Schweizer Kulturförderung entdeckt Computerspiele

9. September 2010, 17:45

"Game Culture" ist in den kommenden zwei Jahren ein Schwerpunkt von Pro Helvetia

Computerspiele der neusten Generation mit einem künstlerischem Anspruch haben in der Schweiz ab sofort Chancen auf Fördergeld. Die Kulturstiftung Pro Helvetia, das Bundesamt für Kultur (BAK) sowie die SUISA-Stiftung für Musik haben das Förderprogramm lanciert.

"Die Computerspiele sind die erste populäre Kunstform, die komplett digital und interaktiv angelegt ist", sagte Pius Knüsel, Direktor von Pro Helvetia am Donnerstag an einer Medienkonferenz am Animationsfilm-Festival Fantoche in Baden AG. Das Fantoche ist einer der Partner von "Game Culture". Für den Animationsfilm seien Computerspiele eine "sehr interessante Schnittstelle", sagte Duscha Kistler, künstlerische Leiterin des Festivals.

Computerspiele seien "der kleine Bruder des Films"

Es gebe zahlreiche Gemeinsamkeiten wie Szenarien zu schaffen, Figuren zu entwickeln oder beispielsweise das Storytelling. Computerspiele seien "der kleine Bruder des Films", sagte Nicolas Bideau, Chef der Sektion Film des Bundesamts für Kultur.

Für die erste Runde stehen insgesamt 300.000 Franken (233.300 Euro) zur Verfügung. Das Geld wird je zur Hälfte von Pro Helvetia und dem BAK aufgewendet. Ein Projekt erhält maximal 50.000 Franken, wobei das Gesamtbudget des Spiels nicht über 250.000 Franken liegen darf.

Schweizer Entwickler können bis im im Frühjahr 2011 einen spielbaren Prototyp einreichen. Eine Jury unter der Leitung von Guillaume de Fondaumière, der bei einer französischen Produktionsfirma Computerspiele produziert, vergibt die Beiträge.

Einen Preis von 15.000 Franken vergibt die SUISA-Stiftung für Musik für die beste originale Sound-Komposition. Der Klang von Computerspielen soll "nicht mehr nerven", sagte Urs Schnell, Direktor der SUISA-Stiftung für Musik.

Ziele

Keine Chance auf Fördergelder haben Spiele mit pädagogischer oder therapeutischer Zielsetzung, Werbeproduktionen und Spiele, die die Gewalt verherrlichen oder verharmlosen oder einen pornografischen Charakter haben.

Man suche gezielt den künstlerischen und kulturellen Aspekt, sagte Duscha Kistler vom Fantoche zu den Kriterien. "Game Culture" ist in den kommenden zwei Jahren ein Schwerpunkt von Pro Helvetia.

Dafür wendet die Kulturstiftung insgesamt 1,5 Millionen Franken auf. Das Thema sei "kulturpolitisch wichtig", hielt Direktor Pius Knüsel fest. Pro Helvetia sei auch schon für diesen Schwerpunkt kritisiert worden.

Dies bestätige ihn jedoch auf seinem Weg, sagte Knüsel. Die positiven Reaktionen haben ihn hingegen überrascht. "Noch mit keinem anderen Thema konnte die breite Gesellschaft derart mobilisiert werden", hielt er fest. Es seien zahlreiche Anfragen für Partnerschaften eingegangen. (sda)

 

badoli from Hell
04
10.9.2010, 10:52
Schweiz, willkommen im neuen Jahrtausend!!!

"Der Klang von Computerspielen soll nicht mehr nerven"
"Computerspiele seien der kleine Bruder des Films"

Oh Mann, die kommen mit Ansichten von 1986 daher. Kann jemand unser Nachbarland bitte mal wecken? Aber gut, wieviele Schweizer Spiele-Entwickler gibts überhaupt? Mir fällt nichtmal eins ein.

Warentester
05

"Computerspiele seien "der kleine Bruder des Films", sagte Nicolas Bideau, Chef der Sektion Film des Bundesamts für Kultur."

Der Typ hat so offensichtlich nix verstanden und keine Ahnung, dass es schon fast weh tut.

badoli from Hell
04
10.9.2010, 10:48

Die arroganten Film-Heinis sind echt immer wiedre amüsant...

Besondere Kennzeichen: keine
30
10.9.2010, 09:49
Erklärs uns, bitte!

Mathias
 
01
13.9.2010, 12:46
ganz langsam zum Mitschreiben...

Film: aktiver Konsum
(Computer)Spiel: aktiver Konsum

Anders gesagt:

Schach ist als Film langweilig, aber zum selber Spielen ist dann wieder eigene Denkleistung erforderlich ....

Müllmann Mayer
01
10.9.2010, 17:16
Wie soll

Ignoranz etwas erklärt werden??? :-( Um noch mehr Vorurteile aufzubauen ist mir meine Zeit und mein Leben zu schad, anderen ja um Gamer zu sein und so... Nichts mehr zu sagen. "Mundtot gemacht", aber nicht durch eine "Medien-Maschine" wie es von "Kulturjournalisten des Jahres" heißt, sondern durch die Gewalt dieser hiesigen Normen, der Brutalität einer normierten Schaffung von "Kultur" welche nichts anderes tut als Andere(s) ständig und nachhaltig ab- sowie auszugrenzen. Wo "Kulturschaffende" wie eine eigene Spezies behandelt werden und offenbar keineswegs alle Menschen seien - wo Menschen wie ich aufgrund ihres Körpers als "andere Lebensformen" noch gönnerhaft beschimpft werden, etc.
Wo das Übermenschen-Gehabe links wie rechts durchdringt.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.