe Schädigung. Tiefer im Körper kann der Strom Schlimmeres angerichtet haben. Zumal, wenn der Strom durch das Herz geleitet wurde. Dann können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten - zum Beispiel Kammerflimmern, die häufigste Ursache für Todesfälle nach Stromunfällen im Haushalt. Wird die Atemmuskulatur durch den Strom gelähmt, kann ein Atemstillstand die Folge sein.
Kühlung mit kaltem Wasser hilft
Sichtbare Strommarken sollten rasch mit kaltem Wasser gekühlt werden. Benommenheit, Schwindel, Schmerzen in der Brust oder Schwächezustände können auf Herzrhythmusstörungen hindeuten. Auch wenn sich das Unfallopfer wohlfühlt und keine Strommarken zu erkennen sind, sollte der Notarzt gerufen werden. Das Elektrokardiogramm gibt Aufschluss darüber ob Rhythmusstörungen vorliegt. Da diese unter Umständen verzögert auftreten ist eine kardiologische Überwachung über 24 Stunden unabdingbar.
Sekundärverletzungen möglich
Wichtig ist es auch, an mögliche Zweitverletzungen zu denken, die durch einen Sturz oder Muskelverkrampfungen entstanden sein können. (red)