Das Europäische Parlament rettet wieder einmal die Ehre der Union - von Thomas Mayer
Nach dem peinlichen Nichtstun der EU-Kommission, die sich bei den
massenhaften Abschiebungen von Roma mit "windelweichen Erklärungen
rausschummelt" (© Hannes Swoboda), rettet das Europäische Parlament die Ehre der
Union. Wieder einmal.
(Fast) immer, wenn es um Zielkonflikte zwischen Wirtschafts- und
Sicherheitsinteressen auf der einen bzw. Schutz der Grundrechte auf der anderen
Seite geht, tut sich ein tiefer Graben auf. So auch beim Streit um die fahrenden
Roma. Diese sind, das sollte man nicht vergessen, eine kleine Minderheit in der
Minderheit einer Volksgruppe, die jahrhundertelang ausgegrenzt, verfolgt, von
den Nazis vergast wurde. Wenn sie sich nun, nach dem (gefeierten) Fall des
Kommunismus und der EU-Erweiterung nach Osten, wieder frei bewegen können, dann
mag das da und dort Probleme schaffen. Aber die muss man gemeinsam angehen,
europäisch lösen, statt diese Menschen ins Elend zurückzukollektivieren. Die
Roma gehören zu Europa wie Binnenmarkt und Eurozinsen. Den EU-Abgeordneten sei
Dank.
Was unternimmt diesbezüglich eigentlich Österreichs Außenminister und was der
Bundeskanzler? Letzterer könnte zum EU-Gipfel nächste Woche vielleicht gleich
den Obmann des Kulturvereins der Roma in Österreich mitnehmen und mit
Frankreichs Staatspräsident zusammenbringen. Die hätten einander viel zu sagen.
Der eine heißt Rudolf Sarközy, der andere Nicolas Sarkozy. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2010)