Warum Stronach für die SPÖ Wahlwerbung macht und warum das die ÖVP ärgert
Wahlkämpfe sind immer wieder auch Umschlagplätze für Verfolgungsfantasien aller Art. Eine solche ausgelöst hat jetzt der austrokanadische Autoindustrielle Frank Stronach. Der gebürtige Steirer marschierte dieser Tage ins Landesstudio des ORF und verkündete dort in einer Livesendung, mehr oder weniger ungefragt, dass er ein Fan von SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves sei.
In der Kleinen Zeitung präzisierte Stronach: "Ich als Steirer und steirischer Wirtschaftsmann würde Franz Voves wählen." In der ÖVP-Parteizentrale am Grazer Karmeliterplatz hob ein Beben an. Umgehend wurden ORF-Verantwortliche per Telefon mit steirisch saftigem Ton gerügt, wie sie denn Stronach diese Fangfrage, was er vom Wahlkampf halte, stellen hätten können. Auch der Journalist der Kleine Zeitung soll einige Unfreundlichkeiten über die Veröffentlichung ausgerichtet bekommen haben.
Schließlich kamen VP-Strategen zum Schluss: Es könne sich nur um ein Komplott handeln. Drahtzieher müsse der ehemalige, von der Partei vertriebene ÖVP-Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl sein, der in Stronachs Magna-Imperium heute als Manager werkt. Dieser habe Stronach zur Wahlempfehlung überredet und die Sache mit befreundeten Journalisten im ORF und der Kleinen Zeitung eingefädelt. Der "Drahtzieher" äußert sich nur knapp: "Paranoia." (mue, DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2010)