Internet

Umwelt profitiert von der "Wiederverkaufskultur"

10. September 2010 12:07

Deutsches Forschungsprojekt befragte ebay-Nutzer zu ihrem Kaufverhalten

Berlin - Mit der Wirtschaftskrise hat das Wegwerfen von Gegenständen abgenommen, der Handel mit Gebrauchtwaren zugenommen. Gewinner ist dabei indirekt die Umwelt, da sich einerseits die Lebensdauer der Produkte verlängert und andererseits weniger neue Güter gekauft wurden, so das Ergebnis der nun vorgestellten Studie "Wiederverkaufskultur im Internet". Die Forschungsarbeiten wurden vom Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem Borderstep Institut durchgeführt. Da der Online-Marktplatz ebay aktiv eingebunden war, konnten 6.700 ebay-Nutzer online befragt werden.

Den Antworten der ebay-Nutzer zufolge hätten rund 40 Prozent von ihnen Kinderkleidung ohne ebay neu statt gebraucht erworben. Bei Notebooks und Sofas wären es rund 25 Prozent. Ein kleiner Teil von knapp über 14 Prozent hätte sich ohne die Online-Auktionsplattform die Produkte gar nicht leisten können. "Alle diese durch den Wiederverkauf im Internet wegfallenden Neukäufe entlasten jedoch nicht automatisch die Umwelt", betont Siegfried Behrendt, Koordinator des Forschungsprojekts. Für strom- und wasserverbrauchende Produkte spiele das Alter der Geräte und damit die Effizienz der Geräte eine große Rolle. Das wäre bei gut 20 Prozent der auf ebay gehandelten Produkte zu bedenken.

Potenzial

Insgesamt zeige die Studie, dass der Gebrauchthandel mit Gütern umweltentlastend ist. Potenzial ist da. "In deutschen Haushalten werden nicht mehr benötigte Produkte mit einem durchschnittlichen Wert von 1.000 Euro aufbewahrt", weiß Stephan Zoll Geschäftsführer von ebay Deutschland. "Hochgerechnet sind das über 40 Milliarden Euro." So liegen laut den Forschungsergebnissen zwölf Millionen Handys in Deutschland ungenutzt in Schubladen herum, 3,7 Millionen PCs werden nicht mehr angeschaltet - insgesamt hat jeder Haushalt 16 Produkte, die noch funktionieren und gut erhalten sind, aber ausgemustert worden sind.

Eine große Mehrheit der Befragten, 86 Prozent, kann sich vorstellen, in Zukunft häufiger gebrauchte Produkte zu verkaufen. Es bilde sich sogar eine Gruppe heraus, die Gebrauchtes kauft und es besonders pfleglich behandelt, um es später wieder zu verkaufen. "Genuss auf Zeit" nennen die Wissenschaftler dieses Verhalten der so genannten Prosumer.

Insgesamt habe die Befragung gezeigt, dass sich das Konsumverhalten verändere: Es werden lieber höherwertige gebrauchte Produkte statt Billigwaren gekauft und Gebrauchtes wird lieber verschenkt als es wegzuwerfen. (pte/red)

Kommentar posten
12 Postings
Graf Ologe
13.09.2010 17:55
Meine Löcher im Socken sind tadellos sauber und werden sogar größer!

Wo kann ich die abgeben?

Couchsurfer
10.09.2010 18:30
Meine 2 Tipps

Meine 2 Tipps

www.umsonstladen.at (Wien, Graz & Innsbruck)

und mittlerweile wieder

www.willhaben.at (kaufe & verkaufe dort wieder)

Zhdophanti
12.09.2010 14:41

Hab vor kurzem über Ebay von der Verschrottungsprämie gebraucht gemacht und mir billigeErsatzteile für mein Auto geholt ;)

HerrHugo
10.09.2010 17:30
Haha - dafür wird jeder kleinste Dreck

gleich 3 mal um den Globus geschickt.

DANKE !!!
die Umwelt.

A ndreas Bogeschdorfer
10.09.2010 13:42
Gebrauchtes wird lieber verschenkt als es wegzuwerfen

Leider steht dem in Österreich teilweise die Gesetzgebung im Weg. Wer Sperrmüll mitnimmt kann eine Diebstahlsanzeige ausfassen. Dümmer geht's nicht.

In Hamburg stellen die Leute nicht mehr Gebrauchtes auf die Straße und wer's brauchen kann, nimmt es sich mit. Die österreichische Neidgesellschaft verhindert das per Gesetz. Echt krank.

ad vocem
10.09.2010 16:21
Na wenn sie ...

... beim Sperrmüll was finden, was sie brauchen können, dann müssens halt anläuten. Wird ihnen sicher keiner ihren Wunsch abschlagen. Es sei denn, die Ungarn waren schon da.

Und das mit dem "Diebstahl" ist auch nicht ganz unberechtigt. Bei den Schwiegereltern zB war in der früh auch der Anhänger weg, weil der halt zufällig in der gleichen Einfahrt gestanden ist wie der abzuholende Sperrmüll ...

sturmy
10.09.2010 13:35
Bezahlte Werbung...

Nick Tameer
10.09.2010 11:58
"Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung"

Klingt auch nach Recycling. Günstig von Horx erworben, 3-2-1-meins, wiederaufgearbeiet und gleich einen Auftrag der PR-Abteilung von e-bay erhalten?

Blick Winkel
10.09.2010 10:45
"Wiederverkaufskultur": Welch eine schöne Ausrede

Bei ebay überwiegen die Powerseller, die zumeist billigen Ramsch aus China in hoher Stückzahl verkaufen. So gesehen fördert Ebay die Wegwerfgesellschaft in gigantischer Dimension. Ich finde es bewundernswert wie lange Ebay noch vom "Schäppchen"-Image leben kann.

Wer hat wohl die Studie bezahlt?

mereandor
 
10.09.2010 11:50
„nur Auktionen“ suchen

Wenn du bei der Suche „nur Auktionen“ berücksichtigst und dann noch die Such regional einschränkst bekommst du die chinesischen Powerseller garnicht mehr zu gesicht.

der schalldämpfer
10.09.2010 01:09

Jetzt schon der zweite Artikel von pte übernommen…
Kann man den Standard auf pte.at schon vorab lesen?!?

Gratulation an Temmel & Seywald! Geschäftsmodell funktioniert! Anstatt Inserate zu schalten, einfach den unterbesetzten, schlechtbezahlten und dadurch überforderten Redakteur(inn)en mundegerechte Texte liefern – die sind schon so verzweifelt, dass sie fast alles übernehmen. Und die Firmen kriegen Gratiswerbung für einen Bruchteil der Schaltkosten. Schliesslich ist ein redaktioneller Artikel auch mehr Wert als eine Inseratschaltung. Ned bl*d. Von den Unternehmen.

der schalldämpfer
10.09.2010 01:03
Gratulation…

dem „Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung”! Schließlich konnten sie für Ihren Kunden „ebay”, der aufgrund dubioser Praktiken mancher seiner Mitglieder ein wenig in Vergessenheit geraten ist, über „pte” im Standard und weißgottnochwo platziert. Gelungene PR mit einem Nicht-Thema.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.