23 von 35 Stiftungsräten stimmten für Karl Amon als Radiodirektor - zehn schwarze und zwei blaue gegen ihn - Dass er als Wunschkandidat des Kanzlers gilt, bereitet ihm "kein Problem" - "Alles tun, dass das Orchester bleibt"
Wien - TV-Chefredakteur Karl Amon erhielt Donnerstag rote, grüne, orange, unabhängige und Betriebsratsstimmen sowie die zweier Bürgerlicher: Heinz Fiedler und Gerhard Tötschinger. Er tritt seinen Job mit 1. Oktober an. Im Radio sieht Amon keine akuten Baustellen. Als TV-Chefredakteur findet er "alle meine Führungskräfte geeignet", auch Armin Wolf. Und das RSO? Amon erklärt, er ist "Freund des Orchesters" und will "alles tun, was ich kann, dass das Orchester bleibt".
STANDARD: Radiodirektor gilt als Ihr "Lebenswunsch". Warum das? - Einige Stiftungsräte finden, man braucht den Job gar nicht.
Amon: Das ist mein Traumjob. Radio ist ein sehr intelligentes Medium, das Beste, um Menschen neugierig, kreativ, lebensfreudig zu machen, gesellschaftspolitisch zu interessieren. Die Palette kann kein Fernsehen bieten.
STANDARD: Und Sie wollen diesen Traumjob auch mehr als eineinviertel Jahre, wenn die Funktionsperiode der ORF-Führung endet?
Amon: Ich bin gekommen, um zu bleiben. Das ist keine Zwischenstation.
STANDARD: Sie treten 2011 nicht zur ORF-Generalswahl?
Amon: Wäre Generaldirektor mein Traumjob, hätte ich mich um den bemüht. Ein Traumjob ist ein Traumjob. Jetzt hab ich ihn , und bei dem bleibe ich. Wie bei einer Frau, die man sehr liebt. Ich zumindest bin geblieben.
STANDARD: 2011 wird die Zahl der ORF-Direktoren von sechs auf vier reduziert. Der Radiodirektor könnte Online dazu bekommen.
Amon: Ich nehme Online gerne. Aber Online gehört zum Fernsehen. Vernünftig wäre, diese Redaktionen zusammenzufassen. Nachts deckt etwa in Oslo und Stockholm ein Team TV-Nachrichten und Online ab. In die Richtung müssen wir gehen.
STANDARD: Schon lange Thema ist, alle drei Medien in einen Newsroom zu packen - damit würde der Radiodirektor wohl seinen Chefredakteur verlieren.
Amon: Ja zum trimedialen News-room, ein Zehnjahresprojekt. Das heißt nicht, die gleichen Menschen bedienen alle drei Medien.
STANDARD: Sie gelten als Wunschkandidat von Kanzler und SPÖ-Chef Werner Faymann.
Amon: Ich habe damit überhaupt kein Problem. Firmen müssen Eigentümer haben. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk gehört dem österreichischen Volk. Dieses Volk ist repräsentiert durch gewählte Vertreter, so ist das in Demokratien. Ich hätte eines, würde ich mich instrumentalisieren lassen. Wer meine Geschichte kennt, ist hier sorgenfrei. Ich hoffe, dass ich sehr bald der Wunsch auch des Publikums werde. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 10.9.2010)