Trainer seit Ende August wegen Behinderung einer Dopingkontrolle für sechs Monate gesperrt
Lissabon - Portugals Fußball-Nationaltrainer
Carlos Queiroz ist mit sofortiger Wirkung entlassen worden. Das gab
Gilberto Madail, der Präsident des Portugiesischen Fußball-Verbandes
(FPF) nach einer Sondersitzung am Donnerstagabend in Lissabon
bekannt. Der 57-Jährige Queiroz war Ende August aufgrund der
Behinderung einer Dopingkontrolle während eines WM-Trainingslagers im
Mai von Portugals Anti-Doping Agentur für sechs Monate gesperrt
worden. Er soll dabei die Kontrolleure wüst beschimpft haben.
Die FPF-Disziplinarkommission hatte Queiroz bereits Mitte August
für 30 Tage gesperrt. Der nunmehrige Rausschmiss des Trainers war
erwartet worden. Bei den ersten missglückten EM-Qualifikationsspielen
des Vize-Europameisters von 2004 (4:4 gegen Zypern, 0:1 gegen
Norwegen) hatte Agostinho Oliveira die Portugiesen betreut.
Die Entlassung von Queiroz im Verbandspräsidium sei einstimmig
gefallen, teilte FPF-Präsident Gilberto Madail mit. "In Anbetracht
der jüngsten Ereignisse, hat der FPF-Vorstand einstimmig beschlossen,
den Vertrag von Carlos Queiroz aufzulösen", erklärte Madail. Queiroz,
dessen Vertrag noch zwei Jahre gelaufen wäre, sei umgehend über die
Entscheidung informiert worden, die genauen Gründe für seine Ablöse
werden ihm demnächst mitgeteilt.
Madail ließ durchblicken, dass auch die Leistung der Mannschaft
bei der WM eine Rolle beim Rausschmiss gespielt habe. "In Südafrika
wurden nicht alle Ziele erfüllt", betonte er. Portugal war zwar im
Achtelfinale immerhin am späteren Weltmeister Spanien mit 0:1
gescheitert. Die defensive Spielweise der "Lusos" soll aber nicht nur
die Fans und die Medien, sondern auch die Nationalspieler um Weltstar
Cristiano Ronaldo und viele FPF-Funktionäre verärgert haben.
Medien schrieben nach der WM, Queiroz sei nur deshalb nicht sofort
nach dem Aus gefeuert worden, weil der FPF die finanziellen
Konsequenzen gefürchtet habe. Eine Kündigung des bis 2012 laufenden
Vertrages hätte den Verband damals fünf Millionen Euro gekostet. Die
Sperre durch die Dopingagentur habe nun eine fristlose Kündigung
möglich gemacht, heißt es jetzt in Lissabon.
Nun werde man sich daran machen, einen Nachfolger zu finden, die
Suche soll bis vor dem nächsten EM-Qualispiel gegen Dänemark am 8.
Oktober abgeschlossen sein, so Madail. Als Favoriten auf die
Nachfolge von Queiroz gelten der frühere Nationalspieler und
Ex-Trainer von Sporting Lissabon Paulo Bento, Humberto Coelho, der
bisher Tunesien trainierte, sowie Luis Aragones, der Spanien 2008 zum
EM-Titel geführt hatte. (APA/Reuters/dpa)