ORF-Generaldirektor: "Dass in Österreich jeder mit irgendeiner Farbe angemalt werden muss, ist etwas, was man nur ablehnen kann"
Wien - ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat nach der Bestellung von TV-Chefredakteur Karl Amon durch den Stiftungsrat am Donnerstag Vorwürfe zurückgewiesen, dass dieser ein "roter Personalwunsch" gewesen sei. Die parteipolitischen Punzierungen einzelner Kandidaten für ORF-Jobs könne man nur "aufs schärfste zurückweisen", so der ORF-Generaldirektor. "Dass in Österreich jeder mit irgendeiner Farbe angemalt werden muss, ist etwas, das man nur ablehnen kann."
Die Nachbesetzung in der TV-Chefredaktion werde "sehr zeitnah" ausgeschrieben, sagte Wrabetz. Er betonte erneut, dass nur eine interne Nachbesetzung infrage komme. Auf einen Wunschkandidaten legte er sich nicht fest: "Da gibt es mehrere sehr geeignete Persönlichkeiten", dies werde außerdem mit Informationsdirektor Elmar Oberhauser besprochen.
Die Stiftungsratsvorsitzende Brigitte Kulovits-Rupp kritisierte die verbale Hochrüstung im Vorfeld der Amon-Bestellung: "Hier wurde doch eine Diktion und Vokabular gewählt, die nicht nur ich, sondern auch große Teile des Stiftungsrates abgelehnt haben." Eine Spaltung des Gremiums sieht sie nicht:" Angesichts des Votums, das 23 Stiftungsräte Karl Amon das Vertrauen ausgesprochen haben, denke ich nicht, dass man von einer Spaltung sprechen kann."
Grundsätzlich zeigte sich Wrabetz am Ende der Stiftungsratssitzung am Donnerstag zufrieden. Er sprach von einer "historischen Sitzung, weil wir sehr positive Dinge berichten konnten". Neben der Bestellung von Amon habe man dem Stiftungsrat das Halbjahresergebnis und die Pläne für den neuen Spartenkanal für Information und Kultur vorgestellt. "Der ORF hat es geschafft, aus eigener Kraft in die schwarzen Zahlen zurückzukehren", sagte Wrabetz. Auch für 2010 sei eine positive Bilanz in Sicht. Damit habe man sowohl die Auswirkungen der Wirtschaftskrise als auch die strukturbedingten Umstellungen durch die Digitalisierung bewältigt. "Wie man sehen konnte, greifen unsere Sparmaßnahmen, die wir in den vergangenen Jahren gesetzt haben."
Weiters beschlossen wurden die Pläne für den neuen Spartenkanal für Information und Kultur, der aus dem bisherigen TW1 entstehen soll. Die Medienbehörde soll nun eine Auftragsvorprüfung übermittelt bekommen. Wenn diese positiv ausfällt, kann im kommenden Jahr ein Antrag gestellt werden und der Sender im Frühjahr kommendes Jahr starten. (APA)