Reportage

St. Pöltens neuer alter Bahnhof eröffnet

09. September 2010 17:21
  • Artikelbild
    Foto: der standard/robert newald

    Wo heute Passagiere im Bahnhof St. Pölten durch das Hauptportal, die neue Halle und Passage zu den Zügen marschieren, fuhren bis 2007 noch Autos und Busse - sowie früher die Kutschen

Die Kosten für die Rundumerneuerung beziffern die ÖBB mit 208 Millionen Euro

St. Pölten - Viele, die durch eine der drei automatischen Glasschiebetüren des Hauptportals den Bahnhof betreten, verlangsamen ihre Schritte und recken das Kinn ein wenig nach oben. Ein Mann streckt den Zeigefinger Richtung Fahrkartenschalter und murmelt seiner Frau zu: "Schau, die san a scho übersiedelt."

St. Pölten hat jetzt eine Bahnhofshalle. Seit ein paar Tagen ist sie in Betrieb. Heute, Freitag, wird sie offiziell eröffnet. Auf ihren unmittelbaren Vorgänger, einen dunklen, niederen Warteraum in einem an das historische Gebäude angestückelten 60er-Jahre-Neubau traf das Wort "Halle" nicht gerade zu: Vergleichbar eng war der Saal mit den winzigen Kiosken und einer Handvoll Sitzplätze. Der Weg zu den Bahnsteigen führte durch einen neonbeleuchteten, mit gelbstichigen Fliesen ausgekleideten Schlauch.

"War wirklich schiach"

Rund 26.000 Fahrgäste täglich frequentieren den St. Pöltener Hauptbahnhof, dessen Fassade nun in frischem Pastellgelb gestrichen wurde. Unter den Pendlern ist auch Maria Zehetner aus Neulengbach. "Die alte Halle war echt schon schiach", sagt sie, "jetzt gibt es alles, was man braucht."

In der Halle befindet sich ein zweistöckiges Fastfoodrestaurant (das noch auf Einrichtung wartet) und ein (viel Platz zum Anstellen bietendes) ÖBB-Reisezentrum mit angeschlossenem Reisebüro. In die mit weißen Glasplatten verkleidete Passage sind Lebensmittel- und Zeitschriftenläden, Trafiken, eine Bankfiliale und ein Bistro eingezogen. Außerdem gelangt man von dort mit dem Aufzug oder über die Rolltreppe zu den Bahnsteigen - der Bahnhof ist also endlich barrierrefrei.

Grund dafür, dass sich nicht seit eh und je im Herzen des historischen Bahnhofsgebäudes eine Wartehalle befand, ist: Genau dort, wo man es jetzt per pedes betritt, befand sich eine Unterführung - zunächst für Kutschen, dann für Straßenbahn und Autos.

1856 war der Spatenstich für den ersten Bahnhof an dieser Stelle erfolgt. Am 2. November 1858 öffnete der erste Zug an einem Bahnsteig in St. Pölten seine Türen, einen Monat später nahm der reguläre öffentliche Bahnverkehr den Betrieb auf.

Doch nach und nach platzte der Bahnhof aus allen Nähten und sein Standort am Ende der Kremser Straße, die heute eine Fußgängerzone ist, sorgte für Unmut. Ende der 1880er-Jahre wurde das Gebäude, wie es heute noch großteils besteht, errichtet. Mittendurch führte ein Tunnel zur Verlängerung der Kremser Straße.

In den 60ern wurde die Durchfahrt erweitert und als Bahnhof ein an das historische Haus anschließender Neubau aus dem Boden gestampft. Für die nunmehrige Neunutzung des alten Hauses musste eine Lösung für den Straßenverkehr gefunden werden: Seit Ende 2007 rollt dieser durch die Unterführung Schöpferstraße, westlich der alten Durchfahrt.

In dem historischen Bahnhof wurden Zwischendecken herausgerissen. Bis in die Kuppel blickt der Besucher aber nicht. Im Dach versteckt sich die gesamte Be- und Entlüftung der Passage und der dort angesiedelten Betriebe.

Mit 208 Millionen Euro beziffern die ÖBB die Kosten für den Umbau, im Zuge dessen auch die Bahnsteige und die Gleisanlagen erneuert wurden. Außerdem wurden Fahrradabstellplätze und ein Teil des Vorplatzes überdacht. Der Umbau ist Teil der "Bahnhofsoffensive", die auch bereits in Graz, Innsbruck, Wels, Klagenfurt und Wien für Erneuerung sorgte.

Einem stolzen St. Pöltener gefällt's: "Ich habe mich gleich zurechtgefunden", sagt dieser. Der alte Bahnhof habe stellenweise "den Eindruck von der Stadt sehr nach unten gedrückt". Der 60er-Jahre-Bau wird noch bis 2011 umgebaut. Das "Johann Strauss"-Café, in das man bis zum Umbau über Bahnsteig 1 gelangte, und ein Friseur ziehen dann noch dort ein. Der Fahrgasttunnel, der bis vor kurzem noch das Erste war, was aus dem Zug Gestiegene von St. Pölten zu sehen bekamen, wird zum Lager- und Müllraum. (Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 10. September 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 65
1 2
re flexion
10.09.2010 15:14
1x ausmalen

und Klos putzen hätt' auch g'reicht!

Tingeltangel-Hojac
10.09.2010 14:27
schade um den alten bahnhof, diese braun/grau/schwarz töne wirds wohl so bald nimmer geben

übrigens: was ist der unterschied zwischen st. pölten und dem mars? das eine ist ein unwirtlicher ort ohne spuren von intelligentem leben, das andere ein planet.

hanslblasta
24.09.2010 18:46
in St. Pölten leben in etwa soviele Menschen wie in Grönland

aber die Stadt ist von der Lebensqualität her eindeutig der bessere Platz;

_marvin
10.09.2010 16:03
Als St. Pöltner gibts von mir ein "Unnötig"!

Gratuliere zu diesem Posting!
Von Intelligenz brauchen Sie wohl nicht sprechen / schreiben!

Tingeltangel-Hojac
10.09.2010 16:17
"humor ist, wenn man trotzdem lacht"

aber was weiß scho ein pröllianer

Hellex
12.09.2010 12:02
Wie gstör?!

sind Sie denn?

_marvin
10.09.2010 20:52
Humor auf Kosten anderer?

weird sista
 
10.09.2010 16:56

zur info: pröll regiert NÖ, die stadt st. pölten hat einen roten bürgermeister.

re flexion
10.09.2010 18:20
Ja eh

Pröll kann wenigstens lachen!

_marvin
10.09.2010 20:51
Ein falsches Lächeln ist das schlimmste!

Gerhard Grabner
10.09.2010 13:43
Durchfahren

Nachdem der Pröll ohnehin gegen jede Art schienengebundenen Verkehrs fanatisch kämpft, hätte man ja den Bahnhof gar nicht gebraucht und die Züge einfach durchfahren lassen können. Für den Verkehr nach St. Pölten hätte man ja einen Pröllbus oder andere straßengebundene Verkehrsmittel einrichten können.

GWS
 
11.09.2010 11:26

In St. Pölten ist die Pröllpartie allerdings nicht sonderlich beliebt (letzte GR-Wahl: SPÖ 59,6%; ÖVP 24.2%; Grüne 7.2%; FPÖ 5.7%), weswegen die "rote" Stadt auch immer wieder vom Land drangsaliert wird.

living reef
11.09.2010 08:52
er wollte auch ein paar pröllböcke

im "st.ludwigsburger prölldown"

Hellex
10.09.2010 13:18
Jetzt gibt es viel zum Anschauen

wenn man auf den 35-minütig verspäteten Zug wartet. Und die Sitzt sind dafür auch ganz neu. Erträglicher wird das unnötige Warten dadurch aber auch nicht. Eine Renovierung bei Pünktlichkeit und Service wäre auch dringenst nötig!

Def. Izit
10.09.2010 13:14
Rund 26.000 Fahrgäste täglich

brauchen Infrastruktur - kostet über 20 Jahre gerechnet € 1,10 pro Tag und Passagier.

Blöd wird nur, wenn "Onkel StiefelErwin" Nebenbahnen einstellt, bzw Verkehrsinfrastruktur reduziert. Dann wandern weitere Pendler auf die A1 ab.

Eckhausbesitzer
29.09.2010 22:28

Infrasturkur lediglich auf 20 Jahre zu betrachten zeugt von Kurzsichtigkeit.

GWS
 
11.09.2010 11:29

Ein beträchtlicher Teil der Kosten steckt in Ausbau und Umtrassierung ("Eisbergbogen") von Gleislanlagen im Zuge des Ausbaus der Westbahn zur Hochgeschwindigkeitsstrecke. Die Totalrenovierung des Bahnhofsgebäudes selbst hat "nur" ca. 20 Mio. gekostet.

hanslblasta
24.09.2010 19:02
"Mit 208 Millionen Euro beziffern die ÖBB die Kosten

für den Umbau, im Zuge dessen auch die Bahnsteige und die Gleisanlagen erneuert wurden. Außerdem wurden Fahrradabstellplätze und ein Teil des Vorplatzes überdacht. Der Umbau ist Teil der "Bahnhofsoffensive", die auch bereits in Graz, Innsbruck, Wels, Klagenfurt und Wien für Erneuerung sorgte."

warum schreibt Der Standard nicht, dass - wie in Postings zu lesen - der Umbau des Bahnhofs selbst keine 10% des Betrages ausmachte, während 90% in den Ausbau der Schieneninfrastruktur flossen?

NoComment
10.09.2010 16:33

ich hab von insidern gehört dass die geschäfte dort miete zahlen müssen.

Eckhausbesitzer
29.09.2010 22:29

Na bumm! Sie sind aber gut vernetzt ;o)

Dr. Seltsam
 
10.09.2010 15:11

So eine Kalkulation habe ich angesichts der Kosten auch sofort aufgestellt.
4000€ wurde bezogen auf jeden St. Pöltner in den Bahnhof gesteckt. Das sind schon gewaltige Summen!

Ich frage mich, wie sich das rechnen soll?

NoComment
10.09.2010 16:31

angeblich zahlen die gewerbetreibenden dort miete.

Dr. Seltsam
 
10.09.2010 16:38

Und? Vielleicht gibt es dort 2000m² Gewerbefläche, die von mir aus um durchschnittlich 20€ pro Monat und m² vermietet werden soll. das wären ~ 0,5Mio Mieteinnahmen pro Jahr.
Selbst wenn ich mich um 400% verschätze, macht das das Kraut nicht fett.

Def. Izit
11.09.2010 10:28
Darum hab ichs auch nicht berücksichtigt.

lg

berti russell
10.09.2010 13:02

der alte saal hatte also "eine handvoll sitzplätze". wieviele sitzplätze hat die imposante halle heute? am bild sehe ich keinen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 65
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.