"Zeugen unerwünscht"

09. September 2010 19:07
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    Foto: wdr / dolce vita films/intermezzo films

    "Zeugen unerwünscht": Hollman Morris berichtet dennoch.

"Lauter schreien": Pressefreiheits-Doku zu Kolumbien am Freitag auf Arte

Wien - Bis zur Morddrohung gehen die Einschüchterungsversuche: Nach drei Wochen muss Juan José Lozano 2008 die Arbeit an Zeugen unerwünscht abbrechen. Der Porträtierte, Hollman Morris, berichtet seit 15 Jahren über die Konflikte in seiner Heimat Kolumbien. In seiner Sendung Contravia (Gegenverkehr) deckte er Verbindungen des früheren Präsidenten Alvaro Uribe zu Drogengeschäften der Paramilitärs auf, berichtete von politischen Morde und die Not in den Dörfern. Ende 2008 musste Morris' Sendung ausgesetzt werden. Uribe wird ihn 2009 Komplizen des Terrors nennen, was Morris ein Forschungsstipendium in den USA kostet.

Der Konflikt trifft die Zivilbevölkerung. Internationale Kontrolle versagt: "Keiner kommt, um zu sehen, was hier passiert", sagt Morris. Der 41-Jährige lebt mit ständigen Morddrohungen, Frau und Kind brauchen Begleitschutz.

Kolumbiens TV ergeht sich in Wellnessprogrammen, in denen Uribe Komplimente an Angelina Jolie und die "sehr sehr schönen Kolumbianerinnen" verteilt. Im Juni löste der frühere Verteidigungsminister Juan Manuel Santos Uribe ab, ein rechtskonservativer Hardliner. Gewalt begleitete die Wahl, mindestens 17 Menschen starben.

In seiner Arbeit sieht sich Moris sabotiert: "Die Zensur des Geldes verbannt uns auf unmögliche Sendeplätze. Das Einzige, was uns bleibt, ist noch lauter zu schreien, damit man uns besser hört."

"Zeugen unerwünscht" zeigt vor allem ein Leben, in dem das Rechtssystem keinen Schutz bietet, sondern Angreifer ist. Der Journalist lebt das Leben derer, über die er berichtet, die ihr Vertrauen in den Staat verloren.

Morris wirkt frustriert und des-illusioniert: "Was kann ich ihnen bieten? Eine Reportage, die in ein, zwei Wochen wie üblich zu nachtschlafender Zeit ausgestrahlt wird. Wozu das Ganze?" Noch lässt sein Kampfgeist nicht nach: Medien müssen das Sprachrohr der Opfer sein, fordert er: "Journalismus darf nicht tatenlos zusehen, wie die Regierung den bewaffneten Konflikt Tag für Tag leugnet." (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 10.9.2010)

Freitag, 22.55, Arte

viajero1
18.09.2010 16:15

die sendung zeigt ziemlich genau, wie das alles in kolumbien funktioniert, interessant ist aber, dass die verfechter des uribe-kurses, endlich mal nicht im formu mitreden wollen, wahrscheinlich sind es einfach die fakten und ein letztes bißchen anstand, die es hier verhindern, dass wieder einmal respektlos über die opfer des konflikts und die gefahr durch staat und rechte milizen für die zivilbevölkerung gesprochen wird...die massengräber kolumbiens sprechen eine eindeutige sprache, auch werden polizei, armee und DAS als die menschenrechtsverbrechen dargestellt die sie sind, auch die guerrilla wird nicht verschont, wie mit morris umgegangen wird, ist das was allen kritikern im demokratischen kolumbien passiert..

sirnicha
12.09.2010 05:58
9/11

auch dieser tag war ein echo auf die politik washingtons. kolumbien wird auch von den amerikanern menschenrechtlich traktiert, weil es doe dortige regierung stützt. aber was solls, die amis sind nicht lernfähig.

papst benedikt
10.09.2010 22:41

redaktionell so emsig versteckt zu werden, könnte einer diesbezüglichen venezuela- oder kubameldung im standard jedenfalls nicht passieren...

jean val jean
09.09.2010 19:02

unvorstellbar

Thousand
10.09.2010 12:45
naja

macht korrumpiert

es ist nur naheliegend, dass polizei, militär, geheimdienste, richter, staatsanwälte in lukrative schwarzgeldgeschäfte verwickelt sind. ist übrigens nicht nur in kolumbien so.

Jene Grüne Straßenkatze
10.09.2010 11:00
...

Vor allem so ungeschickt: Morddrohungen sind gar nicht notwendig, um kritische Presse zu verhindern. Das westeuropäische Modell sieht einfach vor, dass unbequeme Journalisten still und leise ihren Job verlieren - Einschüchterung ist nicht notwendig, wenn sie bestenfalls noch Blogs schreiben können.

jean val jean
11.09.2010 11:21

genau, u.a. auch wegen der medienkonzentration
und die eu spielt mit

Onkel Hans1
10.09.2010 12:02
Ich würde es nicht ungeschickt nennen.

Es wird halt immer der ganze Handlungsrahmen ausgenützt, der zur Verfügung steht, um die Presseunfreiheit durchzusetzen. Und der Rahmen ist in Mitteleuropa nun etwas begrenzter als in Südamerika.

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