Pflanzen werden weniger bestäubt

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    foto: apn/winfried rothermel

Forscher sieht nicht nur Rückgang der Tierpopulationen, sondern auch den Klimawandel als wichtigen Faktor

Würzburg - Bienen und Hummeln gelingt es langfristig immer schlechter, Blütenpflanzen zu bestäuben. An dieser Entwicklung ist einer neuen Studie zufolge zwar auch der Rückgang der Tierpopulationen beteiligt, entscheidender dürfte jedoch der Faktor Klimawandel sein. "Die Zeiten, in denen der Hummelflug beginnt, stimmen immer weniger mit den Blütezeiten der Pflanzen überein", so Studienleiter James Thomson von der Universität Toronto. Die Ergebnisse der 17-jährigen Studie sind im Journal "Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences" veröffentlicht worden.

Untersuchung

Die Wissenschaftler untersuchten unberührte Bergwiesen der Rocky Mountains seit Ende der 80er-Jahre. Teils bestäubten sie die Pflanzen zusätzlich per Hand, um den maximal erreichbaren Befruchtungserfolg zu erheben und einen Vergleichswert zu haben. Es zeigte sich, dass die Befruchtungsrate besonders im Frühling abnimmt, wenn sich die Hummelkönigin noch im Winterquartier befindet, während es schon Blüten gibt. "Nicht nur menschliches Eingreifen oder der Milbenbefall verringern somit die Bestäubung, sondern auch die globale Erwärmung", schließen die Forscher.

Die Änderung der Jahreszeiten sieht auch Hartmut Vierle, Bienenforscher an der Universität Würzburg, als sensiblen Punkt für den Bestäubungserfolg. "Der Sommer folgt immer schlagartiger auf den Winter. Insekten können jedoch mit schönem Wetter nicht sofort ausfliegen, sondern brauchen Zeit, um die Stärke ihres Volkes zu erhöhen. Eine Bienenkönigin kann bis zu 2.000 Eier pro Tag legen und es dauert mehrere Wochen, bis die neue Bienengeneration mit dem Nektar- und Pollensammeln beginnen kann", so der Experte.

Weitere Ursachen

Weitere Ursachen für die schlechtere Bestäubung schreibt der Forscher dem Verlust der Bestäuberinsekten zu. Die Auslöser des Populationsrückgangs sind vielfältig und noch nicht eindeutig geklärt. "Der Einsatz von Pestiziden oder der Befall der Varroamilbe gehören dazu, jedoch auch der Verlust der Vielfalt in der Landwirtschaft", so Vierle. Die großen Monokulturen auf den Äckern haben dafür gesorgt, dass Bienen aus der Stadt heute oft gesünder sind als am Land. "In der Stadt gibt es Balkonblumen, Friedhöfe und immer häufiger auch insektenfreundliche Gärten. Bienen sind nur gesund, wenn sie reichhaltiges Nahrungsangebot haben." (pte/red)

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