FPÖ, KPÖ, BZÖ und Christen bereiten Voves und Schützenhöfer Kopfschmerzen
Graz - Auch wenn sich das ganze Wahlkampfgetöse auf den Zweikampf um den Chefsessel zwischen Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) und seinen ÖVP-Herausforderer Hermann Schützenhöfer konzentriert: Die entscheidende Begleitmusik wird in den Rängen dahinter gemacht.
Denn wer auch immer Erster sein wird, die Kleinen werden bei der Landeshauptmann-Frage diesmal ordentlich mitmischen.
In der Landesregierung verfügt die SPÖ gegenwärtig über fünf, die ÖVP über vier Sitze. Die meisten Prognosen gehen davon aus, dass die FPÖ wieder in die Regierung einziehen könnte und als Zünglein an der Waage in einer 4:4:1-Konstellation entweder die SPÖ oder die ÖVP zur Landeshauptmannpartei machen könnte.
"Interessant", sagt der Politikwissenschafter Peter Filzmaier, "dass jetzt die FPÖ aber selbst schon ihre Zweifel hat. In Oberösterreich war die FPÖ in einer ähnlichen Situation. Sie hatte den Landesregierungsitz vor Augen und daher einen sehr ruhigen Wahlkampf geführt. Die Freiheitlichen wussten, einen zweiten Sitz bekommen wir nicht, warum also im Wahlkampf etwas riskieren? Auch in der Steiermark hätte die FPÖ ohne Provokationen auskommen können - hätte man annehmen können -, denn es hatte den Eindruck, dass die Partei stark genug für einen Regierungssitz ist. Aber so, wie sich die FPÖ jetzt verhält, mit ihrem aggressiven Wahlkampf, geht sie offenbar selbst davon aus, dass es Spitz auf Knopf kommt."
Für Filzmaier verhalten sich aber auch die Grünen "merkwürdig". Die Grünen müssten, um ebenfalls in Regierungsstärke zu kommen, im Gegensatz zu den Blauen, "wesentlich offensiver und provokanter auftreten". Filzmaier: "Sie haben nichts zu verlieren. Ein bisschen dazugewinnen nützt ihnen nichts. Denn auch für sie gilt nur das eine Ziel: Wir wollen in die Landesregierung."
Auf dem Weg in die Regierung kommt den Grünen jedenfalls auch das steirischen Phänomen KPÖ in die Quere, das in Graz, der Hochburg der Grünen, besonders stark ist und sich auch nach dem Abgang ihrer Galionsfigur Ernest Kaltenegger erstaunlich etabliert hat. Können die Kommunisten ihr Potenzial einigermaßen halten - die KPÖ ist mit vier Mandaten immerhin die drittstärkste Partei im Landtag -, wird es für die Grünen eng mit einem Landesregierungssitz.
KPÖ ärgert die Grünen
Die KPÖ ärgert in Graz nicht nur die Grünen, sondern auch die ÖVP. Filzmaier: "Eine starke KPÖ lukriert auch von der ÖVP wertvolle Stimmen. " In der Industrieregion der Obersteiermark wiederum ziehen die Kommunisten womöglich wichtiges Wählerpotenzial von der SPÖ ab.
Der politische Alleinunterhalter Gerald Grosz geht in erster Linie der FPÖ auf die Nerven. Im Kampf um das rechte Wählerspektrum könnte er von den Radikalismen und Hetzereien (Minarett-Onlinespiel) des FPÖ-Spitzenkandidaten Gerhard Kurzmann profitieren, indem er die Gemäßigteren, denen Kurzmann zu weit geht, anspricht und damit der FPÖ den Regierungssitz womöglich mithilft zu vereiteln. Dann, wenn er den Sprung in den Landtag schafft und auf Mandatstärke anwächst.
Entscheidende Stimmen
Schließlich: die Christen. Ein erzkonservativ-katholisches Grüppchen tritt landesweit an und könnte - wenn es tatsächlich zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Voves und Schützenhöfer kommt, der ÖVP entscheidende Stimmen wegnehmen. Schützenhöfer hat noch gut in Erinnerung, als seine Partei nach der Wahl 1995 nur 2414 Stimmen vor der SPÖ lag.
Filzmaier ist aber überzeugt, dass dieses jetzt oft beschworene Kopf-an-Kopf-Szenario am Wahltag obsolet sein wird: "Die Schere oben geht immer weiter auseinander. Es wird einer klar vorn sein."(Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2010)