Nachtkritik

"Heldenplatz": Respekt vor dem "Original"

09. September 2010 23:29

Theater in der Josefstadt: Michael Degen brilliert in Thomas Bernhards Drama

Wien - Ohne Scheu hat Regisseur Philip Tiedemann für seine leicht gekürzte Josefstädter Fassung von Thomas Bernhards Heldenplatz an der 22 Jahre zurückliegenden, denkwürdigen Burgtheater-Inszenierung von Claus Peymann Maß genommen. Die Premiere am Donnerstagabend wurde mit verhaltenem Applaus in Empfang genommen; sie hätte sich mehr davon verdient. Zwar steht am Ende nichts anderes als eine sachte und deutlich billigere Kopie des "Originals", die von ihrem großbürgerlichen, naturalistischen Duktus einiges eingebüßt hat (Bühne: Etienne Pluss). Doch bringt eine hochkonzentrierte und hier selten so präzise Schauspielkunst einen wenn auch ein wenig abgestumpften, so doch irrwitzigen Suada-Tonfall zuwege, der der Motor des Stücks ist.

Dafür stehen an erster Stelle Michael Degen als Professor Robert Schuster ein und Marianne Nentwich als Haushälterin Zittel. Die in die leicht abstrahierte Welt dieser Wiener Trauergesellschaft eingestreuten Slapstick-Manöver haben vor allem dem dritten Teil, beim Mittagstisch, mehr geschadet als ihn von Patina befreit. Dennoch: Kein schlechter Start in die neue Saison. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2010)

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Posting 1 bis 25 von 46
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krikri
12.09.2010 00:43
heldenplatz 1988

heldenplatz im burgtheater 1988 empfand ich als eine der schönsten und berührendsten burgtheateraufführungen der letzten jahrzehnte.
(nicht die premiere und ein paar folgeaufführungen mit den primitiven störaktionen)

Menschen san eh lieb, d'Leid san hoid Gfraster
10.09.2010 12:14
Inszenierung wird überbewertet!!!

Also in Bezug auf ein Thomas Bernhard Stück. Bernhard's Werke wirken durch Monolge, nicht durch Dialoge oder sonstigen Schnick Schnack.

1998 hat's halt den Zeitgeist getroffen. Die Frage ist, ob sich so ein Stoff tatsächlich für's (heutige) Theater eignet, wo doch immer alles inszeniert werden muss, wo das Regietheater regiert.

Ich habe noch nichts Besseres gelesen, dass dieses Thema derart konzise behandelt, aber schon viel Besseres gesehen!

guzo
10.09.2010 18:16
Thomas-Bernhard-Stücke

werden europa-, ja weltweit gespielt. Nicht, weil sie seinerzeit zeitgeistig waren, sondern weil es sich um Welttheater handelt.

Einzig das stumpfsinnige, provinzielle Österreich tut sich noch immer schwer mit dieser Tatsache.

Kontrahent1
11.09.2010 10:56
Von diesem Österreich,

wie Sie es bezeichnen, schwärmt Peymann heute an seiner Berliner Wikungsstätte in den höchsten Tönen.

Robert Waloch
11.09.2010 00:54
Mehrheit

bedeutet nur Quantität, nicht Qualität...

wackelkandidat
11.09.2010 09:22

Da haben sie vollkommen recht.

Was hat das aber mit den Theaterstücken von Thomas Bernhard zu tun?

Robert Waloch
11.09.2010 11:54
Guzo wird's verstehen

mit seiner Definition, was wo gespielt wird....

guzo
11.09.2010 16:18

Ich vielleicht, Sie sicher nicht.
Aber macht nichts.
Provinz braucht Provinzler.
Und Stumpfsinn Stumpfsinnige.

Robert Waloch
12.09.2010 00:51
Sie & Ihresgleichen

sind somit auf Österreich angewiesen....

yoghurtinator
 
10.09.2010 13:02
1988

nicht 1998.

Menschen san eh lieb, d'Leid san hoid Gfraster
10.09.2010 13:07

Oh, danke für die Korrektur!

Kontrahent1
10.09.2010 11:47
Prof. Schuster

als Venedigs Polizeipräsident. Oder umgekehrt. Die Masche aus den Donna Leon-Krimis wird rauf und runter gespielt von Herrn Degen.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
10.09.2010 15:54
Michael Degen

konnte aber auch Gary Powers!

:-))

ICH heiße Jörg - ICH habe Euch nicht belogen
10.09.2010 11:46
Ich hab mir die "Vorpremiere" angetan.

Nach dem 2. Akt war Schluss.

Bernhard war ein bedeutender Autor, mMn hätte er bei der Prosa bleiben sollen. Die Dramen, die ich bis jetzt sah ("Elisabeth II.", "Heldenplatz", 1x Burg, 1x Josefstadt zur Hälfte), fand ich nicht gut, was vielleicht auch an der Inszenierung lag. Das Dialog-Schreiben lag ihm offenbar nicht, "Heldenplatz" besteht nur aus Monologen.

Aber das, worüber B. im "Heldenplatz" schreibt, stimmt zum größten Teil leider immer noch.

wackelkandidat
10.09.2010 12:37

die Dramen, die ich bis jetzt sah (Ein Fest für Boris, Der Ignorant und der Wahnsinnige, Die Jagdgesellschaft, Der deutsche Mittagstisch, Die Macht der Gewohnheit, Vor dem Ruhestand, Der Theatermacher, Ritter, Dene, Voss, Elisabeth II, Heldenplatz, Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen) fand ich hervorragend.

Robert Waloch
11.09.2010 11:58
Hervorragend, ja - als

Lesetexte, für den einer Bühnenwiedergabe gemäßen dramatischen Ablauf aber kaum geeignet....

wackelkandidat
11.09.2010 12:49

Finde ich gar nicht.
Die Texte sind sehr theatralisch.

Robert Waloch
11.09.2010 16:17
Der INHALT

der durch diese Texte transportiert wird, aber kaum - und das Stück als Ganzes somit wenig tauglich für eine Bühne....

wackelkandidat
12.09.2010 00:26

Finde ich gar nicht.
Die Texte sind sehr theatralisch.

Meine Lieblingsstücke sind übrigens Die Jagdgesellschaft und Ein Fest für Boris.

Robert Waloch
12.09.2010 00:54
Die Texte

sind nichts weiter als Sprachspielereien und benötigen als solche keinen Inhalt - DAS bewies das FEST FÜR BORIS damals im Akademietheater (mit Holzmeister als Gute und Dallansky als Boris) sehr gut...

wackelkandidat
12.09.2010 10:06

Ich verstehe nicht, was sie mit Sprachspielereien meinen.

Ein Fest für Boris hat doch einen Inhalt:
"Die Gute" ist eine Charityqueen, wie etwa die Husslein oder die Gürtler oder der Gerry Keszler.
In der ersten Szene probiert die verkrüppelte "Gute" Handschuhe und Hüte und schikaniert dabei ihr Hausmädchen aufs Gröbste.
In der zweiten Szene schikaniert sie nicht nur ihr Hausmädchen, sondern quält auch noch ihren Mann Boris, den sie im "Krüppelasyl" ausgesucht und geheiratet hat.
Und in der 3. Szene wird der Geburtstag von Boris gefeiert. Eine lustige, ausgelassene Party. Dabei wird auch das Hausmädchen verstümmelt, damit es in diese geistig und körperlich behinderte Gesellschaft passt.
Schon x-mal in "Seitenblicke" gesehen.

Robert Waloch
14.09.2010 12:07
Sprachspielereien

Nun, wenn Sie zweimal "Find ich gar nicht" schreiben, so ist das simple Spracharmut; wenn Bernhard aber NEUHAUS hundertmal als Namen nennt und nie durch ein "dort" oder ähnliche Ortsbestimmungen ersetzt, dann ist das wohl - absichtsvolle - Sprachspielerei....

wackelkandidat
14.09.2010 12:22

eigentlich hätte ich es wissen müssen:
statt Argumente lese ich eine Beleidigung.

Auf mein Posting gehen sie gar nicht ein.
Da sind sie nämlich im Argumentatsionsnotstand:
Sie schreiben: "Die Texte
sind nichts weiter als Sprachspielereien und benötigen als solche keinen Inhalt."

Vielleicht benötigen sie keinen Inhalt, aber sie haben ihn. Ich habe ihnen sogar eine Inhaltsangabe geliefert.

Robert Waloch
14.09.2010 16:04
Ihre Spracharmut

als solche zu bezeichnen ist für Sie also Beleidigung - dann beleidigen Sie sich aber nur selbst!
Was den BORIS-Inhalt betrifft, bzw. das, was Sie sich da zurecht gebastelt haben: "Charityqueen" - das reicht vielleicht zur Bewertung Ihrer bernhardschen Perspektiven-Dioptrie, zu sonst aber nix....

wackelkandidat
14.09.2010 21:02

Alles klar.

Tschüssi, Bussi, Baba.

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