Wiener BZÖ träumt vom Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde - Kritik am roten Verwaltungsapparat
Wien - Was macht eine Partei ohne Basis? Sie feiert ihren Wahlkampfauftakt im 19. Stock. Walter Sonnleitner steht im Ares-Tower in Wien-Donaustadt und sagt: "Natürlich kann man in der Pension auch Rosen züchten." Aber politisches Engagement sei ihm wichtiger, meint der ORF-Pensionist.
Rund 150 Mitglieder und Freunde sind gekommen zum Wahlkampfauftakt des BZÖ Wien. Sonnleitner beschwört - wie bei seiner Vorstellung im Juni - einen Sparkurs für Wien und fordert Schluss mit der roten Parteibuchwirtschaft. "Sie müssen als Unternehmer in Wien ein Zauberwort kennen, und das heißt nicht Simsalabim, sondern Freundschaft", ätzt Sonnleitner in Richtung Michael Häupls SPÖ.
Analyse statt Brandrede
Ansonsten gibt sich der ehemalige Wirtschaftsjournalist sachlich und programmorientiert, doziert fast eine Stunde über die aufgeblähte Wiener Bürokratie, missglückte Prestigebauten (Prater-Vorplatz, neuer Hauptbahnhof ohne U-Bahn-Anschluss) und ausschweifende Inseraten-Kampagnen. "Ich glaube, dass die am Tag mehr für Inserate ausgeben, als wir in sechs Wochen Wahlkampf", meint Sonnleitner zu den viel beworbenen parteinahen Wiener Unternehmen.
Freilich erinnert die Rede des sachlichen Sonnleitner mehr an den Vortrag eines Wirtschaftsprofessors denn an einen flammenden Appell an die Funktionäre. "Ich tue mir schwer beim Lügen. Dann bin ich halt kein Berufspolitiker. Aber ich kann's halt nicht", sagt Sonnleitner und erntet Zwischenapplaus.
Strache und Marek "Mogelpackungen"
Den Job des Berufspolitikers - nicht in Hinblick auf das Lügen, sondern auf das gute Stimmung Verbreiten - übernehmen für ihn Bundesobmann Josef Bucher und Ex-Minister Herbert Scheibner. Bucher ruft mit deutlich lauterer Stimme als Sonnleitner: "Wir nehmen keinen Populisten, der Sprüche klopft, und keinen, der Unterhaltung bietet." Mit Sonnleitner habe man einen ehrlichen, erfahrenen Wirtschaftsprofi. FPÖ-Chef HC Strache und ÖVP-Spitzenfrau Christine Marek seien "zwei Mogelpackungen", da sie im Nationalrat bzw. in der Bundesregierung bleiben würden.
Scheibner sieht das Wiener Bündnis auf Kurs in den Landtag. "Wenn das BZÖ diese fünf Prozent übersteigt, dann ist die Absolute der SPÖ auf jeden Fall weg. Eine größere Motivation kann es gar nicht geben", ermuntert er die Funktionäre zu laufen.
Kleinpartei muss fünf Prozent schaffen
Sonnleitner will die Verwaltung entschlacken und dadurch den Mittelstand entlasten. Die Umsetzung einer anderen BZÖ-Forderung würde ihm selbst das Leben erleichtern: Die Hürde für den Landtag soll ab der nächsten Wahl auf vier Prozent gesenkt werden. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 9.9.2010)