Koran-Verbrennung

Pastor Jones reist nach "Ultimatum" an Imam nach New York

10. September 2010 17:59

Fundi-Führer sagte antiislamisches Event ab, kündigte es wieder an und sagte es kurz darauf erneut ab - Tochter: "Ich glaube, er ist verrückt geworden"

Gainesville/Washington/Bagdad - Der radikale US-Pastor Terry Jones hat am Freitag nach einem verwirrenden Hin und Her bekräftigt, dass er nun zumindest am Samstag keine Koran-Bücher verbrennen will. Die muslimische Welt mahnte zur Besonnenheit. Dennoch kam es am Freitag und Samstag in Afghanistan zu Gewaltausbrüchen.

"Wir ziehen ganz ernsthaft, ernsthaft, ernsthaft nicht in Erwägung, den Koran zu verbrennen", sagte Jones vor Journalisten in Gainesville (Florida). Auf Nachfragen wollte er sich aber nicht darauf festlegen, dass dies auf Dauer so bleibt.

Sektenchef will Imam treffen

Jones flog am Freitagabend (Ortszeit) nach New York, um den Imam des dort geplanten Islamzentrums mit einer Moschee nahe des Ground Zero zu treffen, wie einer seiner Vertrauten sagte. Am Donnerstag hatte er seinen Verzicht auf die Koran-Verbrennung mit einer Zusage begründet, dass der Bau an anderer Stelle erfolgt. Der für das Projekt zuständige Imam Feisal Abdul Rauf in New York hatte die Aussagen des Pastors aber deutlich zurückgewiesen. Jones will sich am Samstag mit dem Imam treffen.

Am Freitag stellte Jones dem Imam ein Ultimatum: Binnen zwei Stunden müsse der Imam klären, ob er zu einem Treffen und zu Gesprächen über eine Verlegung des Islamzentrums bereit sei, sagte Jones in Gainesville. Er ließ offen, ob er ohne ein solches Treffen die zunächst abgesagte Koranverbrennung am Samstag doch noch abhalten werde.

Allerdings verstrich das Ultimatum, ohne dass der Imam reagierte. Jones flog dennoch nach New York. "Pastor Jones ist nicht mehr in Gainesville", sagte sein Vertrauter K.A. Paul der Nachrichtenagentur AFP. "Er fliegt nach New York. Ich selbst habe ihm das Ticket gekauft und ein Zimmer in New York gebucht." Ob es zu dem Treffen mit dem Imam kommen würde, war aber weiterhin unklar.

Neue Gewalt bei Protesten in Afghanistan

Aus der muslimischen Welt, die am Freitag das Ende des Fastenmonats Ramadan feierte, kamen Stimmen, die zur Besonnenheit mahnten. Dennoch gab es Gewalt. Bei Protesten gegen die Pläne des Pastors wurde am Freitag vor dem Bundeswehr-Feldlager im nordostafghanischen Feisabad nach offiziellen Angaben ein Demonstrant erschossen. Jones sagte, er sei dafür nicht verantwortlich. Die Uruhen setzten sich auch am Samstag fort. Hunderte Demonstranten versammelten sich in der Provinz Logar südlich von Kabul und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. In der Provinz Badachschan im Nordosten gingen den zweiten Tag in Folge Tausende Menschen auf die Straße. "Bislang ist es friedlich", sagte der Polizeichef der Provinz, Aka Nur Kentus. Ein Sprecher der Nato-Truppen sagte, die Militärstützpunkte der Isaf-Schutztruppe seien diesmal nicht betroffen.

Aufruf zur Zurückhaltung

Im Irak rief der schiitische Ajatollah Ali al-Sistani dazu auf, sich von dem Vorgehen des Pastors nicht provozieren zu lassen. "Wir verurteilen diesen Angriff auf den heiligen Koran und betonen die Wichtigkeit, dass diese Aktion nicht ausgeführt wird, aber wir rufen die Muslime auf, höchste Zurückhaltung zu üben", sagte er in Bagdad. In Singapur warnte der muslimische Führer Abu Bakar Maidin, es dürfe angesichts der Provokation keine "Racheakte" geben. In London protestierten Tausende Muslime beim Freitagsgebet in der Baitul- Futuh-Moschee gegen "religiösen Extremismus" jedweder Art.

Pastor Jones, der eine Mini-Gemeinde mit nur 50 Mitgliedern leitet, hatte die Welt mit einem Zickzackkurs genervt. Nach einem persönlichen Telefonanruf von US-Verteidigungsminister Robert Gates gab er am Donnerstag bekannt, dass er die Pläne für die Koran-Verbrennung fallengelassen habe. Wenig später sagte er, er wolle die Entscheidung überdenken. Die Verbrennung sei nur ausgesetzt.

"Voraussetzungen geändert"

Das Hin und Her begründete der Pastor damit, dass sich die Voraussetzungen für die Absage der Bücherverbrennung wieder geändert hätten. Sie beruhte nach seinen Angaben auf einer Vereinbarung mit der muslimischen Gemeinde in New York, dass der umstrittene Bau der Moschee nicht in der Nähe vom Ground Zero verwirklicht werden solle, wo am 11. September vor neun Jahren die Zwillingstürme des World Trade Centers von islamistischen Terroristen zum Einsturz gebracht worden waren.

Dieser von Jones proklamierte Kompromiss wurde jedoch unmittelbar nach der Verkündung von allen Seiten dementiert. Imam Feisal Abdul Rauf sagte: "Wir werden nicht mit unserer noch mit irgendeiner anderen Religion spielen. Noch werden wir einen Tauschhandel treiben." Auch die Planer des muslimischen Kulturzentrums "Park51" bezeichneten die Ankündigung als haltlos.

Jones bekräftigte dagegen am Freitag in einem Interview des Senders ABC, dass es eine Zusage des Imam gebe. Er glaube daran, dass dieser sein Wort halten werde.

Tochter: Jones braucht Hilfe

Die Tochter Jones' hält ihren Vater für "verrückt". Sie habe ihn in einer E-Mail dazu aufgerufen, seine geplante Koran-Verbrennung aufzugeben, sagte Emma Jones in einem Interview mit "Spiegel Online". "Ich habe geschrieben: 'Papa, lass das sein!'" Geantwortet habe er nicht. Die in Deutschland lebende Tochter äußerte sich "schockiert" über das Vorhaben ihres Vaters. "Ich wünsche mir wirklich, dass er zur Vernunft kommt. Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Ich glaube, er ist verrückt geworden." Zwar sehe sie auch seinen gutmütigen Kern: "Aber ich glaube, dass er Hilfe braucht."

Die geplante Verbrennung des heiligen Buches der Muslime hatte die US-Regierung zunehmend beunruhigt. Auch Präsident Barack Obama hatte sich eingeschaltet. Er appellierte an Jones, auf den "zerstörerischen Akt" zu verzichten. (red/APA/dpa)

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Jimmy_Ringo
14.09.2010 10:16
Orwell grüßt

"...die Militärstützpunkte der Isaf-Schutztruppe seien diesmal nicht betroffen."

Was tun die Angriffskrieger aus Europa in Afghanistan. Die Medien machen brav mit und werden dafür bezahlt.

Schutz...jaja

BK W. Shoyssel
13.09.2010 09:43
T e r r o r i s t

Warum halten sich die netten Leute in Karachi auf dem Bild eigentlich dieses große Schild vor den Bauch?

Warentester
11.09.2010 15:53

"Pastor Jones, der eine Mini-Gemeinde mit nur 50 Mitgliedern leitet, hatte die Welt mit einem Zickzackkurs genervt."

Gernervt haben die Welt wohl eher die Medien, die dem vollkommen unwichtigen Clown eine weltweite Bühne geboten haben. Sonst hätte der halt heute ein paar Bücherl verbrannt, und keinen hät's gestört, weil außer seinen 50 Fans es eh kaum wer wahrgenommen hätte.

Cosinus62
11.09.2010 15:28
angedrohte Gewalt wirkt eben!

Johannes St.
 
11.09.2010 15:22
Der Hr. Pastor gehört wohl eher in die Klappsmühle...

erinnye
 
12.09.2010 13:58
warum

weil er einen Haufen Papier verbrennen will?

Sahin A.
12.09.2010 22:59
Dann verbrenn doch mal öffentlich in New York eine amerikanische Fahne

erinnye
 
13.09.2010 17:07
warum sollte ich?

Verbrennen von Sternenbannern ist eine islamische Tradition

Helenos
11.09.2010 14:27

In der Islamischen Welt sind Christen regelmäßig mit körperlichen Angriffen von Moslems konfrontiert. Eine Koranverbrennung wird von den Islamischen Fundamentalisten genutzt um noch weiter und strenger gegen die Christen vorgehen zu können. Die Mohammed Karikaturen der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten kosteten beispielsweise mehr als 100 Menschen das Leben. Eine Koranverbrennung werden noch viele mit dem Leben bezahlen müssen.

BK W. Shoyssel
13.09.2010 09:41

das kommt mir so ähnlich vor, wie:
"Schau den netten Burschen bei der Bushaltestelle ja nicht in die Augen, die verstehen das sonst als Anmache und prügeln uns nieder. Und Du bist dann schuld daran!"

der Farbenblinde
11.09.2010 13:54
Was sagt eigentlich der "Heilige Papst" dazu? Komisch, dass sich von dieser angekündigten Tat nicht distanziert und seine Schäfchen zur Besonnenheit und Toleranz aufruft!!!

Jürgen Rembremerding
 
11.09.2010 21:36
Der Vatikan hat alles bereits 1965 gesagt:

"Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen"

http://www.vatican.va/archive/h... te_ge.html

Weltstaat
 
11.09.2010 19:32

abgesehen davon, dass ratzinger nicht für jones gemeinde verantwortlich ist, hat er sich sehrwohl davon distanziert. Tut mir leid, dass es mir jetzt zu mühsam ist, dies mit einer quelle zu unterlegen. Informieren Sie sich und suchen Sie selber!

an kog
11.09.2010 17:20

Es gibt auch immer wieder Protestanten die ihren Pastoren sagen, dass sie aus Protest gegenüber dem Papst aus der protestantsichen Kirche austreten.

Das ist zwar noch schlimmer, aber den Papst für eine klitzekleine, fundamentalistische Freikirchlergemeinde verantwortlich zu machen, nähert sich dem schon ein wenig an.

Chien de Pique
11.09.2010 15:44
Der Papst würde wohl sagen, dass diese

Schäfchen eine eigene Herde bilden und der katholischen Herde samt Hirten und Hunden des Herrb vor Jahrhunderten den Rücken gekehrt haben. Genau genommen will diese Miniherde des Hirten Jones nicht einmal mehr mit den damals entstandenen protestantischen Herden etwas zu tun haben.
Der Papst würde erklären können, dass er den fanatischen US-Protestanten jahrhundertelang als Feindbild Nr. 1 gedient hat und ihn diese mit den ärgsten Verschwörungstheorien umsponnen und gar als Antichrist und Diener Satans betrachtet haben; jedes Wort von ihm als Ansporn dienen könnte, das Gegenteil zu tun. Viele Freikirchler betrachten Katholiken ja nicht einmal als Christen, zumindest nicht als vollwertige, sondern in Götzendienst und Aberglauben gefangen.

Timagoras
 
12.09.2010 23:07
"Der Papst würde wohl sagen ..."

der papst ist tot (wie ich vorige woche wieder mal von einem Polen belehrt wurde) ;o)

insertnamehere
 
11.09.2010 15:14
Das sind nicht seine Schäfchen.

Ich empfehle eine kleine wikipedia-Recherche zur Übersicht über christliche Kirchen, Sekten und Glaubensgemeinschaften.

Sie werden MASSIV überrascht sein, wie viele Leute alle keine Schäfchen des Papstes sind.

Adune
11.09.2010 14:52

Da Jones eine offizielle Tochter hat ist davon auszugehen, dass er kein katholischer Pfarrer ist, und demnach ist der Papst nicht für ihn verantwortlich, da die Evangelischen keine Berechtigung für das Papsttum sehen ;)

Timagoras
 
11.09.2010 14:46
genausogut könnten Sie fragen "was sagt eigentlich die englische königin dazu?"

1. bin ich mir absolut sicher, dass herr Ratzinger sowas energisch verurteilt,

und 2. was hat der papst mit dieser sekte zu tun?

q_e_d
11.09.2010 14:13

Der Papst ist das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und sonst von niemandem ...

insertnamehere
 
11.09.2010 15:15
Stimmt nicht ganz.

Er ist mW außerdem noch Oberhaupt von ein paar östlichen katholischen Kirchen, die sich von der römischen in ein paar Punkten unterscheiden.

Die freilich auch nichts mit dem Jones und seiner Herde zu tun haben.

vheissu
11.09.2010 13:49
Terry Jones

Man darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass das nur eine besonders elaborierte Monty-Python-Komödie ist...

(gilt auch für Frau Palin!)

Jimmy Hoffa
11.09.2010 13:12
Krass

was da bei den Amis an (religiös) Verblendeten immer wieder rumläuft. Manson, David Koresh, Jim Jones, Fred Phelps, Terry Jones... Tom Cruise ;-) Hat George W Bush nicht auch mal für sich reklamiert "Gott spricht durch mich"!? Aber OK, wer mal 'Jesus Camp' gesehen hat kann eh nicht überrascht sein :-)

Weltstaat
 
11.09.2010 19:34
America - the land of the free

Mister Sure
11.09.2010 13:00
Aber mal ganz ehrlich

Es fällt mir schon schwer die Trotteln festzumachen. Auf der einen Seite ein fundamentalistischer Amerikaner, der zuhause vermutlich ein Waffenarsenal bunkert und auf der anderen Seite islamistische Fundamentalisten, die sich zum (gefährlichen?) Kasperl machen und sich tatsächlich über so etwas derart echauffieren können. Gut, dass ich mich nicht entscheiden muss!

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