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Milo Tesselaar (28) ist ein LOHAS, bezeichnet sich aber nicht als ein solcher. Er stammt aus Graz, lebt in Wien und hat die Idee eines Magazins realisiert, das ökologisch-soziale Werte in einen neuen Kontext setzt sowie in einer neuen sprachlichen und visuellen Ästhetik präsentiert. 2007 ist „BIORAMA - Magazin für nachhaltiges Leben mit Stil" gemeinsam mit dem Wiener Verlag Monopol entstanden.
![Mitte 2010 hat sich Tesselaar von BIORAMA zurückgezogen und arbeitet am HUB Vienna ("An inspiring place for people with ideas for a better world
to work, meet, learn, connect"). Anfang September hat er gemeinsam mit Alexis Eremia [freims] concept design studio gegründet. Mitte 2010 hat sich Tesselaar von BIORAMA zurückgezogen und arbeitet am HUB Vienna ("An inspiring place for people with ideas for a better world
to work, meet, learn, connect"). Anfang September hat er gemeinsam mit Alexis Eremia [freims] concept design studio gegründet.](http://images.derStandard.at/t/12/2010/09/09/1283015392265.jpg)
Mitte 2010 hat sich Tesselaar von BIORAMA zurückgezogen und arbeitet am HUB Vienna ("An inspiring place for people with ideas for a better world to work, meet, learn, connect"). Anfang September hat er gemeinsam mit Alexis Eremia [freims] concept design studio gegründet.
Schon seit einigen Jahren geistert die Bezeichnung LOHAS (Lifestyle Of Health And Sustainability) in Publikationen von Zukunftwissenschaftern herum. Nur was versteckt sich wirklich hinter dieser „Lebensweise voll Gesundheit und Nachhaltigkeit". derStandard.at hat mit Milo Tesselaar, einem der LOHAS-Vorreiter in Österreich, gesprochen.
derStandard.at: Wofür steht LOHAS jetzt im Alltagsleben und woran erkennt man die klassischen Vertreter?
Milo Tesselaar: Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man in Bezug auf LOHAS nicht in Zielgruppen sondern in Communitys denkt. Es handelt sich um unterschiedliche Menschengruppen, die wohl zu den gebildetsten, kritischsten und daher auch zu den am schwersten fassbaren zählen. Was sie alle verbindet sind die Werte. Ihr Lebensstil äußert sich im Verlangen nach einem Mehrwert eines Produkts oder einer Dienstleistung - das ist mehr als nur das Image einer Marke oder das tolle Preis/Leistungs-Verhältnis, das ist ein Verlangen nach Geschichte und Authentizität. Es geht um Lebensqualität für mich und meine Umwelt. Es geht um Innovationsfreude (z.B.: New Media), gesellschaftliche Offenheit und kulturellen Fortschritt. Auch Design und zeitgenössische Ästhetik sind wesentliche Faktoren.
derStandard.at: Das heißt, es gibt keine klassischen LOHAS-Treffen. Ist das also nur ein Kunstbegriff, der wenigen bewusst bzw. bekannt ist, aber von einigen bereits in irgendeiner Form gelebt wird?
Tesselaar: Ich falle wohl in die Gruppe der LOHAS, bezeichne mich aber nicht als LOHAS - das ist typisch, und verständlich weil sich niemand gerne mit einer Kategorisierung identifiziert, vor allem auch, weil die Definition unklar ist: „Wo fängt ein LOHAS an und wo hört dieser auf ?" Das ist ähnlich wie beim Begriff „Bobo", wozu sich auch wenige Leute freiwillig zählen, aber viele einen entsprechenden Lebensstil führen. Ich denke in Bezug auf LOHAS kann man nicht in den klassischen Zielgruppen-Faktoren wie Alter, Wohnort, Geschlecht, Einkommen denken. Das kann ein 35-jähriger Banker sein, der sein Auto verkauft, im Bioladen einkauft und eine Ökostromanlage für sein Haus plant. Oder ein Alt-68er, der am Ende einer erfolgreichen beruflichen Karriere steht und sein Auto auf Biogas umrüstet und prinzipiell nur Urlaub in Österreich macht - oder eine junge GEWI-Studentin, die sich für sozial-ökologische Mode („Green Fashion") begeistert.
derStandard.at: Gibt es klassische LOHAS-Marken?
Tesselaar: Freitag-Taschen zähle ich dazu. Schuhe von Camper bzw. in Österreich Waldviertler. Auch Apple fällt für mich da hinein - das ist insofern widersprüchlich, da Apple nicht zwingend die nachhaltigste Computerfirma ist, aber hier zählt vor allem der Fortschritts- und Design-Aspekt. Und natürlich unterschiedliche Lebensmittelmarken, in Österreich von „Ja Natürlich" bis „Sonnentor". Es geht ja nicht ausschließlich um Bio oder Öko, sondern um einen ganzheitlich nachhaltigen Lebensstil. Mit dem von mir gegründeten Magazin Biorama wollte ich genau das abdecken: von ethischer Geldanlage bis fairer Tourismus, und grüner Mode bis nachhaltiger Technologie, von biologischer Ernährung bis zum bewussten und konstruktiv-nachhaltigen Wandel ohne Schuldgefühle!
derStandard.at: Kann man diese Gemeinschaft dennoch irgendwie fassen?
Tesselaar: Ja klar. Wenn man die Werte dieser Gruppierungen versteht und diese auch als Unternehmen selbst lebt - und auch die Produkte und die Kommunikation entsprechend sind, denn ökologisch soziale Werte sind die am meist verbindenden Elemente! Die Kaufentscheidung basiert einfach nicht mehr nur auf dem Preis sondern auf der Geschichte und dem korrekten Background des Produkts. Idealistisch ausgedrückt, geht es nicht darum, weniger zu schaden, sondern Natur, Mitmenschen und Gesellschaft zu fördern, zeitgenössische Lösungen für alte Probleme zu finden und als Individuum wie auch als Gesellschaft schlicht und einfach glücklich zu sein.
derStandard.at: Das klingt sehr nobel und visionär, nur wie verkauft man diese Idee der Mehrheit?
Tesselaar: Ich will niemandem Nachhaltigkeit verkaufen, ich will auch niemanden davon überzeugen. Die Menschen sollen von selbst draufkommen und eigene Lösungen finden - das ist wahre Nachhaltigkeit. Hierfür gilt es, Impulse zur Selbstreflexion und Perspektiven zu liefern - das ist einer meiner Tätigkeiten. Wir in Österreich sind aus meiner Sicht recht hörig, was wohl an unserer Geschichte und verstärkt an unserem Bildungssystem liegt, das seit über 200 Jahren nie bewusst ganzheitlich gestaltet wurde, das ist immer irgendwie passiert - unglaublich! Wir lernen also nicht, Lösungen zu entwickeln, sondern vor allem vorhandenes Wissen zu übernehmen - im Vordergrund steht das Funktionieren anstatt des Gestaltens. Wir nützen nicht ansatzweise unsere individuellen und kollektiven Potenziale! Das müssen wir zum Wohle des Individuums, der Gemeinschaft und der Wirtschaft ehestmöglich ändern!
derStandard.at: Häufig wird versucht, ökologisches oder nachhaltiges Verhalten dadurch zu erreichen, dass man den Menschen ein schlechtes Gewissen macht.
Tesselaar: Ja, aber das funktioniert langfristig nicht und wird nicht zum „Glücklich sein" führen! Das ist das Gegenteil von echter Überzeugung und also auch nicht nachhaltig. Es geht darum, jegliche Form von Ideologie und Moral zu vergessen und ganz einfach pragmatische Entscheidungen zu treffen und danach zu handeln. Ein simples konsumorientiertes Beispiel: „Brauche ich jeden Tag im Jahr Zugriff auf Bananen oder Erdbeeren?"
derStandard.at: Aber kann sich tatsächlich jeder ein nachhaltiges Leben leisten?
Tesselaar: Nachhaltiges Leben ist nicht per se teurer. Das ist eine Frage der Prioritätensetzung! Es geht etwa darum, Interesse für einen simplen Lebensstil zu wecken - simpel nicht im Sinne von billig oder trashig, sondern im Sinne von innovativ und kreativ. Ein plakatives Beispiel: Überlegungen anstellen, wie viel Geld man ohne Auto spart und gleichzeitig die Lebensqualität erhöht. Auch eine „Wir müssen verzichten"-Einstellung ist ein krasser Fehler - das ist wie immer mit Dogmen, diese führen nicht weit und schon gar nicht zum Fortschritt und Glück. Viel wichtiger ist, dass wir unser individuelles und kollektives Leben wieder viel stärker nach dem „Hausverstand" ausrichten und dass wir uns von einer passiven zu einer aktiven Gesellschaft wandeln. Schließlich auch keine Angst vor dem Scheitern haben oder Fehler zu machen, weil das hindert uns am Experimentieren und Ausprobieren. Wir müssen in Österreich eine Kultur des Trial & Error etablieren.
derStandard.at: Welche Botschaft kann man Zwangspessimisten entgegenhalten, die sowohl klimatisch als auch von den Energiereserven u. ä. her die Welt längst dem Untergang geweiht sehen?
Tesselaar: „Think small!" Wir können keine Probleme - weder unsere noch die anderswo - lösen, wenn wir permanent aufgrund der großen Themen wie Klima, Hunger, Katastrophen in Ohnmacht verharren. Ich bin der Meinung, dass die Zeit gekommen ist, in der wir beginnen sollten, uns nicht nur aufgrund von Leid/Krise und Geldvermehrung zu verändern. Daher meine Einladung fürs Erste: Reflektiere deinen Job, dein Kaufverhalten, dein Engagement gegenüber der Gesellschaft und der Natur und lege dann den Focus auf die Lösung eines Problems, ganz egal welcher Größe - der Wert besteht nicht in der Größe des Problems. Und damit verbunden auf das Hören auf die ureigenen Ideen! Denen gilt es zu folgen, dies gilt es umzusetzen! Das wirkt sich dann erheblich auf die Steigerung unser aller Lebensqualität aus.
derStandard.at: Das klingt fast messianisch, vor allem in Zeiten einer immer noch nicht überstandenen Weltwirtschaftskrise und mit der Perspektive von sich stetig fusionierenden Großkonzernen. Ist tatsächlich eine globale Trendwende möglich?
Tesselaar: Wenn das Leadership von Unternehmen und Politik aus Überzeugung auf eine neue dem Gemeinwohl und der Natur entsprechenden Wertebasis umstellt, dann ist das möglich. Hierfür muss bei jedem von uns ein kulturelles Umdenken hin zu einem kollaborativen Leben mit Mensch und Natur stattfinden, das wir in unserem Alltag, in unseren Forderungen und vor allem Taten manifestieren. Es muss der Druck auf die Politik steigen und jeder einzelne muss Verantwortung für sich selbst, die Gesellschaft und die Welt, in der wir erfreulicherweise leben, übernehmen. Ich glaube daran, dass der „Mensch" eine ausgeprägte Fähigkeit zur Gestaltung auf unterschiedlichen Ebenen sowie zur Entwicklung eines neuen Bewusstseins, besitzt.Daher an dieser Stelle z.B.: die Frage: Wie viel Routine habe ich in meinem Leben und wie viel und welche davon will ich wirklich? (Martin Obermayr, derStandard.at, 9.9.2010)
MILO TESSELAAR (28) stammt aus Graz, lebt in Wien und hat die Idee eines Magazins realisiert, das ökologisch-soziale Werte in einen neuen Kontext setzt sowie in einer neuen sprachlichen und visuellen Ästhetik präsentiert. 2007 ist „BIORAMA - Magazin für nachhaltiges Leben mit Stil" gemeinsam mit dem Wiener Verlag Monopol entstanden. 2009 hat er das Magazin nach Deutschland gebracht. Mitte 2010 hat er sich von BIORAMA zurückgezogen und arbeitet jetzt vom HUB Vienna ("An inspiring place for people with ideas for a better world to work, meet, learn, connect") unter anderem an folgenden Themen: "Impulse für Kulturellen Wandel", "Innovation in Politik, Unternehmen und Organisationen", "Valuebased Concept Design", "Eco-Social Entrepreneurship". Mehr im Blog: www.milotesselaar.com
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Da faseln die von "Sustainovation" oder gar "Sustainopreneur", das kommt gut bei den LOHAS-Schwaflern, und schämen sich nit: http://weisssee.com/initiativ... eneurship/
...Sozialgruppierung (der man selbst natürlich nicht angehört, nein, natürlich nicht, niemals) als die "gebildetste, kritischste", zu bezeichnen, ist jetzt nicht unbedingt ein Zeichen für einen kritischen, zumindest selbstkritischen Geist.
Die Anführung diverser Marken als Definition des Selbstverständnisses weist vielmehr auf einen konsumorientierten, die eigenen Werte wenig hinterfragenden LIfestyle-schnösel hin.
Da passt dann auch, dass im Zweifelsfalle der "Fortschritts- und Design-Aspekt" dann doch wichtiger ist als die Nachhaltigkeit.
Oder anders: glaubt der Kerl den Unsinn, den er da verzapft, eigentlich selbst?
Und wo liegt jetzt das Problem? Bio ist es trotzdem. Bezahlung ist fair -soviel ich weiß - und wenn man Menschen in anderen Ländern etwas helfen will muss man den Transportweg auch in Kauf nehmen. Ist bei den ganzen Fair-Trade Projekten auch nicht anders.
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