Kopf des Tages

Freundschaft begleitet Amons Lauf

9. September 2010, 18:37
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    foto: apa/fohringer

    Karl Amon.

Ab 1. Oktober ist Karl Amon Radiodirektor - für 15 Monate.

Kameras bevorzugt Karl Amon von hinten. Einen TV-Auftritt vor Jahren quittierte der Kurier hämisch mit "A Star is born". Nun musste Amon in die ZiB, als neuer Direktor. Für das ORF-Radio. Dort ist er vor Kameras eher sicher.

Freundschaft prägt Amons Karriere. Mit Elmar Oberhauser zum Beispiel. Der Vorarlberger schätzte ihn nicht nur als zweiten Mann und Macher, als er in den 1990ern mit ihm die ZiB 2 reformierte.

Amon (60) weiß, wie er mit Vorarlbergern umgeht: Geboren in St. Pölten, wuchs der Eisenbahnersohn an Dienstorten des Vaters auf, erst westlich des Arlbergs. "Stolz" ist er auf seine Arbeiterfamilie, auch wenn er ab 13 in den Ferien Geld verdienen musste - als Skilehrer, DJ, bei Siemens Berlin, in der Arbeiterkammer und im ORF.

Oberhauser wurde 2006 Infodirektor und holte seinen "Unterhauser" als TV-Chefredakteur. Als Radiochefredakteur war Amon durch seine Unabhängigkeit von der bürgerlichen ORF-Linie unter Schwarz-Blau aufgefallen.

Oberhauser und Amon hörten 2009 seltene Kritik von ORF-General Alexander Wrabetz: Die TV-Information fiel durch ihr überzogenes Budget auf. Und das in harten Sparzeiten für den ORF. Der Anlass zur zarten Rüge kam gelegen: Da versuchte Kanzler Werner Faymann (SP), Wrabetz an der ORF-Spitze durch Amon zu ersetzen. Vielleicht auch eine Männerfreundschaft.

Amon tendiert bei Chefs bisher zu Doppelstrukturen: Ressort- und Sendungschefs parallel.

Ums Sparprogramm scherten sich Ober- wie Unterhauser wenig, als sie trotz tiefroter Bilanzen den allgemeinen Pensionszwang brachen: Beide bestanden darauf, langjährige Sekretärinnen zu halten. Als einzige Ausnahme im ORF.

Im Funkhaus dürfte die Büroleiterin Amon nur noch kurz wie all die Jahre freispielen - ihr Pensionsantritt ist nun doch für Jahresende vereinbart. Das dürfte Donnerstag dem Betriebsrat die Zustimmung zu Amon als Radiodirektor erleichtert haben.

Amons Unterhauser trat schon im Funkhaus an: Sein TV-Vize Stefan Ströbitzer ist nun Radiochefredakteur.

2011 wählt der Stiftungsrat die gesamte ORF-Führung neu. Nicht nur bürgerliche Stiftungsräte rechnen mit Amon als Generalskandidaten. Freunde können dabei helfen: Faymann mit der roten Mehrheit, Oberhauser als Berater und Lobbyist für andere Couleurs, Ströbitzer als Direktor. Amon winkte Donnerstag wieder ab, komme zum Radio, "um zu bleiben". Als Unternehmenschef müsste Amon doch wieder mehr vor die Kamera. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 10.9.2010)

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